3.02.2016 10:29
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Syngenta
Syngenta: Der lange Weg bis zur Übernahme
Nun begibt sich der Basler Agrarchemiekonzern Syngenta doch in fremde Hände. Noch im Sommer hatte Syngenta vehement die Avancen des US-Rivalen Monsanto abgewehrt. Am liebsten hätte die Syngenta-Spitze auch künftig auf einen Alleingang gesetzt. Doch der Druck von Aktionären wurde zu stark.

Eine Übersicht über die wichtigsten Wegmarken des Übernahmepokers:

8. Mai 2015: Der US-Konzern Monsanto unterbreitet Syngenta offiziell ein Übernahmeangebot. Damit bestätigten sich wochenlange Übernahmegerüchte. Es ist das dritte Mal innert vier Jahren, dass der US-Konzern Syngenta den Hof macht. Im neuesten Anlauf bieten die Amerikaner 449 Franken pro Syngenta-Aktie - insgesamt sind das über 40 Milliarden Franken. Der Syngenta-Verwaltungsrat lehnt ab. Die Begründung: Der Preis sei zu tief, die Risiken einer solchen Transaktion wie behördliche Genehmigungen und die öffentliche Meinung würden unterschätzt.

Juni 2015: Neue Übernahmegerüchte beflügeln die Syngenta-Aktien. Dieses Mal soll der deutsche Chemieriese BASF Interesse bekundet haben. Währenddessen legt Monsanto nach: So bietet der Konzern zwei Milliarden Dollar als «break-up fee» an Syngenta, falls die Übernahme scheitert. Zudem wendet sich die Monsanto-Spitze direkt an die Syngenta-Aktionäre. Doch die Syngenta-Spitze zeigt Monsanto weiter die kalte Schulter.

26. August 2015: Monsanto gibt seine Übernahmepläne offiziell auf. Auch ein revidierter Vorschlag hatte keinen Erfolg gebracht. Die Anleger zeigen sich enttäuscht: Der Kurs der Syngenta-Aktie bricht an der Schweizer Börse zwischenzeitlich um über 18 Prozent ein.

3. September 2015: Syngenta gerät immer stärker unter den Druck von Aktionären, auch wenn das Unternehmen bekräftigt, grundsätzlich offen für Partnerschaften und Gemeinschaftsunternehmen zu sein. Der Verkauf des Geschäfts mit Gemüsesaatgut soll die Anleger besänftigen. Der Erlös soll mittels einem Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von 2 Milliarden Dollar den Anlegern zu Gute kommen. Der Aktienkurs steigt um 3,5 Prozent.

17. Oktober 2015: In einem offenen Brief fordert eine Gruppe von Aktionären, die «Vereinigung kritischer Syngenta-Aktionäre», den Syngenta-Verwaltungsrat zu einer umfassenden strategischen Überprüfung auf. Darin wirft die Gruppe dem Verwaltungsrat und dem Management vor, in den letzten Jahren «mehrere Chancen zur Verbesserung der Wertschöpfung» verpasst zu haben.

21. Oktober 2015: Syngenta-Chef Mike Mack tritt zurück. Die «Vereinigung kritischer Syngenta-Aktionäre» und Anleger begrüssen den Schritt. Später dementiert Syngenta-Verwaltungsratspräsident einen Zusammenhang zwischen dem Abgang von Mack und der abgewiesenen Übernahmeofferte.

13. November 2015: ChemChina kommt ins Spiel bezüglich einer möglichen Syngenta-Übernahme. Gerüchten zufolge soll der chinesische Chemiekonzern ein Angebot von 449 Franken je Aktie - so viel wie das ursprüngliche Angebot von Monsanto - für den Syngenta auf den Tisch gelegt haben. Der Aktienkurs von Syngenta steigt zeitweise mehr als 10 Prozent.

11. Dezember 2015: Mit der Bekanntgabe ihrer Fusion erhöhen die US-Grosskonzerne Dupont und Dow Chemical den Konsolidierungsdruck in der Branche. Die Agrarchemiebranche steht angesichts fallender Getreidepreise unter Druck und leidet unter schwächelnden Geschäften in Lateinamerika. Die Übernahmegerüchte um Syngenta reissen nicht ab.

22. Dezember 2015: Der Syngenta-Verwaltungsrat macht den Weg für einen Zusammenschluss frei: «Entsprechend dem, was die Aktionäre in Bezug auf die nächsten zwölf Monate erwarten, ist ein Alleingang kaum möglich», sagt Verwaltungsratspräsident Michel Demaré in einem Interview. Syngenta führe Gespräche mit ChemChina, der amerikanischen Monsanto und weiteren Konzernen. Es liege derzeit keine Offerte auf dem Tisch, aber Syngenta befinde sich in fortgeschrittenen, formellen und intensiven Verhandlungen.

2. Februar 2016: Gerüchte, wonach ChemChina Syngenta übernimmt, treiben die Aktie von Syngenta an der Schweizer Börse deutlich hoch.

3. Februar 2016: Syngenta teilt mit, dass der Verwaltungsrat das Angebot von ChemChinazur Annahme empfiehlt.

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