9.12.2016 11:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Detailhandel
Tauwetter lässt auf sich warten
Der Schweizer Ableger des deutschen Discounters erweitert sein Bio-Angebot. Zudem werden Forschungsprojekte finanziell unterstützt. Die Auslobung der Produkte mit der Knospe ist aber weiterhin nicht möglich.

Lidl Schweiz erweitert sein Angebot an Bio-Produkten. Ab sofort verkaufe das Unternehmen Filet, Hohrücken (Rib Eye), Entrecôte, Ragout und Minutenschnitzel vom Weiderind, gab der Discounter vergangene Woche bekannt. Vertrieben werden die Produkte unter der Eigenmarke «Bonvalle Bio Organic Schweiz», produziert wird nach Richtlinien von Bio Suisse. Der Discounter bezieht das Fleisch von der Linus Silvestri AG aus Lüchingen SG.

Wachtsumsmarkt


Bei Lidl ist man ob der Einlistung äusserst erfreut. Denn Artikel aus nachhaltiger Produktion gehören noch zu den wenigen Wachstumsträgern im Detailhandelsgeschäft. Der Umsatz mit Bio-Produkten stieg 2015 um 5,2 Prozent auf 2,3 Milliarden Franken. «Die Sortimentserweiterung bringt unsere nachhaltige Qualitätsstrategie und unser Engagement für artgerechte Tierhaltung zum Ausdruck», lässt sich Reto Ruch, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Schweiz, in der Medienmitteilung zitieren.

Auch Bio Suisse gibt sich erfreut über die Sortimentserweiterung. «Wir hoffen, dass dadurch weitere Konsumenten für Bio-, insbesondere Bio-Fleischprodukte sensibilisiert werden und dies positive Auswirkungen auf den Absatz und den Produzentenpreis hat» , lässt sich der Bio-Suisse-Geschäftsführer Daniel Bärtschi im Communiqué zitieren. Haben sich der Discounter und die Bauernorganisation inhaltlich angenähert? Denn nebst der Aufnahme des Bio-Weiderindes in das Sortiment unterstützt Lidl Schweiz nun auch Projekte des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL).

Engagement reicht nicht

Ende September sagte Bärtschi gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, dass man von Discountern ein langfristiges Engagement für die Bio-Landwirtschaft ohne Vorbedingungen, beispielsweise die Unterstützung von Forschungs- oder Züchtungsprojekten, erwarte. Lidl wie Aldi möchten seit längerer Zeit ihre Produkte mit dem Knospe-Logo ausloben. Die aktuelle Regelung sieht vor, dass die Discounter Produkte mit der Knospe von entsprechenden Lizenznehmern zwar beziehen und verkaufen dürfen. Sie dürfen die Marke bei der Produktwerbung nicht verwenden und müssen stattdessen auf ein eigenes Label ausweichen. Im Fall von Lidl ist das «Bonvalle».

Darf nun Lidl Schweiz dank dem Engagement beim FiBL ihre Produkte bald mit der Knospe ausloben? Bio-Suisse-Sprecher Lukas Inderfurth gibt sich auf Anfrage von «Schweizer Bauer» wortkarg. «Die Voraussetzung zur Verwendung der Knospe ist unverändert ein nachhaltiges Engagement in der biologischen Landwirtschaft», so Inderfurth. Darunter versteht er ein repräsentatives, ganzjähriges Angebot von Schweizer Produzenten, eine offene und unmissverständliche Produktpräsentation und Kommunikation, eine langfristige Zusammenarbeit und Sortimentspolitik sowie ein Engagement für faire wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Welche dieser Punkte Lidl nicht erfüllt, ist ungeklärt.

Lidl gibt sich nicht so rasch geschlagen: «Bio Suisse und Lidl Schweiz führen nach wie vor offene und konstruktive Gespräche», sagt Sprecherin Corina Milz dem «Schweizer Bauer».

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE