22.11.2017 06:03
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Teuerung
Trotz Negativteuerung teurer
Den regelmässig publizierten offiziellen Inflationsraten nach zu schliessen, müsste das Leben in der Schweiz in den letzten Jahren günstiger geworden sein. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall.

Statistiken haben bekanntlich ihre Tücken. Insbesondere dann, wenn sie allzu leicht zu Fehlschlüssen verführen. Ein prominentes und immer wiederkehrendes Beispiel dafür ist die Berechnung der Teuerung durch das Bundesamt für Statistik (BFS).

Mehr Steuern

Korrekt heisst es zwar jeweils in der Mitteilung, dass der Landesindex für Konsumentenpreise um einen gewissen Prozentsatz gestiegen oder gefallen ist. Beim Publikum wird diese Indexbewegung jedoch meist falsch als Angabe zur Entwicklung der Lebenshaltungskosten gedeutet. Die allgemeine Teuerungswahrnehmung widerspricht darum auch oft der offiziellen Inflationsrate. Mit der Haushaltsbudgeterhebung publiziert das BFS jedoch eine Statistik, die dieser Teuerungswahrnehmung eher entspricht.

So sind zwar zwischen 2009 bis 2015 die so genannten Konsumentenpreise um 1,2 Prozent gefallen. Die nicht umgehbaren Kosten, wie Steuern, Krankenkassenprämien, Wohnkosten und Sozialabgaben dagegen sind gemäss dieser Erhebung am Dienstag veröffentlichten Erhebung für einen Schweizer Haushalt in diesem Zeitraum um 3,5 Prozent angestiegen.

Höhere Prämien

Insbesondere die Krankenkassenprämien, die nicht in der Teuerungsberechnung enthalten sind, haben sich markant um 12 Prozent erhöht. Aber auch Steuern und Sozialversicherungsabgaben haben sich um 5 respektive 5,4 Prozent erhöht. Gleichzeitig hat sich das Bruttoeinkommen des durchschnittlichen Schweizer Haushaltes um 6,1 Prozent erhöht. Die Wohnkosten dagegen sollen gemäss dieser Statistik um 1,2 Prozent gesunken sein.

Noch deutlich stärker klaffen Teuerung und die Entwicklung der Haushaltsausgaben im Zeitraum von 2000 bis 2015 auseinander. Der Teuerungsrechner des BFS gibt für diesen Zeitraum eine Inflation von 7 Prozent an. Die Haushaltsbudgeterhebung zeigt jedoch, dass die unvermeidbaren Ausgaben in dieser Periode um 26,6 Prozent gestiegen sind. Die Krankenkassenprämien schwingen mit einem Plus von fast 80 Prozent wiederum obenaus. Aber auch Sozialversicherungsabgaben (+40 Prozent) und Steuern (+21 Prozent) haben sich kräftig erhöht. Der Bruttolohn ist um 18 Prozent gestiegen.

Mieten um 30 Prozent gestiegen

In diesem Langzeitvergleich fällt wiederum auf, dass die Ausgaben für Wohnen und Energie mit nur 11 Prozent unterdurchschnittlich angestiegen sind. Dies zeigt jedoch nur, dass auch die Haushaltsbudgeterhebung nicht die tatsächlich wahrgenommen Teuerung abbildet.

Denn seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der Einpersonenhaushalte in der Schweiz deutlich zugenommen, was den Anstieg der Wohnkosten in der Statistik dämpft. Der Mietpreisindex weist denn für diese Zeitperiode mit 19 Prozent schon eine deutlich höhere Steigerung an. Noch näher an die empfundene Realität kommt die Entwicklung der Mietpreise. So hat sich gemäss der BFS-Statistik die durchschnittlichen Miete einer drei oder vier Zimmerwohnung in der Schweiz zwischen 2000 und 2014 um über 30 Prozent erhöht.

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