12.03.2020 12:13
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Wirtschaft
Provins: Fenaco übernimmt Mehrheit
Der Agrarkonzern Fenaco wird Mehrheitsaktionärin der Walliser Weingenossenschaft Provins. Die Chefs der beiden Firmen informierten an einer Medienkonferenz am Donnerstag über den Deal. Die in finanzielle Schieflage geratene Provins kann damit den Konkurs abwenden.

Provins habe in den letzten Monaten mit vier Unternehmen verhandelt, die an der Rettung des Unternehmens interessiert gewesen seien. «Die Wahl fiel auf die Berner Agrargenossenschaft Fenaco», sagte Guido Egli, Vizepräsident des Verwaltungsrates von Provins, vor den Medien

Insgesamt will Fenaco 50 Millionen Franken in die Sanierung von Provins investieren. Die Lösung sieht eine Umwandlung der Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft vor. Der Deal wird den Mitgliedern von Provins auf einer ausserordentlichen Generalversammlung am 14. April 2020 zur Abstimmung vorgelegt.

Provins als eigene Einheit in Fenaco

«Provins ist die grösste Kellerei der Schweiz mit einer starken Marke und erstklassigen Produkten. Wir sind überzeugt, dass wir das Potenzial von Provins zusammen mit unseren Vermarktungsmöglichkeiten, zum Beispiel über die eigenen Detailhandelsformate Landi, Volg und TopShop, noch besser nutzen können», lässt sich Christian Consoni, Mitglied der Geschäftsleitung von Fenaco, zitieren.

Provins wird innerhalb der Fenaco als eigenständiges Walliser Unternehmen weitergeführt. Provins soll im Kern Provins bleiben, mit einer starken Verankerung im Wallis und einer lokalen Führung. Auch der genossenschaftliche Geist von Provins soll erhalten bleiben. Dieses strategische Modell praktiziere Fenaco bereits mit der Divino SA erfolgreich. «Dank einer Partnerschaft mit Provins können wir auch in der Westschweiz direkt mit den Winzerinnen und Winzern zusammenarbeiten, bäuerliche Wertschöpfung generieren und so unserem genossenschaftlichen Zweck gerecht werden», sagt Consoni weiter.

Winzer Ernte bezahlen

Dank der Kapitalerhöhung sowie zusätzlichen Mitteln aus einer von Fenaco zur Verfügung gestellten Kreditlinie werden die Eigenmittel von Provins massiv gestärkt und die Bilanz bereinigt. Das ermöglicht Provins, mit den Winzerinnen und Winzern die Ernte 2019 abzurechnen. Die ausstehenden Forderungen aus der Ernte 2019 können gemäss Fenaco vollständig beglichen und Darlehen sowie Bankschulden zurückbezahlt werden.

«Dank der Partnerschaft können wir zuversichtlich in die Zukunft schauen. Für 2020 rechnen wir damit, dass wir – bei entsprechender Qualität – etwa die gleichen Mengen verarbeiten können wie 2019. Mittelfristig gehen wir davon aus, dass die ‹neue› Provins 6 bis 7 Millionen Kilogramm Trauben zu 5 bis 6 Millionen Litern Wein verarbeiten wird», lässt Provins-Geschäftsführer Otmar Hofer zitieren.

Provins mit hohem Verlust

Provins vereinigt rund 3200 Genossenschafter, die 2018 insgesamt 8,1 Millionen Kilogramm Trauben ablieferten. Auch weil die Genossenschafter im Dezember 2019 die von Provins angestrebte Aufhebung der Abnahmegarantie abgelehnt haben, sitzt der Produzent auf übervollen Lagern und kämpft mit Liquiditätsproblemen. Das Weinhaus konnte den Genossenschaftern ihre Ernte nicht mehr oder nicht mehr vollständig bezahlen.

Grund für die finanzielle Misere ist unter anderem die Rekordernte 2018. Provins sitzt auf übervollen Lagern. Am Ende des Jahres lagerten in den Stahltanks 60 Millionen Liter mehr Wein als normalerweise.  Gemäss den Statuten der Genossenschaft ist Provins verpflichtet, den Mitgliedern die komplette Ernte abzukaufen.

Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Schweizer Weinen. Das Geschäftsjahr 2018/2019 schloss Provins bei einem Umsatz von knapp 48 Millionen mit einem Verlust von knapp 1,5 Millionen Franken ab. Im Jahr zuvor waren es 2,8 Millionen.

Grösster Weinproduzent

Die Walliser Genossenschaftskellerei Provins ist gemäss eigenen Angaben der grösste Produzent Schweizer Weine. Die Produktion von Provins macht 20 Prozent der Walliser und 10 Prozent der Schweizer Weinproduktion aus. Die 3‘000 Winzerfamilien der Genossenschaft verarbeiten die Trauben der gesamthaft 780 Hektar Rebbergen aus dem ganzen Walliser Weinbaugebiet.

Provins hat 70 Mitarbeitende. Die Kellerei bietet rund 20 Produktlinien mit insgesamt 110 Weinen und beliefert alle Marktsektoren, von Grossverteilern über Gourmetrestaurants bis hin zu Privatkunden

Zu Fenaco gehören unter anderem die Detailhändler Landi und Volg, die Erdölfirma Agrola, der Getränkehersteller Ramseier sowie zahlreiche weitere Unternehmen. 2018 erzielte der Konzern mit Sitz in Bern einen Umsatz von 6,77 Milliarden Franken und einen Betriebsgewinn (Ebit) von 131 Millionen Franken.

Umsetzung  in mehreren Schritten

Die Umsetzung der Partnerschaft ist in folgenden Schritten geplant:

  1. Umwandlung der Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft und Umbenennung in Provins SA
  2. Verabschiedung neuer Statuten ohne Abnahme- und Lieferverpflichtung
  3. Umtausch der 12'489 Genossenschaftsanteile mit Nominalwert CHF 300.– in 12'489 Aktien der neuen Aktiengesellschaft mit dem gleichen Nominalwert
  4. Herausgabe von 29'141 neuen Aktien im Nominalwert von CHF 300.–, die vollständig von der fenaco übernommen werden; damit wird die fenaco 70 Prozent an der neuen Aktiengesellschaft halten
  5. Wahl eines neuen Verwaltungsrats mit drei Sitzen für die fenaco und zwei Sitzen für die Winzerinnen und Winzer; vorgeschlagen werden:
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