23.06.2018 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Soja
Pionierin Schweiz
In Schweizer Futtertrögen landet immer häufiger europäische Soja. Brasilien bleibt aber Hauptlieferant. Der Anteil nachhaltig produzierter Soja liegt bei fast 100 Prozent.

40 Prozent der Soja, welche die Schweiz 2011 importiert hat, stammte aus einem sozial- und umweltverträglichen Anbau. Im letzten Jahr lag dieser Anteil bereits bei 96 Prozent. Dass heute fast ausschliesslich nachhaltig angebaute Soja importiert wird, ist das Verdienst des Vereins Soja Netzwerk Schweiz, einer Initiative der Land- und Ernährungswirtschaft, die von 29 Organisationen und Unternehmen getragen wird. 

41% aus Europa

«Künftig wollen wir in der Schweiz 100 Prozent verantwortungsvoll produzierte Soja einsetzen», kündigte Martin Rufer, Präsident des Soja Netzwerks, heute vor den Medien an. Hierzulande werde zwar kaum Soja angebaut, man setze sich aber auf internationaler Ebene engagiert ein und setze Massstäbe in Bezug auf verantwortungsbewusster Soja. «Wir haben eine Antwort gefunden auf die ökologischen und sozialen Herausforderungen, die mit dem Soja-Anbau verbunden sind», sagte Rufer. 

Nebst dem Anteil an nachhaltiger Soja hat in den letzten Jahren auch der Anteil an europäischer Soja zugenommen. Im letzten Jahr stammte 41 Prozent der Soja aus Europa – eine Verzehnfachung innerhalb von vier Jahren. 

Vorbild Schweiz

Das freut Matthias Krön. Er ist Obmann des Vereins Donau Soja und seit 2 Wochen in Europa unterwegs, um für den Soja-Anbau in Europa zu werben. «Wir wollen die Europäer daran erinnern, dass Soja inzwischen auch eine europäische Kultur ist», sagte Krön. Soja bringe Stickstoff in den Boden und sei gut für die Fruchtfolge. Krön erinnerte daran, dass der österreichische Professor Friedrich Haberlandt vor 140 Jahren der erste war, der die Sojabohne in Europa kultivierte. 

Die Schweiz habe in Bezug auf den verantwortungsbewussten Soja-Anbau Enormes geleistet, lobte Krön. Die Basler Kriterien, welche der WWF und Coop 2004 definiert haben, seien ein Meilenstein. «Die Schweiz ist weltweit ‘best practice’ bei der Soja», betonte Krön. Die EU forderte er auf, den gleichen Weg wie die Schweiz zu gehen und nur noch nachhaltige Soja zu importieren. 

Problem Pflanzenschutzmittel

Dass die Schweiz auf nachhaltige Soja setzt, freut auch Antonio Andrioli. Der Vizepräsident der brasilianischen Universität Fronteira Sul machte auf die negativen Seiten des Soja-Booms aufmerksam. Die Produktion werde immer weiter ausgedehnt. «Mittlerweile wird in Gebieten Soja angebaut, wo eigentlich keine Soja angebaut werden sollte», betonte Andrioli. Auf rund der Hälfte der Ackerfläche Brasiliens würden heute Sojabohnen kultiviert – der Grossteil davon seien gentechnisch veränderte Sorten. 

Als eines der grössten Probleme bezeichnete Andrioli den massiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. «Brasilien ist Weltmeister beim Pestizideinsatz.» Laut Andrioli ist die einseitige Ausrichtung auf den Anbau von Soja sowie die ausgeprägte Exportorientierung verantwortlich, dass die Landbevölkerung an Hunger leide. «Es wäre sinnvoller, wenn man Bauern unterstützen würde, andere Produkte anzubauen.» 

Adrian Aebi, Vizedirektor des Bundesamts für Landwirtschaft, lobte das Soja Netzwerk Schweiz als Vorzeigemodell, das zur Glaubwürdigkeit der Schweizer Nahrungsmittelproduktion beitrage.

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