21.01.2014 08:38
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Dünger
Steigende Stickstoffproduktion lässt Preise sinken
Die Landwirte können in den kommenden Jahren aufgrund der Überversorgung am Weltmarkt mit fallenden Stickstoffpreisen rechnen. Diese Prognose wagte das Vorstandsmitglied der Helm AG, Stephan Schnabel, vergangene Woche bei der Wintertagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in München.

Der Experte geht laut DLG von einem Anstieg der globalen Produktionskapazitäten aus und nannte als Beispiel Saudi-Arabien, wo sich die Harnstofferzeugung innerhalb kurzer Zeit auf 3 Mio. t verdoppelt hat. Dabei stamme die Produktion dort nur noch aus zwei modernen Anlagen, während vor wenigen Jahren für dieselbe Menge noch vier Betriebsstätten nötig gewesen seien.

Weltweit gebe es jedoch noch eine hohe Zahl an Altanlagen, was kurzfristig auch zu Angebotsschwankungen und Preisvolatilitäten führen könne. Der Druck auf die Betreiber von älteren Anlagen werde jedoch steigen und gerade Werke in Osteuropa dürften mittelfristig kaum am Markt bestehen können, prognostizierte Schnabel. Ihm zufolge werden Länder mit grossem Gasvorkommen dagegen ihre Düngerproduktion ausdehnen. Dazu zählt der Experte nach der „Energierevolution“ durch die Gewinnung von Schiefergas auch die USA.

Die Erschliessung der Gasvorkommen über Fracking ermögliche den USA ganz neue Möglichkeiten, in die Düngemittelproduktion einzusteigen, erläuterte Schnabel. Durch die günstigen Gaspreise würden neue Kapazitäten für die Harnstofferzeugung entstehen, wodurch aus dem Importland für Öl, Gas und Düngemittel wahrscheinlich ein Exportland werde. Die rund 2 Mio. t Harnstoff, die zuvor von den USA importiert worden seien, dürften dann dem Markt zusätzlich zur Verfügung stehen und zu grossen Teilen auch ihren Weg nach Europa finden.

Für Deutschland sei Schiefergas aufgrund von Umweltbedenken und des enormen Platzbedarfs für die Förderung allerdings keine Alternative, betonte Schnabel. Hierzulande müssten sich die Agrarwirtschaft und derHandel aber auf veränderte Warenströme einstellen, wobei die sich abzeichnenden Überkapazitäten am internationalen Markt mittelfristig die Düngemittelpreise auf niedrigem Niveau halten dürften.

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