30.01.2020 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Wirtschaft
Syngenta setzt auf Standort Schweiz
Der Saatgut- und Pflanzenschutzmittelhersteller will die Präsenz in der Schweiz stärken. Dies sagte Syngenta-Chef Erik Fyrwald in einem Gespräch mit der «Handelszeitung». Der Konzern ist seit 2017 in chinesischer Hand.

Anfang Jahr wurde kommuniziert, dass die chinesischen Staatskonzerne ChemChina und Sinochem ihre Agrargeschäfte in der neuen Holding Syngenta Group zusammenlegen. 

Zusammenlegung des Agrargeschäfts

Neben der heutigen Syngenta – der in Basel ansässigen ChemChina-Tochter – sollen auch die ChemChina-Anteile am Pflanzenschutzunternehmen Adama und das Agrargeschäft von Sinochem in die Gesellschaft übergehen. 

Die Zusammenlegung des Agrargeschäfts von ChemChina und Sinochem vertiefe die Reform der Staatskonzerne und optimiere die Ressourcenverteilung, teilte ChemChina mit. In der Folge wurde befürchtet, dass durch diesen Schritt die Präsenz von Syngenta in der Schweiz geschwächt wird.

Monthey bleibt wichtigster Produktionsstandort

Dem sei nicht so, sagte Syngenta-Konzernchef Erik Fyrwald zur «Handelszeitung». Das Gegenteil sei der Fall. Monthey im Wallis bleibe weltweit der wichtigste Produktionsstandort, zudem habe Syngenta in Basel eine Fabrik von Novartis gekauft. «Unsere Präsenz in der Schweiz wird noch stärker werden», sagte der US-Amerikaner. Es gebe derzeit keine Pläne, die Schweiz zu verlassen.

Die Innovationskraft soll wegen des Zusammenschlusses mit Adama, einem Hersteller generischer Agrochemieprodukte, nicht vermindert werden. Das Forschungsbudget von heute 1,3 Milliarden Dollar werde «signifikant» erhöht, verspricht Fyrwald. Zudem werde Syngenta über die nächsten fünf Jahre 2 Milliarden Dollar in digitale Technologien investieren.

Für 43 Milliarden verkauft

Die neue Syngenta-Gruppe werde einen konsolidierten Umsatz von 23 Milliarden Dollar machen, 48'000 Mitarbeitende zählen und ihren Sitz in Basel haben. Ziel sei, in den kommenden fünf Jahren Synergien im Umfang von 1 Milliarde Dollar zu realisieren, sagt Fyrwald.

Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta wurde 2017 von der Börse genommen und für 43 Milliarden Dollar an Chemchina verkauft. Ziel ist, die neue Syngenta-Gruppe 2022 zumindest teilweise wieder an die Börse bringen. Ob dies in London, Zürich oder in den USA der Fall sein wird, ist noch unklar.

Syngenta soll Landwirtschaft nach vorn bringen

Der chinesische Markt gewinne an Bedeutung, sagte Fyrwald zu den Tamedia-Zeitungen. Mit 4 Milliarden Dollar mache der Umsatz jedoch nur rund 20 Prozent des Gesamtgeschäftes aus. In der Landwirtschaft liege der chinesische Markt weit hinter den globalen Standards zurück. Der Konzernchef verweist auf Probleme mit verunreinigtem Ackerland und verschmutzten Gewässern.

In China würden zu viele Düngemittel und chemische Stoffe eingesetzt. Die Ernte und die Erträge der Bauern schrumpften. Die chinesische Regierung wolle, dass Syngenta die Landwirtschaft nach vorn bringe. Wichtig bleibt für den Agrokonzern Brasilien. Der Konzern habe dort soeben das Projekt «Reverte» gestartet, das den Bauern eine Alternative zur Abholung des Regelwaldes bieten solle. Syngenta habe sich verpflichtet, Ackerland in der Fläche von rund 100 Millionen Fussballfelder wieder fruchtbar zu machen.

Syngenta entstand aus Fusion

Syngenta war im Jahr 2000 aus der Fusion der Agrarsparten von Novartis und AstraZeneca entstanden. Der neue Konzern hatte seinen Hauptsitz von Anfang an in Basel.

Botschafter bezeichnete Übernahme als Fehler

Der chinesische Botschafter in der Schweiz hatte die Übernahme, Chinas grösster Übersee-Deal überhaupt, in einem Zeitungsinterview im Juni als Fehler bezeichnet. Der Kauf von Syngenta sei für China kein gutes Geschäft gewesen. «Man hätte die Übernahme erst später machen sollen, wenn die Schweizer erkannt hätten, dass die Chinesen keine bösen Absichten haben», sagte Botschafter Geng Wengbing. 

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