7.07.2015 13:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Kartoffelmarkt
Unruhe im Kartoffelmarkt
Wieder einmal brodelt es im Kartoffelmarkt. Die Terralog zahlt ihren Produzenten pauschal für die Ernte 2014 nicht den vollen Rückbehalt von 5 Fr./100 kg zurück. Das ist gegen die Branchenvereinbarung.

Mitte Juni haben die Kartoffelproduzenten der Terralog eine schriftliche Information zur Schlussabrechnung der Ernte 2014 erhalten. Die Terralog gibt darin bekannt, dass der Rückbehalt von 5 Fr./100 kg dieses Jahr erstmals nicht vollständig zurückbezahlt werden könne. Konkret erhalten die Produzenten je nach Sorte noch 1 bis 3.50 Fr./100 kg anstelle der 5 Fr. Gemäss Branchenkennern ist das für die Produzenten total ein Verlust von mindestens einer Million Franken.

Gegen Vereinbarung

Dieses Vorgehen ist in zweierlei Hinsicht gegen die Branchenvereinbarung. Erstens ist der Rückbehalt nur bei Sorten für den Frischkonsum vorgesehen und nicht für Verarbeitungskartoffeln. Und zweitens darf der Rückbehalt nur gekürzt oder gestrichen werden, wenn bei der Auslagerung eines Postens gravierende qualitative Mängel festgestellt werden. In diesem Fall sollte der Produzent vorher informiert und zur Besichtigung des Postens eingeladen werden.

Überangebot und Ausfall

In ihrem Schreiben nennt  die Terralog folgende Gründe für die gekürzte Schlussauszahlung:

Grossernte 2014: «Per Ende Mai 2015 lagerten national immer noch fast 7000 t mehr festkochende Kartoffeln als durchschnittlich zu diesem Zeitpunkt in den letzten 5 Jahren», so die Kartoffelhändlerin. Es sei unmöglich, dass diese Kartoffeln zu normalen Preisen verkauft werden könnten.

Qualitätsmängel: Die frühe Pflanzung habe  bei der Ernte zu physiologisch älteren Knollen geführt. Hohe Nachttemperaturen im September/Oktober hätten ein schnelles Runterkühlen der Lager erschwert. Bei spät sortierten Posten gebe es daher Ausfälle von bis zu 30%. «Wir haben dieses Frühjahr schon mehr als 1000 t mehr Sortierabfall alternativen Verwertungskanälen wie Futter oder Biogas zuführen müssen.»

Preisdruck: Das grosse Angebot und die schnell abnehmende Qualität führten zu einem massiven Angebotsdruck im Markt.  Es sei zwar erfreulich, dass sich die grossen Aktionsaktivitäten in gesteigerten Absatzvolumen auswirkten. «Diese mussten aber von der Terralog mit Aktionsbeiträgen teuer erkauft werden.»

«Weder die betroffenen Produzenten noch wir von der Terralog AG sind in der Lage, die Folgen der Ernte 2014 selber zu tragen», heisst es im Brief. Daher werde ein marktbedingter Grundbeitrag von 1.50 Fr./kg über alle aufgeführten Sorten erhoben. Zusätzlich gibt es je nach Marktsituation und Ausfällen einen sortenspezifischen Beitrag bis zu 3.50 Fr./100 kg.

Gespräche geplant

Wie die Händlerin aus Rüdtligen-Alchenflüh BE zu ihrem Vorgehen steht, konnte gestern aufgrund einer Ferienabwesenheit der verantwortlichen Person nicht in Erfahrung gebracht werden. Man sei in Kontakt mit der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP) und Pro Terralog, der Organisation der Terralog-Produzenten, heisst es auf Anfrage.

Dies bestätigt VSKP-Präsident Ruedi Fischer: «Die VSKP und Pro Terralog sind über die Situation informiert. Wir werden in den nächsten Wochen mit der Geschäftsführung der Terralog zusammenkommen.» Der Rückbehalt von 5 Fr./100 kg sei Bestandteil des Produzentenpreises und müsse, sofern die Qualität stimme, bezahlt werden.

An Preise gehalten

Die Fenaco, der grösste Kartoffelabnehmer, hat den Rückbehält konform, bis auf einzelne qualitativ begründete Ausnahmen, vollständig ausbezahlt, wie es auf Anfrage heisst. Jörg Schär, Leiter Frischkartoffeln, spürt den Angebotsdruck durch die grosse Ernte 2014 zwar ebenfalls. Allerdings hätten sich die beiden Hauptabnehmer (Anm.d.Red.: Migros und Coop) an die abgemachten Preise gehalten. «Die Produzentenpreise waren immer die Basis für die Aufrechnung aller Verkaufspreise», sagt Schär.

Dass die Qualität schlechter sei als in anderen Jahren, kann er nicht bestätigen: «Wir vermarkten jetzt noch festkochende Kartoffeln der Ernte 2014. Das hat es noch nie gegeben.»

Beunruhigt über Vorgehen

Das Vorgehen der Terralog kommentiert Schär wie folgt: «Wir sind höchst beunruhigt. Bisher hatten die Swisspatat-Vereinbarungen eine starke Verbindlichkeit.» Dass der Rückbehalt bei der Konkurrenz nicht vollständig ausbezahlt werde schaffe eine neue Ausgangslage. «Der Ball liegt jetzt klar bei der VSKP als Interessenvertreterin der Produzenten. Je nachdem, wie mit dem Fall umgegangen wird, werden wir uns überlegen, wie wir uns künftig organisieren wollen.» 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE