1.10.2014 09:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Schweinemarkt
Rund 45000 Schweine zu viel
Im Detailhandel sind nun Schweinefleisch-Aktionen geplant. Diese sollen den Absatz ankurbeln und die Überhänge bei den Schweinen beseitigen. Label-Schweine werden bevorzugt abgenommen.

Vor einem Monat berichtete der «Schweizer Bauer» über die miserable Situation auf dem Schweinemarkt. Seither hat sich nichts gebessert. Im Gegenteil: Der Schweinepreis ist weiter auf aktuell 3.60 Fr./kg SG gesunken. Gemäss Händlern gibt es schweizweit einen Überhang von 40'000 bis 50'000 Schweinen.

Höhere Schlachtgewichte

Zwar ist die Anzahl klassifizierter Schweine seit Jahresbeginn gegenüber der Vorjahresperiode um 1,2 Prozent gestiegen, doch es hapert auch bei der Nachfrage. «Wir hatten einen schlechten Grillsommer und verzeichnen leicht wachsende Umsätze im Geflügel- und Fischbereich», schreibt die Migros auf Anfrage. Dadurch haben auch die Fleischlager nicht wie gewünscht abgebaut werden können.

Als weiteren Grund für die Überhänge nennt der Verarbeitungsbetrieb Micarna die höhere Limite der Schlachtgewichte, die einige Abnehmer im Frühling eingeführt hätten und die zu einer höheren Fleischmenge führte.

Aktionen geplant

Produzenten und Händler stören sich seit Wochen daran, dass die Schweinefleischpreise im Detailhandel nicht deutlich nach unten angepasst wurden. Immerhin ist der Produzentenpreis seit Juni um 1.10 Fr./kg SG gesunken.  Das sehen Migros und Coop anders: «Wir geben die tieferen Einstandspreise laufend in Form von günstigeren Preisen an unsere Kunden weiter.»

Von zusätzlichen Schweinefleisch-Aktionen wollten die Grossverteiler allerdings bis anhin nichts wissen. Es sei keine Schweinefleisch-Zeit, so das Argument. Man habe momentan die Wild-, die Lamm- und die Rindfleisch-Aktionen am Laufen. Das soll sich nun ändern: «Als erste Massnahme planen wir gross angelegte Aktionen auf Schweinefleisch in der kommenden Woche», schreibt Coop. Weitere Aktivitäten seien in Prüfung. Auch die Migros hat sich entschlossen, bedeutende Aktionen mit bis zu 50% Preisreduktion zu machen.

Mehr Teilstücke importiert

Marktkenner vermuten, dass die Fleischhändler in den letzten Monaten aufgrund der tiefen EU-Schweinepreise vermehrt Teilstücke ausserhalb des Zollkontingents importiert haben. Tatsächlich zeigen Zahlen der Oberzolldirektion, dass von Januar bis Juli 2014 rund 25 Prozent mehr Teilstücke eingeführt wurden.

Coop betont allerdings: «Wir verkaufen momentan ausschliesslich Schweinefrischfleisch aus der Schweiz.» Im Bereich Charcuterie gebe es ein paar wenige Spezialitäten aus dem EU-Raum. Bei der Migros liegt der Anteil Importschweinefleisch gemäss ihren Angaben momentan unter 1 Prozent.

Labels werden bevorzugt

Im Vorteil sind die Produzenten von Label-Schweinen; zumindest, was die Abnahme anbelangt. «Bei den CNf-Schweinen haben wir Verträge und nehmen die geplante Menge ab», gibt der Verarbeiter Bell zur Auskunft.

Die Micarna hat in den Monaten Juli, August und September sogar mehr Terra-Suisse-Schweine geschlachtet, als mit der IP-Suisse vereinbart war. «Seitens Micarna war die Nachfrage nach IPS-Schweinen besser als jene nach QM-Schweinefleisch», so die Micarna. Da der Preis für Label-Schweine aber an den QM-Preis gekoppelt ist, sinkt dieser (abgesehen von der Prämie) genau gleich.

Taskforce gebildet

Unter der Leitung von Proviande wurde nun eine Taskforce Schweinemarkt mit Vertretern der Produzenten, des Handels und Verarbeitern ins Leben gerufen. «Es geht erstens darum, Möglichkeiten zu eruieren, wie der Markt rasch saniert werden könnte», erklärt Peter Schneider von der Proviande. Man wolle aber auch über Strategien sprechen, wie der Konsum von Schweinefleisch längerfristig erhalten und gefördert werden könnte. Eine erste Sitzung der Gruppe ist für nächste Woche geplant.

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