1.05.2013 14:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Wald
Tiefe Preise - Importe belasten Waldbranche
Der starke Franken und die tiefere Nachfrage nach Holz aus dem südlichen Europa haben auch bei den Schweizer Forstbetrieben zu einer Verschärfung der wirtschaftlichen Situation geführt. Und das wirkt sich auch auf die Schweizer Waldbesitzer aus, vor allem beim Buchenholz. Auch mit der Politik zeigt sich der Verband unzufrieden.

„Über die Hälfte aller Forstbetriebe erwirtschafteten Defizite, dies trotz häufig einschneidender Restrukturierungen“, schreibt die Dachorganisation der Waldeigentümer, Waldwirtschaft Schweiz (WVS) in einem Communiqué. Und trotz eines boomenden Holzbaus konnten die hiesigen Waldeigentümer und Sägereien nicht profitieren.

Import von günstigen Halb- und Fertigfabrikaten

Das Jahr 2012 habe vielversprechend begonnen, heisst es im Jahresbericht des WVS. Die gute konjunkturelle Lage in Deutschland und der Schweiz bescherte der einheimischen Branche ein verhältnismässig gutes 1. Quartal. Doch bereits ab dem 2. Quartal habe sich die Lage aufgrund des sich verlangsamenden Weltwirtschaftswachstums verschärft. Die Nachfrage nach Rundholz nahm ab, europäische Grosssägereien hätten ihre Produktion gedrosselt. Damit haben die Exporte weiter abgenommen, der Preisdruck hingegen zugenommen. Dies deshalb auch, weil die Einfuhr von „preisgünstigen“ Halb- und Fertigprodukten weiter zugenommen hat.

Obwohl in der Schweiz das Bauen mit Holz boomt, verlieren die einheimischen Betriebe laufend Marktanteile. Deshalb haben sich diese gemäss WVS auf Nischen wie Fichten, Föhren oder Lärchen konzentrieren. „Mindere Qualitäten und Starkholz, insbesondere Weisstanne, waren schwierig zu vermarkten“, heisst es weiter. Weil sich die Preise für Rundholz weiterhin auf tiefem Niveau befinden, wurde auch weniger Holz geschlagen.

In der vergangenen Woche rief der WVS seine Mitglieder dazu auf, die Rundholzproduktion zu erhöhen, da die Sägereien in ganz Westeuropa ein Mangel an Rundholz beklagen.

Buchenholzmarkt am Boden

Eine äussert schlechte Marktsituation wurde 2012 beim Buchenholz beobachtet. Die Preise sind im Keller, die Nachfrage gering. Deshalb wurden viele, qualitativ gute Stämme, mit Verlust dem Brennholzmarkt zugeführt. Einzig bei Spitzenqualitäten wurden gute Preise gelöst. Der Anteil am Gesamtvolumen ist aber verschwindend gering. „Eiche und Esche fanden generell guten Absatz zu akzeptablen Preisen“, schreibt der WVS im Geschäftsbericht.

Beim Energieholz präsentierte sich die Marktlage ausgeglichen. Tendenziell sei der Markt knapp überversorgt. Auch beim Industrieholz wurde in der ersten Jahreshälfte eine Überversorgung festgestellt.  Gegen Herbst stabilisierte sich die Lage auf leicht tieferem Niveau.

Politik hilft der Walbranche nicht

Gar nicht zufrieden ist der WVS mit der Politik. Immerhin habe der Druck auf die Waldflächen durch die Lockerung der „Lockerungen der Verpflichtung zum Rodungsersatz in Grenzen gehalten werden können“. Bei der „Waldpolitik 2020“ stünden Klimawandel, Naturschutz und eine gesteigerte Holznutzung auf dem Massnahmenplan. Für jene, die das Holz schlagen oder verarbeiten sollen, seien jedoch keine Massnahmen zu Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit getroffen worden. «Das kann nicht gut gehen: Während den Waldeigentümern das Benzin ausgeht, tritt der Bund aufs Gas!» mahnt WVS-Präsident und Nationalrat Max Binder.

Auf dem Direktionsposten gibt es einen Wechsel. Urs Amstutz verliess Ende April den WVS. Er geht in Rente. Seine Nachfolge hat Anfangs April Markus Brunner übernommen.

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