29.04.2019 11:21
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Getränke
«Potenzial für Schweizer Hopfen»
Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbandes, sieht Potenzial in Schweizer Hopfen und Braugerste. Und hofft, dass die Schweiz zu einer Biernation heranwächst.

Regionale Brauereien und Bier-Lokale mit grosser Auswahl sind im Trend. Was sind die Gründe für dafür?
Marcel Kreber: Man könnte sagen, je globaler unsere Welt, desto grösser der Wunsch nach lokalem Schaffen und Authentizität. Nicht umsonst gibt es die Weisheit: Bier braucht und/oder schafft Heimat. Neben diesem Grundgefühl ist sicherlich auch die liberale Gesetzgebung in unserem Land mitverantwortlich für den Brauerei-Gründungsboom. Denn eine abgeschlossene Berufslehre als Bierbrauer - Lebensmitteltechnologe EFZ Bier - wie sie die Profi-Bierbrauer absolvieren, wird für das private Bierbrauen nicht vorausgesetzt. Zudem ist das Biersteuergesetz so ausgelegt, dass kleine Brauereien weniger Biersteuer bezahlen müssen als grössere. Natürlich hat aber auch das grösser werdende Interesse der Konsumenten an der wachsenden Biervielfalt seinen Teil zum Boom beigetragen. Ich würde auch meinen, das einzelne Imagemassnahmen - wie der Tag des Schweizer Bieres - einen Einfluss hatten und haben.

Wie viele Brauereien?
Auch wenn die Zahl von über 1'000 Braustätten in der Schweiz nach viel tönt, ist diese dennoch zu relativieren. Rund 700 Brauereien brauen zwischen 0 und 2'000 Liter pro Jahr. Und die 51 grössten Brauereien, die je über 100'000 Liter pro Jahr ausstossen, stehen für über 99 Prozent des schweizerischen Bierausstosses. Eines ist aber allen Brauern - ob gross oder klein - gemein, sie wollen ein qualitativ gutes Bier brauen.

In der Schweiz können sich Interessierte zum Bier-Sommelier ausbilden lassen. Was erhofft sich der SBV von dieser Ausbildung und den Sommeliers?
Diese Ausbildung, welche wir in Zusammenarbeit mit GastroSuisse seit 2011 anbieten, ist eine Erfolgsgeschichte. Prinzipiell geht es darum, Berufsleuten aus der Gastronomie, dem Brauwesen oder interessierten Privatpersonen die unglaubliche Biervielfalt zu vermitteln und sie so zu Bierbotschaftern auszubilden. Ein passendes Bier wird sowohl in der gehobenen Hotellerie und Gastronomie als auch im einfachen Restaurant geschätzt. Die Brauereien in der Schweiz besitzen ein reiches und innovatives Angebot an Bierspezialitäten, die es zu entdecken, zu verkosten und zu verkaufen gilt. Neben regelmässigen Weiterbildungsangeboten finden auch Schweizer Meisterschaften statt, um die besten Bier-Sommeliers des Landes zu küren und diese an die Weltmeisterschaften - wie 2019 - zu entsenden.

Einige Brauereien setzen auf Schweizer Braugerste oder Schweizer Hopfen. Sehen Sie künftig einen wachsenden Markt dafür oder bleibt es eine eher exklusive Nische?
Hier sehe ich durchaus Potential. Wir decken rund 10 Prozent des schweizerischen Bedarfs mit einheimischem Hopfen. Der Anbau von Braugerste ist anspruchsvoll. An erster Stelle steht die richtige Sorte. Sie muss sich nicht nur für die Böden und das Klima in der Umgebung eignen, sondern auch gute Malz-Eigenschaften mitbringen. Schweizer Brauergerste muss grösstenteils aufgrund mangelnder Kapazitäten in Deutschland gemälzt werden. Ich bin aber sicher, dass wenn der Preis und die Qualität von in der Schweiz gemälzter Braugerste stimmt, sich durchaus ein Markt entwickelt.

Zum Schluss: Was wünschen sie sich für die Zukunft für die Bier-Branche?

Eine weiterhin wachsende Biervielfalt, die Wertschätzung und den Zuspruch der Konsumenten und der Gastronomie und das Bewusstsein, dass die Schweiz langsam aber sicher zu einer Biernation heranwächst. Wir dürfen in diesem Zusammenhang durchaus selbstsicher auftreten. Ich wünsche mir auch, dass viele Brauereien, auch diejenigen, welche als Hobby betrieben werden, auch künftig bestehen bleiben und wir uns alle über die wachsende Bierkultur freuen können.

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