18.06.2020 12:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Bettina Kiener
Tierwohl
Supermargen auf Labeleiern
Beim Bodenhaltungsei schlägt der Handel 10 Rappen auf den Einkaufspreis. Beim Bioei sind es 28 Rappen. Der Schweizer Tierschutz kritisiert dies als Preisverzerrung. Er fürchtet, dass Bioeier damit zu teuer verkauft werden.

Bettina KienerBeim Grossverteiler kostet ein Ei (53g) aus Bodenhaltung 39,5 Rappen, ein Freilandei 59,5 Rappen und ein Bioei Rappen Eine deutliche Preisdifferenz im Laden. Unterscheiden sich die Produzentenpreise für die Eier aufgrund der unterschiedlichen Tierwohlanforderungen so stark? Oder schöpft der Handel schlicht und einfach üppige Margen ab?

Produzentenpreise machen stutzig

Der Schweizer Tierschutz (STS) beleuchtet in einer neuen Studie das Verhältnis zwischen den Endverkaufspreisen der drei Tierwohlniveaus und den Wertschöpfungsanteilen der Produzenten für die Tierwohlleistungen. Bei einem Bodenhaltungsei sind die Preise und die Bruttomargen im Detailhandel bei den Grossverteilern mit 10 Rappen respektive 33% am tiefsten.

Bei einem Freilandei beträgt die Marge der Händler hingegen rund 78% des Einstandpreises und bei einem Bioei 52%, das sind 28 Rappen. Der äusserst geringe Unterschied der Produzentenpreise zwischen Bodenhaltungseiern (23,78 Rappen pro Ei) und Freilandeiern (24,55 Rappen pro Ei) macht stutzig. Freilandeier können vom Handel zu fast identischen Preisen wie Bodenhaltungseier eingekauft und zu deutlich höheren Preisen verkauft werden.

Bei den Bodenhaltungseiern können Produzenten gemäss STS durchschnittlich 59% (Discounter) oder 70% (Grossverteiler) der Wertschöpfung für sich beanspruchen. Bei den Freilandeiern kommen die Produzenten mit 45% oder 50 % deutlich schlechter weg. Sogar die Bioproduzenten haben – trotz deutlich höherem Produzentenpreis (46,40 Rp/Ei) – mit 58 oder 67 % einen tieferen Produzentenanteil an der Wertschöpfung als die Produzenten von Bodenhaltungseiern.

Mehrwerte Freiland und Bio

Das ist für den STS besonders störend, weil das Bioei als Ganzes verwertet werden kann und es nicht wie beim Fleisch zu Abwertungsverlusten kommt, wo meist nicht alle Teilstücke eines Labeltieres auch als Labelfleisch verkauft werden können. Wie lassen sich diese hohen Aufschläge überhaupt rechtfertigen? 

Sicher ist, dass die Eiproduzenten, die ihren Legehennen regelmässigen Auslauf gewähren, nicht annähernd proportional am Markterfolg beteiligt sind. Obwohl sie es sind, die auf ihren Betrieben die Tierwohlmehrleistungen erbringen. Die Mehrwerte Freiland und Bio spielen also eine wichtige Rolle bei der Preispolitik. Die höhere Zahlungsbereitschaft der Kundschaft dürfte dabei wohl aber langsam ausgereizt sein, fürchtet der STS.

Bauern müssen profitieren können

Das Absatzplus vieler Labelprodukte während der Coronakrise dürfe nun nicht wieder verloren gehen. «Die Preisverzerrungen sind rasch zu beseitigen, sodass die Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin zu tierfreundlich erzeugten Produkten greifen», steht in der Studie. Fordert der STS damit tiefere Ladenpreise für Bioeier?

«Die Preisrelationen müssen korrigiert werden und dies nicht auf Kosten der Produzenten», betont Stefan Flückiger vom STS: «Die Anpassungen müssen so realisiert werden, dass sich über Margenkorrekturen die Preise für Label- und konventionelle Produkte deutlich annähern. Zentral ist, dass die Produzenten, die die Mehrwerte produzieren, am meisten von den verkauften Tierwohlmehrleistungen profitieren.»

Absatzoffensive

Mit der breit angelegten Kampagne «Absatzoffensive Labelfleisch und Eier» will der Schweizer Tierschutz STS die stagnierende Nachfrage von Produkten aus tierfreundlicher Haltung wiederbeleben. An die Marktakteure, Konsumenten und Politik richtet der STS klare Forderungen und wird von einem Grossteil der Bevölkerung unterstützt. Gemäss einer repräsentativen DemoSCOPE-Umfrage von Ende März 2020 wollen knapp drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer, dass die Grossverteiler und Discounter mit verbindlichen Massnahmen aufzeigen, wie sie den Absatz von tierfreundlich erzeugtem Label- und Biofleisch ankurbeln. Dazu sollen diese die Label-Sortimente attraktiver positionieren. Eine faire Abgeltung der Produzenten verlangen 85%, fast ebenso viele wollen auch, dass die Politik aktiver wird.

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