6.04.2017 14:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Fleisch
«Unnötige» Bauerninitiative
In der Schweiz bleibt der Pro-Kopf-Fleischkonsum seit Jahren mehr oder weniger unverändert. Zwar weist die Statistik eine leichte Abnahme aus. Laut dem Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) müssen aber die Fleischkäufe ennet der Grenze und der zunehmende Schmuggel einbezogen werden.

Statistisch erfasst ist für 2016 ein jährlicher Pro-Kopf-Konsum von 51 Kilogramm Fleisch. Das sind 0,7 Kilo oder 1,4 Prozent weniger als im Jahr 2000, wie SFF-Präsident Rolf Büttiker am Donnerstag in Zürich vor den Medien ausführte.

Diese Angaben täuschten aber, da immer mehr Private sich im nahen Ausland mit Fleisch zu günstigen Preisen eindeckten, und immer mehr Fleisch in die Schweiz geschmuggelt werde. Rechne man diese Mengen mit ein, so dürfte sich der Pro-Kopf-Konsum im Berichtsjahr 2016 bei rund 64 Kilo liegen. Die Schweiz bewege sich damit innerhalb Europas «im vorderen Mittelfeld» der Fleischesser.

Schwein bleibt erste Wahl

Nach wie vor am beliebtesten bei den Schweizern ist gemäss dem statistisch erfassten Pro-Kopf-Konsum das Schweinefleisch. Von den registrierten 51 Kilo machte es 22,5 Kilo aus. An zweiter Stelle der Beliebtheitsskala folgt Geflügel (12 Kilo). Rindfleisch liegt mit 11,3 Kilo auf dem dritten Platz. Wenig ins Gewicht fallen Fleisch vom Kalb (2,7 Kilo), von Schaf und Ziege (1,3 Kilo), Wild und Kaninchen (0,8 Kilo) sowie vom Pferd (0,4 Kilo).

Mehr als 80 Prozent des verkauften Fleischs stammt laut Büttiker aus der Schweiz. Insgesamt belief sich der Fleischverbrauch 2016 auf knapp 432'000 Tonnen, gleich viel wie im Jahr zuvor. Dazu kamen gegen 76'000 Kilo Fische und Krustentiere (+1,8 Prozent).

«Unnötige» Bauerninitiative

Wie SFF-Direktor Ruedi Hadorn sagte, sind verschiedene Vorstösse und Volksinitiativen zum Thema hängig. Darunter ist etwa Ernährungssicherheitsinitiative des Bauernverbandes samt Gegenvorschlag. Der SFF erachte beide als «unnötig» - der diesbezügliche Verfassungstext sei ausreichend. Mit dem Gegenvorschlag könnte der SFF aber immerhin leben. Denn dieser soll ja keine Gesetzesänderungen nach sich ziehen.

Ausdrücklich unterstützt würden anderseits einzelne parlamentarische Vorstösse, etwa zur wirkungsvollen Eindämmung des Fleischschmuggels oder zur Schaffung von gleich langen Spiessen bei der Einfuhr von Halalfleisch, so Hadorn weiter. Bisher werden die betreffenden Teilzollkontingente bei der Versteigerung bevorzugt behandelt.

Netto-Subventionsgeber 

Wenig erfreut ist Hadorn Nationalrat Beat Jans (SP/BS). Er mache einen Frontalangriff auf das Lebensmittel Fleisch, indem er aus einseitigen Nachhaltigkeitsgründen mit seiner Parlamentarischen Initiative ausschliesslich die Streichung der Absatzförderungsgelder für die Fleischwerbung fordere, so Handorn. Sein Vorstoss erwecke den Eindruck, dass die Fleischwirtschaft mit Beiträgen von rund 6.2 Mio. Franken ein unberechtigter Subventionsnehmer sei.

Gemäss SFF ist das Gegenteil der Fall. Unter Berücksichtigung der Kosten für die Versteigerung von Importkontingenten zuhanden der allgemeinen Bundeskasse von netto 150 Mio. Franken pro Jahr werde nach Auffassung des SFF aber rasch klar, dass die Fleischwirtschaft innerhalb der Land- und Ernährungswirtschaft wohl einer der wenigen Netto-Subventionsgeber sei. "Und dies erst noch in beträchtlichem Ausmass", betont Hadorn.

Neu: Kommunikationspreis


Gute Kommunikation ist auch für den Fleischfachverband unabdingbar. Neu lanciert der SFF deshalb im laufenden Jahr einen Kommunikationspreis, wie SFF-Kommunikationschef Elias Welti sagte. Im Herbst werde der Betrieb ausgezeichnet, der besonders gut für das Lebensmittel Fleisch werbe und den anderen als Vorbild dienen könne.

Seit Jahren hapert es beim Nachwuchs. Laut Welti bleibt rund jede zweite Lehrstelle unbesetzt. Der Verband habe deshalb eigens die Stelle eines «Nachwuchsrekrutierers» geschaffen. Zudem soll ein Videoclip die 13- bis 16-Jährigen ansprechen und ihr Interesse am Beruf des Fleischfachmanns oder der Fleischfachfrau wecken.

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