6.10.2016 08:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Sebastian Hagenbuch
Aargau
Schweizer Popcorn lanciert
Das gibt es bis jetzt noch nicht auf dem Markt: Schweizer Popcorn. Angehende Agronomen haben den Versuch gewagt und vermarkten nun ihre erste Ernte in Dorfläden, Hofläden und Regionalkinos.

Wenn Daniel Amgarten über das Projekt «TopCorn» zu erzählen beginnt, merkt man sofort, dass er und seine Teammitglieder mit Begeisterung dafür arbeiten. Gemeinsam mit Nadja Schütz, Anja Madörin und Matthias Rutishauser lancierte der Hafl-Student aus Schneisingen AG vor rund einem halben Jahr seine Projektarbeit. Das Ziel: entwickeln, vermarkten und verkaufen eines innovativen Produktes. Das Mittel: Schweizer Popcorn-Mais.

Aufwendiges Marketing

TopCorn hat dieses Jahr an zwei Standorten in den Kantonen Aargau und Baselland total 25 Aren Popcorn-Mais angebaut. Die erwartete Ernte – rund 1000 kg Popcorn – wollen die Studierenden in Dorfläden, Hofläden oder Regionalkinos absetzen. Dies in Form ganzer Körner oder fertig gepoppt und in drei Geschmacksrichtungen (salzig, süss, süss und salzig).

Nebst dem Anbau (siehe Kasten) sei vor allem die Vermarktung eine Herausforderung, so Amgarten. Das Team erstellte dazu eine Website (www.topcorn.ch), ist auf Facebook präsent und unterhält einen Youtube-Kanal. Weil der Neustart eines derartigen Projektes auch Kapital braucht, haben die Studierenden über Crowdfunding 4000 Franken gesucht – und rund 4500 Franken gefunden. Flyer und Plakate sind gedruckt, die Visitenkarten allzeit griffbereit und das mediale Interesse (Regionalzeitungen, Radio Argovia, Tele M1) beträchtlich. Alles bereit also für einen gelungenen Verkaufsstart.

100 Prozent Schweiz

Das im Detailhandel erhältliche Popcorn wird aktuell aus Südfrankreich, den USA oder Osteuropa importiert, zumindest, was den Hauptrohstoff Mais betrifft. TopCorn setzt konsequent auf Schweizer Rohstoffe. Weitere Gründe, die für TopCorn sprechen, sind gemäss Amgarten die Regionalität und die Nachhaltigkeit: «Wir verkaufen das Popcorn dort, wo wir es auch angebaut haben, um lange Transportwege zu vermeiden.» Zudem unterliegt der Anbau den Richtlinien der integrierten Produktion.

Diese guten Argumente sind auch nötig, hat das Produkt doch einen deutlich höheren Preis als das der ausländischen Konkurrenz: TopCorn verkauft 400g Körner für 4.90 Fr. (Import: 1.50 Fr.) und 90g gepopptes Popcorn für 5 Fr. (Import in Discountern: 1 Fr.). Dennoch ist Amgarten zuversichtlich, dass sich die Ware gut verkauft: «Bis jetzt war die Resonanz aus der Bevölkerung durchwegs positiv.»

Zukunft ist noch offen

Im Anschluss an die Kampagne 2016 wird die Projektgruppe entscheiden, ob sie auch im folgenden Jahr Schweizer Popcorn produzieren möchte. «Wir könnten von einiger Vorarbeit profitieren», erklärt der angehende Agronom. Nicht zu unterschätzen ist seiner Ansicht nach das nötige Know-how. Daher fürchtet er sich auch nicht allzu sehr vor der Konkurrenz. Optimieren müsse man allerdings den Aufwand: Vor allem bei der Ernte gebe es noch grosses Entwicklungspotenzial.

Sollten grössere Abnehmer auf den Zug aufspringen, ist Amgarten aber zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Für dieses Jahr heisst das Ziel: 700 Fr. Gewinn – ohne Ausbezahlen eines Eigenlohnes notabene.  

Der Anbau von Popcorn-Mais

Popcorn-Mais braucht eine höhere Temperatursumme als Silomais und wird daher in milden Gebieten angebaut. Um eine möglichst lange Vegetationszeit zu nutzen, wurde der Mais für das «TopCorn»-Projekt bereits am 7. April gesät und einen Monat lang mit Vlies abgedeckt. Gesät wurde mit 50 cm Reihenabstand und einer Dichte von nur 7 Körnern/m2. Dies hat den Vorteil einer besseren Abreife und Platzausnutzung. Zudem kann der Popcorn-Mais zwei Kolben pro Pflanze ausbilden. 

Die Unkrautbekämpfung erfolgte chemisch und die Düngung entsprechend den um einen Drittel gekürzten Normen für Körnermais (mineralisch: DAP und Harnstoff zur Saat). Zu viel Stickstoff sollte vermieden werden, um die Abreife nicht zu verzögern. Angebaut wurden eine Hybrid- sowie eine Populationssorte.

Die Ernte der Kolben erfolgte von Hand. Die Kolben wurden anschliessend noch nachgetrocknet und die Körner dann mit einer stationären Dreschmaschine abgelöst. Die Ernte wäre aber auch mit einem normalen Mähdrescher möglich. Wichtig ist beim Popcorn-Mais die Qualität der Körner: Diese dürfen nicht verletzt sein (nicht zu trocken dreschen). Allerdings können die Körner bei zu feuchtem Drusch an der Spindel brechen. sb

Migros sieht Chancen für Schweizer Popcorn-Mais

Die Migros verkauft Mais für die Popcorn-Herstellung wie auch genussfertiges Popcorn. Der Rohstoff stammt in beiden Fällen aus verschiedenen EU-Ländern sowie aus Übersee. Grundsätzlich sei Rohstoff aus der Schweiz immer sehr interessant, sagt Migros-Sprecherin Christine Gaillet auf Anfrage. Regional könnten solche Produkte unter dem Label „Aus der Region. Für die Region.“ vermarktet werden. Allerdings müssten Mengen und Lieferbarkeit stimmen, betont Gaillet.

Auch Coop führt Popcorn-Produkte im Sortiment. Zur Herkunft des verwendeten Rohstoffes habe man noch nie eine Rückmeldung erhalten, sagt Coop-Sprecherin Andrea Bergmann. "Wir vermuten, dass dies wohl auch damit zusammenhängt, dass Popcorn kein typisches Schweizer Produkt ist." lid

Mais ist nicht gleich Mais

Ob für Tierfutter oder die menschliche Ernährung: Je nach Verwendung werden andere Maissorten angebaut. Futtermais ist dank Züchtung weniger kälteempfindlich und eignet sich bestens für den Anbau in der Schweiz. Insgesamt werden auf rund 60‘000 Hektaren Mais für die Fütterung von Nutztieren angebaut (Zum Vergleich: Beim Brotweizen sind es rund 76‘000 Hektaren). Auf rund drei Vierteln dieser Fläche bauen Landwirte Silomais an, bei dem die ganze Pflanze siliert wird. Auf einem Viertel wächst Körnermais, wo die getrockneten Körner gemahlen und verfüttert werden. Mais wird von Bauern geschätzt, weil er ein energierreiches Futter ist und der Anbau im Vergleich zu Kartoffeln oder Rüben weniger intensiv und damit kostengünstiger ist.

Die Produktion von Mais für die menschliche Ernährung ist in der Schweiz eine Nische – eine aber, die wächst. Die Anbaufläche von Zuckermais hat sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Aktuell werden auf knapp 200 Hektaren Zuckermais kultiviert. Das Hauptanbaugebiet liegt im Kanton Aargau. lid

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