10.08.2017 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Raaflaub
Detailhandel
Viel Platz für Danone bei Coop
Coop hat gleich zwei neue Joghurtsortimente ohne deklarierte Schweizer Herkunft gelistet. Importjoghurts sind schon seit Längerem bei Aldi und Lidl zu kaufen. Tobt jetzt auch bei Joghurt ein Verdrängungskampf?

Coop hat Joghurtregale in seinen Filialen geräumt, um neuen Joghurts ohne Schweizer Herkunftsbezeichnung Platz zu machen. Auf mehreren Metern Regal macht sich der französische Konzern Danone mit seiner Produktelinie von «Activia»- Bifidus-Joghurts breit. Viel Regalplatz beansprucht auch das französisch-schweizerische Joint Venture Lactalis-Nestlé mit seinen Joghurts nach griechischem Rezept unter der Marke «yalg».

Den Kunden Neues bieten

Die Newcomer im Joghurtregal bedeuten keine Abkehr vom Bekenntnis von Coop zum Produktionsstandort Schweiz, meint Andrea Bergmann, Pressesprecherin von Coop Schweiz. «Bei Joghurt liegt der Anteil an Schweizer Produkten bei über 90 Prozent.» Grund für die Neuaufnahme sei, das schon vielfältige Joghurtangebot um neue, innovative Produkte zu ergänzen. Möglich ist allerdings auch, dass die beiden Anbieter die Regalfläche ganz einfach gekauft haben. Danone, um in der Schweiz präsent zu werden, und Lactalis-Nestlé, um eine neue Produktelinie zu lancieren.

Das wäre aber auch die einzige Gemeinsamkeit bei den beiden Newcomern. Danone, der drittgrösste Molkereikonzern der Welt mit Schwerpunkt im Joghurtgeschäft, hat bisher in der Schweiz kaum Fuss fassen können. Es ist möglich, dass Danone weitere Vorstösse mit anderen Produkten oder auf anderen Verkaufskanälen folgen lassen wird und dass flankierend die Werbung hochfährt. Die in der Schweiz angebotenen Joghurts stammen aus der Danone-Molkerei Ochsenfurt, Deutschland.  

Schweiz nicht ausgelobt

Nestlé hingegen hat, unter der Marke Hirz, eine lange Tradition auf dem Schweizer Markt. Vor über zehn Jahren brachte Nestlé das Geschäft mit Milch-Frischprodukten in ein Joint Venture mit dem französischen Molkereiriesen Lactalis ein, schloss die Molkerei in Hirzel ZH und übergab die Produktion der Hirz- und LC1-Joghurts als Produktionsauftrag an Emmi. Diese Joghurts sind bis heute als «hergestellt in der Schweiz» deklariert. Nicht aber die neue Produktelinie «yalg»: Hier befindet sich kein Hinweis zum Produktionsland.

Coop-Sprecherin Bergmann ist sich allerdings sicher, dass die yalg-Produkte auch in der Schweiz hergestellt werden. Es scheint, dass es für Lactalis-Nestlé wichtig ist, Produktionsstandorte frei wählen und schnell wechseln zu können, und dass das Unternehmen dafür auf den Schweiz-Bonus verzichtet. Eventuell will Lactalis-Nestlé die Marken auch so stark machen, dass dahinter das Herkunftsland keine Rolle mehr spielt. Beides wären gefährliche Entwicklungen für die Lieferanten und für den Produktionsstandort Schweiz.

Starke Labels sind wichtig

Ausserhalb der Coop-Regale ist es im Joghurtgeschäft ruhig. Bei den übrigen alteingesessenen Schweizer Detailhändlern sind die Schweizer Joghurthersteller weitgehend unangefochten. Lidl hingegen bezieht Joghurts unverändert aus Deutschland, während Aldi die Eigenmarken «Milfina» und «Desira» sowohl in Deutschland wie auch in der Schweiz (bei Cremo) herstellen lässt. Zum Anteil Schweizer Joghurts in seinen Regalen macht Aldi allerdings keine Angaben.

Schweizer Joghurts halten sich nach wie vor gut auf dem Schweizer Markt und sogar in den Regalen von Aldi. Ob Danone sich auf dem Schweizer Markt durchsetzen kann oder das Coop-Regal bald wieder räumen muss und ob Lactalis-Nestlé es schaffen wird, sich dank starker Marken von seinen Produzenten und Produktionsländern zu lösen, wird die Zukunft zeigen. Starke Herkunftslabels wie Suisse Garantie und ein gutes Image der Schweizer Landwirte und ihrer Anbaumethoden sind wichtiger denn je.

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