Dienstag, 20. Juli 2021
14.06.2015 06:09
Butter

Tiefer Konsum und hohe Gehalte füllen Butterlager

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Von: Samuel Krähenbühl

Trotz massiver Intervention der Lactofama AG liegt nach Beginn der Sömmerung viel Butter in den Lagern. Aktuell meldet die Branchenorganisation Butter einen Lagerbestand von 6250 t.

Das ist um einiges mehr als im Vorjahr, als in der Vergleichswoche 23 5887 t an Lager waren. Im Jahr 2013 waren es gar nur 2915 t.
Dabei wurde im März 2015 so viel C-Milch eingekauft  wie noch nie seit der Einführung des Segmentierungssystems. Doch auch die   massiven Aufkäufe von C-Milch durch die Lactofama AG konnten das Wachsen der Butterlager nicht verhindern.

Weniger Butter verkauft

Für einmal ist nicht eine überdurchschnittlich hohe Butterproduktion Ursache für die vollen Lager. Denn in der Periode Januar bis April 2015 wurden gemäss Marktlagebericht Milch von TSM und Schweizer Milchproduzenten (SMP) 499t oder 2,6% Butter weniger produziert als im Vorjahr. Doch der Effekt der rückläufigen Produktion wird gleich auch wieder durch den rückläufigen Konsum aufgehoben (siehe auch Kasten). «Der Butterabsatz ist aktuell knapp 500 Tonnen unter Vorjahr», sagt der stellvertretende SMP-Direktor Stefan Hagenbuch dazu. Auch Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker nennt den Absatzrückgang als einen Grund für die vollen Lager: «Grund für diesen Rückgang ist die Euroschwäche. Im Detailhandel führt sie zu mehr Einkaufstourismus.»

Hohe Gehalte

Für volle Butterlager sorgen aber auch die guten Gehaltszahlen. Rein rechnerisch ist es so, dass bei einer Gehaltserhöhung von +0,1% in der Schweiz pro Jahr rund 3000 t mehr Milchfett entsteht. Und dieses Jahr ist man nahe bei dieser Zahl. «Im Januar 2015 war der Fettgehalt gegenüber dem Vorjahr bei +0.05%, im Februar bei +0.09% und im März bei +0.05%. Diese Entwicklung trägt in der Tat zur aktuellen Situation bei», bestätigt Hagenbuch.

Wird man die bis Ende Sömmerung auf ein vernünftiges Mass hinunterbringen? «Einiges wird in den nächsten Wochen noch exportiert. Die Butterproduktion ist aktuell auch rückläufig», beschwichtigt Hagenbuch. Entscheidend sei aber das Niveau der Milchproduktion in den nächsten Monaten, und in der zweiten Jahreshälfte seien auch die Auswirkungen beim Sortenkäse besser sichtbar.

Auch bei Emmi ist man nicht erfreut über die hohen aktuellen Butterlager. «Diese sind unerfreulich für die Gesamtbranche», sagt Sprecherin Umiker. Die Nachfrage nach Milchfett werde in den nächsten Monaten kaum anziehen. Gleichzeitig falle mehr Milchfett an. Es würde deshalb schon einen spürbaren Rückgang der Milchmengen benötigen, um die schweizweiten Butterlager bis Ende Sommer zu reduzieren. 

Zusätzliche Entlastung?

Bei Bedarf würden die Akteure entsprechende Massnahmen beschliessen. «Emmi kann dieses Branchenproblem nicht im Alleingang bewältigen, ist jedoch bereit, ihren Beitrag zu leisten», fügt  Emmi-Sprecherin Umiker an.

Nur 23% Butter

Der Marktanteil 2014 des Milchfettes (Industrie, Gewerbe und Detailhandel) am gesamten Fettmarkt nahm gemäss Marktlagebericht Milch gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte auf 23 Prozentpunkte ab. Gesamthaft nahmen die Verkaufsmengen 2014 um 168 Tonnen oder 0,4 Prozent ab. Aber auch Margarinen und Minarinen sind unter Druck. Ihr Absatz nahm gar um 877 Tonnen (–7,0 %) ab. Innerhalb der pflanzlichen Fette konnte 2014 somit eine Verschiebung von den Margarinen, Minarinen zu den festen Fetten und Ölen festgestellt werden. In der Industrie ist der Marktanteil der Butter, verglichen mit anderen Fettarten wie namentlich Pflanzenfetten, seit Jahren sinkend. Der gesamte Fettverbrauch im Industriebereich hat  seit 2005 bis ins Jahr 2014 mit 135424 Tonnen um 20103 Tonnen oder 17,4 Prozent zugenommen. Der Absatz des Milchfettes (Butter, entwässerte Butter) nahm zwar in der gleichen Zeitperiode absolut ebenfalls zu und zwar um 3224 Tonnen oder 14,7 Prozent. Unter dem Strich bedeutet dies aber einen Verlust an Marktanteilen.

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