26.09.2014 08:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Mostobst
Rückbehaltesystem umstritten
Die Tafelobstproduzenten tragen mehr zu den Überschüssen beim Mostobst bei. Dies führt zu Diskussionen um den Rückbehalt.

Die grosse Apfelernte 2014 bringt das Thema Rückbehalt auf Mostäpfeln wieder in die Schlagzeilen. Das Rückbehaltsystem ist nicht unumstritten, insbesondere Hochstammobstproduzenten sehen sich durch die aktuelle Regelung benachteiligt.

Most braucht Säure

Apfelsaft in der gewerblichen Obstverwertung benötigt 5 bis 7 g Apfelsäure pro Liter. Saft aus Tafeläpfeln hat 2 bis 4 g/l Apfelsäure. Der Bedarf an Tafeläpfeln in den Mostereien richtet sich also nach dem Zielwert von 5 bis 7 g/l Apfelsäure.

Gesamtschweizerisch besteht gemäss der Organisation Hochstamm Suisse ein Jahresbedarf von 20'000 bis 30'000 t gewöhnlicher Mostäpfel (fast ausschliesslich aus Tafelobstanlagen) und 50'000 bis 70'000 t Spezialmostäpfel (fast ausschliesslich von Hochstammbäumen). Die Menge an Spezialmostäpfeln nimmt wegen Feuerbrand, Überbauung und Überalterung der Hochstammbestände ab.

Mostobstlager sind tief

Der Bedarf hängt auch mit den bestehenden und geplanten Vorräten zusammen. «Bis zu dieser Ernte waren die säurereichen Konzentrate in den Lagern eher knapp, während  eher zu viel säurearme Konzentrate an Lager waren», weiss Pascal König vom SVS/Bird Life Schweiz und Vorstandsmitglied von Hochstamm Suisse.

Generell seien die Lager eher tief, weil im Hochstamm die Ernte im letzten Jahr schlecht war. «Bei der Bioware ist der Bedarf mit 5000 t sehr hoch, weil die Lager leer sind und zusätzlich ein Lager von 40% des Jahresbedarfes aufgebaut werden soll», erklärt er.

Zu viel Tafeläpfel

Die Mostobstschätzung 2014 für Äpfel rechnet mit 66'000 t von Hochstammbäumen, 30'000 t aus Tafelobstanlagen und 10'000 t aus Anlagen mit Spezialmostäpfeln. «Die geschätzte Ernte von Hochstammbäumen ist marktkonform, weil die Lager aufgebaut werden sollen und mit dem Ausbau von Hochstamm Suisse gelabelten Säften die Nachfrage nach Hochstammobst tendenziell steigt», sagt König.

Der Bedarf an Tafelobst der Mostereien werde aber voraussichtlich um 10'000 bis 20'000 t übertroffen. Auch in den letzten Jahren stammte der Überschuss in der Mostapfelproduktion praktisch ausschliesslich aus der Tafelobstproduktion.

Besseres System gefordert

Der Rückbehalt für 2014 liegt bis 95'000 t bei 2 Fr./100 kg über alle Kategorien (ausser Bio-Äpfel). Hochstamm Suisse fragt sich, weshalb der Rückbehalt nicht stärker differenziert wird, um das zu stärken, was der Markt zusätzlich braucht, «nämlich Labelprodukte wie Hochstamm Suisse».

«Die Höhe des Rückbehalts wird im Produktezentrum Mostobst festgelegt, wo als Produzentenvertreter mehrheitlich Tafelobstproduzenten delegiert werden», stört sich König daran. Hochstamm Suisse setze sich für ein differenziertes Rückbehaltsystem ein, das die Nachfrage am Markt besser widerspiegle.

Stimme des SOV

Der Bedarf für den Mostobstmarkt liege gemäss einer Umfrage bei 63% Spezialmostäpfeln und 37% gewöhnlichem Mostobst und schwanke je nach Qualität, sagt Bruno Jud, Präsident des Schweizer Obstverbandes (SOV) und Vizepräsident des Produktzentrums Mostobst. «Sowohl die Tafel- als auch die Hochstammapfelproduzenten tragen heuer zu den Übermengen bei», meint er. Aber es sei schon so, dass die gewöhnlichen Mostäpfel die grösseren Übermengen lieferten. «Deshalb gibt es für Spezialäpfel ja auch einen höheren Richtpreis und ab 95'000 t einen um 2 Franken tieferen Rückbehalt», erklärt Jud. Ende Jahr werde die Branche Gespräche führen, um das Rückbehaltsystem weiter zu optimieren. gro

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE