9.12.2016 16:44
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz, lid
Detailhandel
Wachstums-Offensive gestartet
Demeter-Produkte nahmen bisher eine kleine Nische ein. Nun gibt es sie auch bei Migros und Coop zu kaufen. Das Bedürfnis nach qualitativ hochstehenden Lebensmitteln gibt auch der biodynamischen Landwirtschaft Auftrieb.

Demeter-Produkte gab es bis jetzt entweder direkt ab Hof oder über Reformhäuser und Biofachläden zu kaufen. Hier ist der Absatz allerdings an seine Grenzen gestossen. Viele Demeter-Betriebe können nicht alle ihre Produkte unter dem Demeter-Siegel verkaufen, sondern müssen sie wie andere Bioprodukte unter der Knospe oder teilweise sogar wie konventionelle Produkte vermarkten. Aktuell gehen gut zwei Drittel der Demeter-Produkte im Biofachhandel über den Ladentisch. Rund ein Drittel verkaufen die Bauern direkt ab Hof.

Den Organismus stärken

Demeter ist das Label für die biologisch-dynamische Landwirtschaft. Die Anforderungen gehen teilweise noch über diejenigen der Knospe, das Label der Bio Suisse, hinaus. Wer biodynamisch produziert, erfüllt also auch die Richtlinien von Bio Suisse. Spricht man von biologischer Landwirtschaft, denkt man meistens an diejenige, welche die Bio Suisse-Richtlinien erfüllt. Deren Ziel liegt vor allem darin, die Natur zu schonen.

Die Biobauern verwenden zum Beispiel keine synthetischen Pflanzenschutzmittel und Dünger und halten die Tiere artgerecht. „Wir wollen jedoch noch weitergehen. Demeter ist eine Landwirtschaft, die nicht nur die Natur schont, sondern bewusst Boden, Pflanzen, Tiere und Menschen stärken will“, sagt Aline Haldemann, Marketingleiterin bei Demeter Schweiz. Zum Beispiel werden bei Demeter die Tiere wesensgerecht gehalten, dazu gehört, dass Kühe nicht enthornt werden. Zur Stärkung der Pflanzen dienen natürliche Kompost- oder Spritzpräparate. Diese werden in geringsten Dosen eingesetzt, um das Bodenleben, das Wachstum und die Qualität der Pflanzen zu fördern.

Anforderungen teils höher als bei Bio

Am Anfang des Jahres hat sich für Demeter Schweiz sowohl mit Migros als auch mit Coop eine Zusammenarbeit ergeben. „Das ist eine positive Herausforderung für Demeter“, freut sich Eva-Maria Wilhelm, Mediensprecherin von Demeter Schweiz. Den Grund für das Interesse der Grossverteiler sieht sie darin, dass das Bewusstsein für qualitativ hochstehende Lebensmittel bei der Bevölkerung wächst. Dass Demeter-Produkte nun auch im Grosshandel erhältlich sind, dürfte den Bekanntheitsgrad und damit auch die Nachfrage erhöhen, ist die Demeter-Vertreterin überzeugt.

Die Anforderungen von Demeter sind teilweise noch höher als diejenigen von Bio Suisse. So darf zum Beispiel die Demeter-Milch weder homogenisiert, sterilisiert oder zu UHT-Milch verarbeitet werden. Für Backwaren sind nur phosphatfreie Triebmittel zugelassen und zur Haltbarmachung von Fleisch ist der Einsatz von Nitrit-Pökelsalz verboten.

Vor allem Frischprodukte

Migros Zürich hat im Oktober Demeter-Produkte in neun ihrer 100 Supermärkte aufgenommen. Es handelt sich vor allem um Frischprodukte wie Früchte, Gemüse, Brot, Milch und Milchprodukte. „Wir möchten möglichst vielen Kundinnen und Kunden den Zugang zu Lebensmitteln aus biologisch-dynamischem Anbau ermöglichen“, sagt Francesco Laratta, Mediensprecher der Genossenschaft Migros Zürich. Die Migros reagiere damit auf ein Kundenbedürfnis, denn das Interesse an Bio-Produkten wachse in der Bevölkerung. Die Aufnahme von Demeter-Produkten in das Bio-Sortiment ist ein Pilotprojekt mit dem Ziel, das bestehende Angebot zu erweitern.

Coop hat seit Anfang November Demeter-Produkte in die Verkaufsregale aufgenommen und zwar in 60 Supermärkten der Verkaufsregion Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich. Der Grossverteiler hat zuerst einmal mit Demeter-Milch begonnen und möchte das Angebot auch auf andere Schweizer Produkte ausdehnen. „Wir sehen Demeter als attraktive Ergänzung des Bio-Sortiments und als ein glaubwürdiges Label“, sagt Coop Mediensprecher Ramón Gander.

Die Anzahl biodynamischer Betriebe steigt


Der Weg der Demeter-Produkte in den Handel geht über die Verarbeiter. Die Bauern liefern zum Beispiel ihre Milch an eine der regionalen Demeter zertifizierten Molkereien, während sie das Getreide an eine zertifizierte Mühle liefern. Diese verarbeiten die Produkte und liefern sie den Grossisten. Als Lizenznehmer halten sie sich an die Verarbeitungsrichtlinien von Demeter.

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft gibt es in der Schweiz schon seit fast hundert Jahren. Bereits im Jahre 1937 haben sich die Bauern zum Verein für biologisch-dynamische Landwirtschaft zusammengeschlossen. Gesamthaft gesehen gibt es allerdings relativ wenige biodynamische Landwirtschaftsbetriebe. Von den etwa 6‘250 Biobetrieben in der Schweiz sind es gerade einmal 280. Die Zahl ist steigend, berichtet Wilhelm. Im Jahr 2015 habe es einen „enormen Anstieg“ von Anfragen von Biobauern gegeben, die auf biodynamischen Landbau umstellen wollen.

Schule für biodynamische Landwirtschaft

Dass das Interesse von Jungbauern an der bio-dynamischen Landwirtschaft vorhanden ist, zeigt der Aufbau einer Schule für biodynamische Landwirtschaft in Rheinau im Kanton Zürich. Dort lernen zurzeit etwa 50 Schüler. Sie schliessen die vierjährige Ausbildung wie ihre Kollegen der konventionellen und der biologischen Landwirtschaft nach drei Jahren mit dem Eidgenössischen Fähigkeitsausweis EFZ ab und erreichen nach einem weiteren Jahr den höheren Berufsausweis „Fachfrau oder Fachmann für biodynamische Landwirtschaft“. Die ausgebildeten Landwirte sind gesucht, sagt der Schulleiter Martin Ott.

Das älteste Biolabel

Grundlage des biologisch-dynamischen Landbaus ist die Anthroposophie, eine spirituelle Weltanschauung begründet durch Rudolf Steiner, anfangs des 20. Jahrhunderts. Der landwirtschaftliche Betrieb wird als individueller Organismus angesehen. Im Jahre 1997 haben sich Bauern, Verarbeiter und Händler im Schweizerischen Demeter Verband organisiert. Demeter selbst ist kein Unternehmen, sondern das Label oder Gütezeichen der biodynamischen Landwirtschaft.  Der Name existiert seit 1928 und ist das älteste der aktuellen Biolabel. Als Namensgeberin diente eine Gottheit der griechischen Mythologie, zuständig für die Fruchtbarkeit der Erde, Saat und  Jahreszeiten. mg

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