6.01.2014 09:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Dünger
«Stellenwert von Schwefel stieg stark»
Hans-Jakob Keller arbeitet seit 32 Jahren in der Düngerbranche, seit 1991 als Verkaufs- und Marketingleiter bei der Agroline. Nun übergibt er das Szepter an Andreas Fiechter. Im Interview blicken die beiden zurück und voraus.

«Schweizer Bauer»: Wenn Sie, Hans-Jakob Keller, auf die letzten 32 Jahre zurückblicken: Was fällt ihnen als Erstes ein?
Hans-Jakob Keller: In meinem langen Düngerleben kam es zu riesigen Veränderungen in der Landwirtschaft. Zuerst war noch Produktion gefragt, und der Düngermarkt wuchs stetig. Gegen Ende der 80er-Jahre zeichnete sich ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik ab, ökologische Aspekte wurden stärker gewichtet. Ab 1990 gewann die «Integrierte Produktion» stark an Bedeutung. Das führte zu einem drastischen Rückgang der Verkaufsmengen an Düngern – heute werden weniger als die Hälfte der einstigen Düngermengen abgesetzt.

Was war die grösste Herausforderung, die Sie zu stemmen hatten?
Keller: Aus dem absehbaren Rückgang des Düngermarkts resultierte die Fusion der beiden Düngerproduzenten Lonza und Uetiker Dünger im Jahre 1991, und da galt es, zwei verschiedene Firmenkulturen und zwei unterschiedliche Verkaufsteams zusammenzulegen.

Wie hat sich die das Unternehmen Agroline seither entwickelt?
Keller: Eigentlich gar nicht so stark! Wir hatten ja das Szenario eines rückgängigen Düngermarkts vorausgesehen. So war klar, dass nur eine schlanke, effiziente Organisation in der Lage sein würde zu bestehen. Dies ist heute nicht anders.

Fiechter: Dank dem haben wir heute im Vergleich mit dem Ausland Wettbewerbsvorteile. Wir können kleine Chargen herstellen, rasch auf sich ändernde Bedürfnisse reagieren.

Aber Importdünger wären doch billiger?
Fiechter: Den Dünger, den wir herstellen, gibts im Ausland nicht. Dort wird mit reinem NPK-Dünger ohne Spurenelemente gefahren.

Keller: Unsere Produkte sind hingegen seit je ausgezeichnet pflanzenverfügbar und beinhalteten nicht nur Hauptnährstoffe.

Wie lange noch?
Fiechter: Solange wir das Werk auslasten können und Preise haben, die bezahlbar sind und dem Produktwert entsprechen, sehe ich nicht schwarz. Der Düngermarkt wird aber weiter schrumpfen, wobei das Ausmass schwer abzuschätzen ist.

Hat sich das Einkaufsverhalten der Bauern geändert? Sind sie anspruchsvoller geworden?
Keller: Kaum. Die Bauern erwarten seit je zu Recht von uns gute Produkte zu konkurrenzfähigen Preisen. Heute sind sie empfänglicher für eine kompetente Beratung.

Andreas Fiechter: Ich denke, dass die Bedeutung der Beratung in den letzten Jahren zugenommen hat. Die Bauern werden mit neuen Anbautechniken wie Direktsaat oder Strip-Till konfrontiert und wollen von uns wissen, ob sie ihre Düngerstrategie anpassen müssen. Und sie wollen von uns wissen, wo sie im Vergleich mit ihren Berufskollegen stehen.

Merkt man bei der Formulierung neuer Produkte, dass das Ertragsniveau gestiegen ist?
Keller: Wir haben eigentlich schon immer Wert darauf gelegt, dass die Gehalte unserer Dünger auf die Bedürfnisse der Kulturen zugeschnitten sind. Da wir unsere Dünger praktisch ausschliesslich in der Schweiz herstellen, konnten wir sie laufend verbessern und neue Produkte auf den Markt bringen. Der Stellenwert der Spurenelemente und vor allem von Schwefel hat aber stark zugenommen.

Wohin geht der Trend bei den Düngermitteln?
Fiechter: Wenn von der Agrarpolitik eine grössere N-Effizienz verlangt wird, schauen wir, dass wir den Bauern helfen können, diese zu erreichen.

2014 finden wieder die Agroline-Feldtage statt. Auf was können sich die Bauern im Juni 2014 freuen?
Es wird ein Grossanlass auf 14ha mit Getreide, Raps, Rüben, Mais, Kartoffeln und neu mit Soja. Wir zeigen diverse Sorten,  Anbaumethoden, Dünge- und Pflanzenschutzstrategien. 

Die Personen

Hans-Jakob Keller arbeitete erst bei Uetiker Dünger. Ab 1987 war er Verkaufsleiter und ab 1991 Verkaufs- und Marketingleiter bei der Agroline. Andreas Fiechter begann 1984 bei der Lonza und wechselte 1991 mit der Fusion zur Agroline, wo er zuletzt im Aussendienst fürs Mittelland und für das Programm Agrosystem (Bodenanalysen, agronomische Beratung) zuständig war. sum

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