22.01.2014 07:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kälbermast
Rotabzüge sind nicht vom Tisch
Die ungerechtfertigten Abzüge für rosa bis rötliches Kalbfleisch sind trotz Branchenempfehlung noch nicht vom Tisch. Doch den Mästern sind die Hände gebunden. Sie halten ihren Teil der Vereinbarung ein.

Im August 2013 einigte sich die Kalbfleischbranche auf einen Kompromiss bei der Kalbfleischfarbe. Damit, so hoffte man, würden die umstrittenen Abzüge für rosa bis rötliches Kalbfleisch der Vergangenheit angehören.

Doppelter Bschiss

Doch dem ist nicht so. Neben der Lucarna-Macana AG – die sich von Anfang an dagegenstellte – hält sich auch die Felder AG in Schwyz nicht an die Branchenempfehlung. Das Unternehmen, das pro Woche 150 bis 250 Kälber aus der Zentralschweiz schlachtet, macht nicht nur bei den Kälbern aller Alterskategorien Abzüge für rötliches Fleisch. Es setzt den L-Wert, also den Grenzwert für die Fleischfarbe, gemessen mit der Minolta-Kamera, auch viel höher an als vorgesehen.

Für Hansuli Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes STS, ist das doppelter Bschiss: «Der Kompromiss sieht erstens vor, dass es bei unter 160 Tage alten Kälbern keinen Rotabzug gibt, ausser, das Fleisch ist rindfleischartig rot. Zweitens wurde der L-Wert, ab dem bei älteren Tieren Rotabzüge gemacht werden können, in der Empfehlung bei 39 festgesetzt. Die Felder AG aber zieht schon bei Farbwerten unter 42 mindestens einen Franken pro Kilo ab.» Je höher der L-Wert, desto heller das Fleisch. 

Keine Kälber mehr liefern

Bei der Felder AG heisst es, die Gastronomie wünsche nach wie vor weisses Kalbfleisch. Erst ab einem L-Wert von 42  könne man das Fleisch einigermassen verkaufen. Man erhalte aber trotz der strengeren Regeln immer noch genügend Kälber.

Daran stört sich Samuel Graber, Präsident der Schweizerischen Kälbermästervereinigung: «Wir können die Mäster nur auffordern, solchen Abnehmern keine Kälber mehr zu liefern.» Sonst habe man keine Handhabe, bedauert er: «Wir halten unsere Zusagen und die Alterslimite von 160 Tagen ein. Ich bin der Auffassung, dass die Abnehmer den Kompromiss mittragen sollten. Was da passiert, ist nicht richtig.»

Anzahl «Abweichler» unbekannt

Laut Peter Christen, Leiter Klassifizierung und Märkte bei der Proviande, ist die Branchenempfehlung nicht verbindlich: «Wir wussten von Anfang an, dass sich nicht alle daran halten werden, auch wenn mit Micarna, Bell und der Ernst Sutter die drei grössten Abnehmer die Lösung mittragen.» Wie viele «Abweichler» es gibt, kann er nicht sagen. 

Das Argument der Felder AG, dass man rosa Kalbfleisch nicht verkaufen könne, lässt Christen aber nicht gelten: «Die Konsumenten haben kein Problem damit, dass das Fleisch von Kälbern, die korrekt nach Tierschutzgesetz mit Heu gefüttert wurden, rosa ist.»

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