4.09.2017 12:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Zuckerrüben
«Rübenbauern profitieren»
Eine Änderung bei den Transportentschädigungen für Rüben der Ernte 2018 sorgt derzeit für Diskussionen. Der Präsident der Rübenpflanzer, Josef Meyer, nimmt Stellung zu den Befürchtungen und Forderungen.

«Schweizer Bauer»: Die Transportgruppenleiter im Strassenanfuhrgebiet Frauenfeld und der Vorstand des Rübenrings Seeland sind nicht einverstanden mit der beschlossenen Umlagerung eines Teils der Transportkostenentschädigung in den Rübengrundpreis. Können Sie das nachvollziehen?
Josef Meyer: Sicher kann ich diesen Widerstand verstehen. Er hat wohl zwei Gründe. Zum einen ist das Resultat der Studie der Schweizer Zucker AG (SZU) zu den Transportkosten sehr umstritten, dies, obwohl auch diese Organisationen daran mitgearbeitet haben. Die Studie hat aufgezeigt, dass bei optimalen Bedingungen die effektiven Kosten unter der heutigen Entschädigung liegen können. Die Transportorganisationen sehen das nicht so. Mit der Senkung der Transportkostenentschädigung soll diese Frage der freie Markt beantworten. Der zweite Grund ist, dass oft die landwirtschaftlichen Transporteure, die grosse Mengen Rüben führen, in den Organisationen rund um den Rübenanbau stark engagiert sind. Sie sehen natürlich mit dieser Massnahme ihre Margen in Gefahr. Denn für den Selbstanführer hat diese Umlagerung praktisch keine Auswirkungen.

Die Organisationen behaupten, Strassenanführer seien bei längeren Distanzen gegenüber Bahnanführern und fabriknahen Strassenanführern benachteiligt. Ist das so?
Die 2 Fr. Mehrpreis für die Rüben decken die gesenkte Transportentschädigung bei allen Distanzen ab, ausser bei 15 bis 25 km. Dort beträgt der Verlust maximal 20 Rp./t Rüben, also bei einem Nettogewicht von 23 Tonnen 4.60 Fr. pro Fuhre. Dies, weil die Studie bei diesen Distanzen die grösste Marge festgestellt hat. Ich finde es schade, dass in diesem Zusammenhang nun die Gleichstellung von Bahn- und Strassenanführern in Frage gestellt wird. Das Problem, dass wir in fabriknahen Gebieten immer mehr Fläche verlieren, muss an einer anderen Stelle diskutiert und gelöst werden.

Sind die Strassenanführer in der Interprofession untervertreten?
Die Mitglieder der Interprofession werden von den Regionalverbänden der Rübenpflanzer, WVZ und OVZ, gewählt. Bisher wurde dem Aspekt Strassen- oder Bahnanführer wenig Beachtung geschenkt. Das müsste man eventuell in Zukunft in Betracht ziehen.

Die Kritiker der Branchenvereinbarung (BV) 2018 fürchten, dass dadurch Produzenten aus dem Rübenanbau aussteigen. Teilen Sie diese Befürchtung?
Der Schweizer Rübenanbau ist aufgrund der gesunkenen Zuckerpreise in Gefahr, das ist so. Aber die Umlagerung der zwei Franken von den Transportkosten  in den Rübenpreis hat für die Pflanzer keine negativen finanziellen Folgen. Im Gegenteil: wenn sie günstigere Transportkonditionen aushandeln, profitieren sie von den zwei Franken Mehrpreis. Mögliche Verlierer könnten höchstens die Transporteure sein. Wir müssen uns einfach bewusst sein: Wenn wir eine oder beide Zuckerfabriken schliessen müssen, werden wir nie mehr eine eröffnen.

Wie sollte Ihrer Meinung nach das weitere Vorgehen in Sachen BV 2018 sein?
Der SVZ hat an einer Telefonkonferenz den Antrag auf Nachverhandlungen besprochen und ihn in einer Abstimmung abgelehnt.

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