9.04.2020 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Tabea von Ow, awp
Coronakrise
Schoggi wird kein knappes Gut
Auch wenn die Coronapandemie noch eine Weile anhalten würde, droht der Schweizer Schokoladenindustrie so schnell kein Kakaomangel. Die Rohstoffe für das «braune Gold» werden allerdings teurer.

Über 60 Prozent des weltweiten Kakaos wird in den beiden westafrikanischen Nachbarländern Elfenbeinküste und Ghana angebaut. Sie beliefern die Schweizer Schokoladenhersteller derzeit noch mit ausreichend Kakao.

Kakao lange haltbar

Ein Mangel würde aber auch dann nicht so schnell drohen, wenn die beiden Länder oder auch kleinere Kakaoexporteure eine Weile nicht liefern könnten, wie mehrere Schokoladeproduzenten gegenüber der Nachrichtenagentur AWP erklärten. Denn Kakao ist lange haltbar. Wenn die Vorratskammern gefüllt sind, können die Fabriken problemlos eine Weile weiterproduzieren.

Zucker und Milch, ebenfalls wichtige Grundzutaten für die (Milch-)Schokoladenproduktion, gibt es laut dem Verband Schweizerischer Schokoladeproduzenten Chocosuisse derzeit ebenfalls genug. Sie stammen zudem meist aus dem Inland, womit die Lieferwege kurz sind.

Höhere Preise möglich

Der Import von Rohstoffen, dazu gehören bei der Schokoladenherstellung zum Beispiel auch die Nüsse, ist derzeit ebenfalls gewährleistet, er wird aber durch die restriktiven Ein- und Ausfuhrbedingungen vieler Länder erschwert. Das treibt die Rohstoffpreise für die Schokoladenproduktion in die Höhe.

Auf den Konsumentenpreis dürfte sich das im Moment noch nicht direkt auswirken, wie es bei Chocosuisse heisst. Die grossen Hersteller verkaufen meist nicht direkt an die Endverbraucher, sondern an Detailhändler. Diese wiederum legen die Konsumentenpreise fest. Während die Rohstoffpreise bei grossen Fabriken einen grossen Kostenanteil ausmachen, geben kleinere Manufakturen an, bei ihnen sei in erster Linie die Herstellung und weniger der Rohstoffpreis der Hauptkostentreiber.

Rezession droht

Sollten die Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie allerdings länger anhalten und die Rohstoffpreise weiter steigen, könnten die höheren Kosten unter Umständen nicht mehr durch die Marge abgefedert werden. Dann wären je nach Markt auch Preiserhöhungen bei den Endprodukten nicht ausgeschlossen. «Eine globale Rezession ist in aller Munde, das ist natürlich für eine stark exportorientierte Branche wie die unsere ein negatives Vorzeichen», so Chocosuisse-Chef Urs Furrer.

Dass es bei einer Rezession signifikante Preisänderungen bei der Schokolade geben könnte, glaubt Matthias Bachmann, Geschäftsführer der Confiserie Bachmann, allerdings nicht: «Niemand möchte sich mit zu hohen Preisen ins Abseits befördern, das wäre dann ja kontraproduktiv in einer Zeit, in der die Kaufkraft leidet.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE