8.05.2015 06:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Raaflaub
Emmi
Unruhe in Emmis Auslandportfolio
Über Jahre hat Emmi sein Auslandportfolio kontinuierlich und ohne grosse öffentliche Aufmerksamkeit aufgebaut. Damit ist es vorbei: Verschiedene Baustellen beanspruchen die Aufmerksamkeit des Emmi-Verwaltungsrates.

Kaiku, eine der ersten Erwerbungen, war bisher für Emmi eine Perle: Nicht nur brachte sie ihre tunesischen und chilenischen Töchter in die Emmi-Familie ein und erlaubte Emmi dadurch den Sprung nach Übersee und verkauft unter eigener Marke grosse Mengen in der Schweiz produzierte Caffè Latte. Sie schien bisher auch unbeschadet durch die Spanienkrise zu segeln.

Verwirrende Erhöhung

Die am 1. April verkündete Kapitalerhöhung sendet nun ein verwirrendes Signal. Denn anders als bisher hat Emmi nicht durch die Übernahme eines Aktienpaketes seine Beteiligung erhöht. Vielmehr wurden neue Aktien gezeichnet. Zudem wollte Emmi die Erhöhung nicht alleine stemmen. Da auch ein baskischer Investor neue Aktien in ähnlicher Höhe gezeichnet hat, erhöht sich die prozentuale Beteiligung von Emmi am Aktienvolumen nur minimal.

Warum mehr Kapital?

Eine Kapitalerhöhung kann dazu dienen, die Kasse zu füllen, um Zukäufe oder Investitionen zu tätigen. Allerdings bestehen laut Emmi keinerlei konkrete Kauf- oder Investitionsabsichten. Solche wären angesichts der nach wie vor nicht konsolidierten spanischen Wirtschaft auch ziemlich mutig. Somit müssen auch weitere mögliche Gründe für die Kapitalspritze in Betracht gezogen werden: Das Geld wird benötigt, um Kredite abzulösen, erhöhte Lagerbestände zu finanzieren oder einer finanziellen Schieflage vorzubeugen.

Da Emmi die Geschäftszahlen seiner Töchter nicht veröffentlicht, bleibt es bei diesen Vermutungen. Die Emmi-Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem leichten Kursverlust (–0.5 Prozent). Die Analysten dagegen begrüssten die Massnahme als ein Zeichen des Committments für Kaiku.

Kaiku, Spanien
Name: Kaiku Corporacion Alimentaria SLU, San Sebastian, Spanien
Produkte: Frischprodukte, insbesondere UHT-Milch, Joghurt, Caffè Latte, Benecol, Schwerpunkt bei laktosefreien Produkten.
Markt: Spanien.
Umsatz: 270 Mio. Euro (rund 324 Mio. Fr.)
Beteiligung Emmi: 76%
Bemerkung: Kaiku produziert neben Produkten im Kaiku-Design  verschiedene Produkte unter einer Doppelmarke Kaiku und Emmi.

Nicht nur Premium

Nischenanbieter, die im Premiumsegment stark positioniert sind, deren Produkte das bestehende Angebot gut ergänzen und die über das bestehende Vertriebsnetz gut abgesetzt werden können: Diese passen in die Akquisitionsstrategie von Emmi.

Vitalait, Tunesien
Name: Société Laitière de Mahdia, Mahdia, Tunesien
Produkte: Fruchtjoghurts und seit 2014 auch Desserts. Markt: Die Produkte werden ausschliesslich in Tunesien abgesetzt.
Umsatz: Umgerechnet 70 Mio. Franken
Beteiligung Emmi: 35%, gehalten durch Kaiku
Bemerkung: Vitalait gilt als der zweitgrösste Frischproduktehersteller in Tunesien.

Eher Durchschnitt

Leider entsprechen die älteren Auslandtöchter diesen Kriterien nur bedingt. Insbesondere die Produktpaletten der tunesischen und der chilenischen Töchter von Kaiku orientierten sich bisher eher am Durchschnittsgeschmack. Italienische und amerikanische Joghurthersteller, die sich in ihren nationalen Premiummärkten nicht durchsetzten, wurden schon abgestossen. Die Firmen der Emmi-Gruppe verbindet keine gemeinsame Dachmarke, keine gegen aussen und innen visuell erkennbare gemeinsame Identität.

Surlat, Chile
Name: Lacteos Surlat S.A., Longoleche/Pitrufquén, Chile
Produkte: Frischprodukte, insbesondere UHT-Milch, Joghurts, Käse, Butter, Schwerpunkt auf laktosefreien Produkten
Markt: Die Produkte werden vor allem in Chile abgesetzt.
Umsatz: Etwa 120 Mio. US-Dollar (rund 110 Mio. Fr.)
Beteiligung  Emmi: 46%, gehalten durch Kaiku
Bemerkung: Surlat ist die fünftgrösste Molkerei Chiles.

Dachmarke?

In den meisten Märkten bleibt die Marke Emmi unbekannt, denn die ausländischen Töchter verkaufen ihre Produkte unter eigenem Namen. In Spanien wird sogar der in der Schweiz hergestellte Caffe Latte ausschliesslich unter lokaler Marke verkauft. Ganz anders halten es z.B. Nestlé oder Danone: Dort thront über den lokalen Marken (zum Beispiel Hirz oder Actimel) immer die Dachmarke.  Andere Molkereikonzerne wie Arla und Campina benutzen ihr bekanntes Konzernlogo, um Produkte von übernommenen Molkereien ohne starke Marke im Markt höher zu positionieren.

Emmi Roth, USA
Name: Emmi Roth USA, Monroe, Wisconsin USA; Cypress Grove Chèvre, Arcata, California USA
Produkte: Käsespezialitäten aus Kuhmilch (Roth) bzw. Ziegenmilch (Cypress Grove).
Beteiligung Emmi: 100%
Bemerkungen: Emmi Roth produziert Spezialitätenkäse aus aller Welt: Raclette, Fontina, Gouda, Granqueso, Havarti (dänisch), Grand Cru (ein Gruyère). Cypress Grove Chèvre  produziert 14 Eigenkreationen Ziegenkäse

Identifikation funktioniert

Nicht so bei Emmi. Die Marke Emmi tragen ausschliesslich Produkte, die in der Schweiz hergestellt wurden. Die Emmi-Marke international bekannt zu machen, wäre vermutlich zu teuer, deshalb muss Emmi mit den Möglichkeiten und Grenzen der Marken seiner Auslandstöchter auskommen.

Für die Identifikation der ausländischen Mitarbeiter mit dem Mutterkonzern sei das kein Problem: «Wenn die ausländischen Mitarbeiter die neue Firmenkultur spüren, zum Beispiel weil die Distanz zwischen Kader und Mitarbeiter verringert wurde, bringt das mehr als ein Emmi-Logo auf der Arbeitskleidung», betont Esther Gerster, Konzernsprecherin bei Emmi.

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