29.04.2015 06:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Schweinemarkt
Preisaufschlag wurde vereitelt
Gespaltene Preise auf dem Schweinemarkt gab es auch schon. Dass aber ein Preisaufschlag wieder rückgängig gemacht wird, ist selten und letzte Woche passiert. Verschiedene Akteure erklären ihre Sicht zur Marktlage.

Vergangene Woche bezahlte die Migros-Tochter Micarna als einzige Abnehmerin 3.70 Fr./kg Schlachtgewicht für Schweine. Die anderen Verarbeiter hatten sich geweigert, den Preisaufschlag um 10 Rp. mitzumachen. Die Suisseporcs rief daraufhin Handel und Produzenten auf, keine Schweine unter 3.70 Fr./kg zu platzieren. So sollten die anderen grossen Schweineschlachter Bell und Ernst Sutter AG zum Aufschlag bewegt werden.

Micarna: Aufschlag wäre marktkonform gewesen

Doch es kam anders. Alle Verarbeiter bekamen genügend Schweine geliefert, und so musste die Micarna zurückkrebsen und bezahlt nun auch wieder 3.60 Fr./kg. «Wir können nicht teurer einkaufen als unsere Konkurrenten», erklärt Christoph Egger, Leiter Frischfleisch bei Micarna. «Ein Preisaufschlag wäre für uns marktkonform gewesen, da das Angebot an Terra-Suisse-Schweinen eher knapp ist. Ausserdem werden wir im Herbst wieder zu viele Schweine haben, weshalb die Preise jetzt steigen sollten.»

Ganz anders sehen das die Coop-Tochter Bell und die Ernst Sutter AG (Fenaco). «Wir haben unsere Schweine spielend bekommen», sagt Daniel Leutwyler, Vieheinkäufer bei Bell. «Zudem haben wir Schweinefleisch an Lager, das wir abbauen müssen.» Daniel Härter, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung bei der Ernst Sutter AG, bestätigt: «Im Hinblick darauf, dass sich eine Überversorgung mit Schweinefleisch abzeichnet, müssen wir die Nachfrage fördern.» Der Markt sei momentan bei 3.60 Fr./kg ausgeglichen.

Hoffentlich keine Importe

Dass sich die Ernst Sutter AG als bäuerliche Organisation  derart gegen den Aufschlag sträubt, stösst bei den Produzenten angesichts des tiefen Preisniveaus auf wenig Verständnis. Suisseporcs-Geschäftsführer Felix Grob anerkennt aber: «Die Produktion ist zu hoch, und wir kennen die Lagerbestände nicht.»

Der Trick mit dem «Aushungern» von Abnehmern hat also nicht funktioniert. «Die Micarna kann nicht plötzlich viel mehr Schweine schlachten», erklärt Otto Humbel, Präsident der Schweinehändler. Und ein Händler, der immer Bell beliefere, werde nicht wegen einer Woche zum Micarna-Lieferanten. «Letzte Woche wäre ein Preisaufschlag gesamtschweizerisch gesehen marktkonform gewesen», meint er. «Diese Woche schlachten einzelne Abnehmer aber so wenig, dass nicht alle QM-Schweine platziert sind.»

Humbel hofft, dass der Lagerabbau den Markt im Sommer stützen wird, und vermutet, dass Proviande am Freitag keine Schweinehälften zum Import freigeben wird.

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