19.06.2020 12:06
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Schlachtvieh
Schlachthof: Neue Deklaration bei Rindern
Die Fleischbranche will verhindern, dass trächtige Tiere zur Schlachtung kommen. Deshalb müssen Tierhalter deklarieren, ob Kühe und Rinder trächtig sind. Doch die Branche will die Zahl trächtig geschlachteter weiter senken. Deshalb werden die Deklarationsvorgaben bei Rindern auf den 1. Juli 2020 verschärft.

Schlachttiere müssen möglichst stress- und schmerzfrei getötet werden. Und es gilt zu verhindern, dass gesunde trächtige Tiere zur Schlachtung kommen, ist die sich die Fleischbranche einig. Um zu verhindern, dass trächtige Tiere in den Schlachthof kommen, wurde 2017 für Tiere der Rindviehgattung die Selbstdeklaration einer Trächtigkeit durch die Produzenten eingeführt.

Herkunftsbetrieb verantwortlich

Grundsätzlich ist der Tierhalter aus dem Herkunftsbetrieb dafür verantwortlich, dass er über das Trächtigkeitsstadium seiner Tiere informiert ist. Er muss diese Information an den nächsten Tierhalter weitergeben. Anschliessend sind alle weiteren Beteiligten in der Wertschöpfungskette für die Weitergabe der Information verantwortlich, schreibt Proviande, die Branchenorganisation der Fleischwirtschaft.

Die Selbstdeklaration erfüllt folgende Zwecke:

  • Die Produzenten werden in die Verantwortung einbezogen.
  • Bei einer allfälligen Weitermast liegt eine Information bezüglich Trächtigkeit vor.
  • Trächtige Tiere sind in jeder Stufe vom Geburts- bis zum Schlachtbetrieb erkannt.

Der Halter muss seit 2017 bei Ungewissheit vor dem Verkauf bei Rindern ab einem Alter von 18 Monaten und bei Kühen, die vor mehr als fünf Monaten letztmals gekalbt haben, eine Trächtigkeitsuntersuchung durchführen. Das Dokument schreibt zudem vor, dass trächtige Tiere nur Ausnahmesituationen und Notfällen (Unfall, unheilbare Krankheit) geschlachtet werden dürfen.

Seit Januar 2020 gibts Busse

Der Trächtigkeitsstatus muss auf dem offiziellen amtlichen Begleitdokument für Klauentiere ausgewiesen werden. Somit muss der Tierhalter die Trächtigkeit seiner Tiere überwachen.

Die Wirkung der Branchenlösung wurde in der Folge überprüft. Die Resultate haben die Fleischbranche nicht zufriedengestellt. Mitte Mai 2019 wurde eine Anpassung verabschiedet, die am 1. Januar 2020 in Kraft trat. Seit Anfang Jahr gilt:

  • Bei unbegründeten Schlachtungen von trächtigen Kühen und Rindern werden dem Lieferanten pro Tier Fr. 100.- in Abzug gebracht.
  • Für Krank- oder Notschlachtungen reicht die Deklaration unter Punkt 5 auf dem Begleitdokument.
  • Die Sanktionen bei angelieferten trächtigen Tieren in den Schlachthöfen werden auf privatrechtlicher Basis von der Branche selbst verantwortet.

Zwar hat die neue Regelung gemäss Proviande die Sensibilität bei den Tierhaltern erhöht. «Die Frist für die Deklarationspflicht bei den Rindern erweist sich als nicht zufriedenstellend. 60% der zur Schlachtung geführten trächtigen Rinder sind jünger als das festgelegte Mindestalter für die Deklaration von 18 Monaten», hält die Proviande in ihrer Mitteilung fest. Und nach wie bestünden Unsicherheiten, ab wann eine Deklaration notwendig sei, schreibt die Proviande in einer Mitteilung. 

Mängel bei Rindern

Deshalb werden die Empfehlungen zur Vermeidung des Schlachtens von trächtigen Tieren der Rindviehgattung, ab dem 1. Juli 2020 erweitert. Die Branche hofft, dass sich die Situation verbessern wird.

Neu gilt ab dem 1. Juli 2020 die Deklaration bei Rindern ab dem Alter von 15 Monaten und bei Kühen ab 5 Monaten nach dem letzten Abkalbedatum. Die Angabe zur eindeutigen Trächtigkeit muss mit Ja/Nein auf dem «Begleitdokument für Klauentiere» zwingend aufgeführt werden. Krankschlachtungen müssen gemäss Richtlinien begründet werden.

Künftig auch bei anderen Tiergattungen

Es werden weitere Verbesserungen angestrebt. «Mittelfristig muss es für den Tierhalter möglich sein, bei seinen Tieren auf einfache und praktikable Art, ohne Hilfe des Tierarztes die Trächtigkeit seiner Tiere festzustellen», heisst es weiter. Dies soll nicht für Tiere der Rindergattung gelten, sondern auch für Schafe und Schweine. Die Arbeitsgruppe trifft zusammen mit dem BLV Abklärungen, welche Möglichkeiten bestehen, eine Trächtigkeit systematisch einfacher festzustellen zu können.

Damit die Zahl trächtig geschlachteter Rinder und Kühe in Zukunft gesenkt werden kann, gilt gemäss Proviande:

 

  • Beim Kauf von Tieren Informationen über die Trächtigkeit einholen.

 

Häufig gelangen Tiere auf Umwegen über Zwischenhändler oder Mastbetriebe zum Schlachthof. Die neuen Besitzer werden oft nicht im Detail über die zugekauften Tiere informiert. Es bleibt dann unklar, ob der Vorbesitzer von der Trächtigkeit wusste.

 

  • Ungeplante Trächtigkeiten verhindern

 

Es ist eine Frage des Herdenmanagements: Auch in Freilaufhaltung, in welcher oft die künstliche Besamung durch den Natursprung ersetzt wird, muss der Tierhaltende die Kontrolle über den Zyklusstand seiner Tiere haben. Natursprung war bisher vor allem in der Mutterkuhhaltung verbreitet, ist nun aber immer häufiger auch in der Milchviehhaltung anzutreffen. Bei jungen Mastrindern in Herdenhaltung kann es zu ungeplanten Trächtigkeiten kommen, denn die Rinder erreichen oft die Geschlechtsreife, bevor sie geschlachtet werden.

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