Mittwoch, 2. Dezember 2020
13.02.2020 09:53
Fleischmarkt

Sondereffekte: Gewinn bricht ein

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Von: awp/blu

Die Bell Food Group hat im Geschäftsjahr 2019 eine leichte Umsatzeinbusse erlitten, dies vor allem wegen des Verkaufs des Wurstwarengeschäfts in Deutschland. Der Gewinn brach wegen verschiedener Sondereffekte deutlich ein, die Dividende soll dennoch stabil gehalten werden.

Der Warenumsatz reduzierte sich 1,6% auf 4,08 Mrd. Fr., wie das mehrheitlich zur Coop-Gruppe gehörende Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Bereinigt um die Effekte aus Akquisitionen und Devestitionen ergab sich hingegen ein organisches Plus von 1,5%. Von den drei Geschäftsbereichen verzeichnete einzig Bell International ein Minus (-10,2%), während die Bereiche Bell Schweiz und Convenience je leicht mehr umsetzten als im Vorjahr.

Der Betriebsgewinn (Ebit) ging knapp ein Drittel auf 95,3 Mio. Fr. zurück und der Gewinn brach gar um über 44% auf 49,6 Mio. Fr. ein. Dafür sind Sondereffekte von insgesamt 53,9 Mio. Fr. für die Reorganisation der Division Bell Deutschland, die Rohmaterialpreise sowie Anlaufkosten für neue Betriebe verantwortlich.

Bell übertrifft Erwartungen

Dennoch hat Bell die Erwartungen der Finanzgemeinde übertroffen. Der AWP-Konsens für den Umsatz lag bei 3,98 Mrd., für den Ebit bei 80,9 Mio. Fr. und für den Gewinn bei 44,3 Mio. Fr. Damit für die künftige Geschäftsentwicklung ein klareres Bild entsteht, wies Bell auch um die Sondereffekte bereinigte Zahlen aus. So gesehen ergab sich beim Ebit ein Plus von 6% auf 149,1 Mio. Fr. und das Ergebnis legte knapp 16% auf 103,5 Mio. Fr. zu.

Zur verbesserten operativen Ertragslage hätten alle Geschäftsbereiche beigetragen, hiess es dazu. Die Fortschritte seien erzielt worden dank gestiegenen Absätzen von Produkten mit höherer Wertschöpfung, effektivem Kostenmanagement, Prozessoptimierungen sowie der teilweise erfolgten Überwälzung von höheren Beschaffungskosten.

Schweinepreise 43% höher

Im vergangenen Juni hatten der negative Einfluss der Afrikanischen Schweinepest noch eine Gewinnwarnung ausgelöst. Tatsächlich sind die Rohmaterialpreise für Schweinefleisch in Europa 2019 um mehr als 43 Prozent angestiegen. Dies aufgrund der hohen Nachfrage nach europäischem Schweinefleisch in Asien.

Wegen der intensiven Wettbewerbssituation im europäischen Charcuterie- und Wurstmarkt konnten Preiserhöhungen trotz umgehend eingeleiteten Verhandlungen nur verzögert und auch nur teilweise umgesetzt werden, schreibt Bell. Dies verursachte im Geschäftsbereich Bell International Mehrkosten von rund 9 Millionen Franken.

Bell Schweiz legt zu

Bell Schweiz konnte im vergangenen Jahr den Umsatz leicht um 0.9 Prozent auf 2 Mrd. Franken steigern. Damit erzielt die Coop-Tochter die Hälfte ihres Geschäfts mit dieser Einheit. „In einem leicht rückläufigen Markt für Fleisch- und Wurstwaren verzeichnete der Geschäftsbereich Bell Schweiz trotz tieferen Absätzen eine Aufwärtstendenz in der Ertragslage und konnte insbesondere in der zweiten Jahreshälfte operative Fortschritte erzielen“, heisst es in der Mitteilung.

Verantwortlich dafür waren die Fokussierung des Sortimentsmixes auf wertschöpfungsreichere Produkte und ein effektives Kostenmanagement. Zudem zeigten die im Vorjahr eingeleiteten Massnahmen zur Prozessoptimierung Wirkung.

Bell International reorganisiert

Die Reorganisation von Bell Deutschland und der starke Anstieg der Rohmaterialpreise für Schweinefleisch in Europa hatten massgeblichen Einfluss auf den Geschäftsgang im Geschäftsbereich Bell International. So wurde das Wurstwarengeschäft in Deutschland verkauft. Der Umsatz reduzierte sich um 10 Prozent auf 1.02 Mrd. Fr. „Bereinigt um die Sondereffekte verzeichnete der Geschäftsbereich 2019 ein erfreuliches Umsatzwachstum“, hält Bell fest.

Mit der Reorganisation in Deutschland und der Inbetriebnahme des Serrano-Produktionsbetriebes in Fuensalida (ES) konzentriert sich die Division Bell Deutschland auf ihre starke Position im Segment Rohschinken. Der neue Produktionsbetrieb für Serrano-Schinken mit einer Kapazität von rund 1 Million Schinken pro Jahr ist im Sommer 2019 eröffnet worden. Die Division Bell Deutschland fokussiert sich künftig auf ihre starke Position bei deutschen und internationalen Rohschinken.

Convenience gut unterwegs

Erfolgreich unterwegs ist Bell mit der Sparte Convenience. Hier konnte die Coop-Tochter beim Umsatz um 2.9 Prozent auf 1.1 Mrd. Fr. zulegen. Gefragt waren ultrafrische, also to-go-Produkte, und Ready-to-eat-Produkte gefragt. Die zum Geschäftsbereich gehörenden Divisionen Eisberg, Hilcona und Hügli verzeichneten insbesondere bei wertschöpfungsreichen Sortimenten überproportionale Wachstumsraten, hält Bell fest

Mutationen im Verwaltungsrat

Bell bezeichnet denn auch mit Blick nach vorne «die zeitnahe Realisierung höherer Beschaffungskosten in den Verkaufspreisen entscheidend für die Ergebnisentwicklung». Konkrete Ziele für das laufende Geschäftsjahr 2020 nennt Bell nicht. In allen Geschäftsbereichen würden weitere operative Fortschritte angestrebt, hiess es lediglich. Zudem werde in Europa mit weiterhin volatilen Rohmaterialpreisen gerechnet. Bell sieht aber dank der neuen Produktionskapazitäten für Rohschinken und Frisch-Convenience in diesen Märkten Wachstumschancen.

Weiter gibt das Unternehmen Veränderungen im Verwaltungsrat bekannt. Neu für das Gremium vorgeschlagen werden Thomas Hinderer und Joos Sutter. Sie sollen die zurücktretenden Irene Kaufmann und Andreas Land ersetzen, welche auf eigenen Wunsch zurücktreten. Sutter soll für den Fall seiner Wahl von Kaufmann das Vizepräsidium übernehmen.

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