22.09.2014 14:14
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland/Österreich
Schweinemarkt: Sorgen wegen Preiseinbruch
Durch den kräftigen Preisrutsch am Schweinemarkt drohen den bäuerlichen Produzenten in Österreich und Deutschland ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten.

„Viele Schweinehalter haben bereits Liquiditätsengpässe und können die Kosten für die eingesetzten Betriebsmittel wie Treibstoffe, Strom, Zukauffutter sowie die teuren Erntekosten und Steuern nicht mehr bezahlen“, warnte die Vizepräsidentin der steirischen Landwirtschaftskammer,
Maria Pein, am vergangenen Donnerstag in einer Pressemitteilung.

A: Preise fallen um 22 Prozent

Anlass war der starke Rückgang der österreichischen Leitnotierung für Schlachtschweine um 10 Cent/kg auf 1,37 Euro/kg (1,65 Fr./SG) Schlachtgewicht in der vergangenen Woche, womit die Erzeuger 38 Cent/kg (46 Rp./kg) oder 22 Prozent weniger Geld für ihre Tiere erhalten als vor genau einem Jahr.

Die Ursachen für diesen abermaligen Preisrutsch, eine Woche zuvor war die Notierung bereits um 5 Cent/kg gesenkt worden, sind laut Pein die Importsperre Russlands und die damit zusammenhängenden europaweiten Panikverkäufe von Schweinefleisch, um noch höhere Ertragseinbussen
zu verhindern. Die vorrangige Aufgabe sei jetzt, den Markt zu stabilisieren und wieder in Schwung zu bringen. Dazu müsse die EU rasch die für derartigeMarktstörungen vorgesehenen Exporthilfen freigeben, forderte Pein.

Die Kammer in der Steiermark appellierte gleichzeitig an die Gastronomie, Hotellerie und Großküchen sowie an die Konsumenten, heimisches Fleisch zu bevorzugen. Rund 40 Prozent des Fleisches werde ausser Haus verzehrt, würde dabei überwiegend auf heimische Ware zurückgegriffen, wäre den Schweinebauern schnell geholfen, betonte Kammerdirektor Werner Brugner.

D: Abnahmemonopol der Fleischindustrie

In Deutschland ist der Schlachtschweinepreis ebenso stark wie im südlichen Nachbarland gefallen, was nach Angaben des agrarpolitische Sprechers der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, vor allem die kleinen Produzenten trifft. Grossbetriebe seien dagegen durch Bonuszahlungen besser gestellt und hätten Interesse an einer Marktbereinigung, so Ostendorff.

Er machte die staatliche Förderung von „Megamastanlagen“, das Abnahmemonopol der Fleischindustrie und eine verfehlte Exportorientierung für den Preisdruck verantwortlich, der bäuerliche Produzenten und handwerkliche Fleischverarbeiter zu Verlierern mache.

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