21.08.2016 08:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Fleischmarkt
Weitere Importe trotz Preissturz
Nationalräte und Viehzuchtvertreter rufen zu einem Lieferboykott für Schlachtkühe auf. Derweil werden auch im August 800 t Verarbeitungsfleisch importiert. McDonald’s ist nur ein kleiner Fisch unter vielen.

Seit Mittwoch macht ein Boykott-Aufruf per SMS die Runde: «Schlachtkühe die nächsten vier Wochen zurückhalten, ausser denen, die wirklich wegmüssen. Verspielen können wir nicht viel. Es hat knapp Kühe. Futter ist genug da, zeitlich ideal, ist noch nicht November.»
Hinter diesem Aufruf stehen die vier Nationalräte Andreas Aebi (SVP, BE), Toni Brunner (SVP, SG), Marcel Dettling (SVP, SZ), Erich von Siebenthal (SVP, BE), dann BIG-M-Präsident Martin Haab, Mettmenstetten ZH, sowie die Viehzuchtvertreter Markus Gerber,  Präsident Swissherdbook, Peter Allemann, Untervaz GR,  Wendolin Casutt,  Falera GR, Ruedi Bachofen, Aathal  ZH und Emil Zwingli,  Wattwil SG.

Markt spielt verrückt

Normalerweise sinken die Preise erst, wenn ein Überangebot herrscht. Doch im Markt für Verarbeitungskühe ist das offensichtlich nicht der Fall. Auch im August werden 800 t Fleisch, also rund 3000 Kühe importiert. Die Hälfte wird nach Inlandleistung verteilt, die andere Hälfte versteigert. McDonald’s hat bereits aktiv kommuniziert, in den nächsten 8 Wochen rund 3% (ca. 135 t) des Jahresbedarfs von 4500 t zu importieren.

Viele andere importieren aber auch. So haben etwa Marmy Viande, Estavayer FR, Lüthi&Portmann, Münchenbuchsee BE,  A+C Delikatessen AG, Berneck SG, Fleischhandel Crüzer, Landquart GR, Metzgerei Spahni, Zollikofen BE, oder auch die Fenaco-Tochter Ernst Sutter AG, Gossau SG, Importkontingente ersteigert. Andere wie Coop-Tochter Bell haben zwar keine Kontingente ersteigert, haben aber wegen ihrer Inlandleistung Anrecht auf Importe.  In den Regalen der Grossverteiler wie Migros und Coop findet sich denn auch nach wie vor importiertes Rindshackfleisch.

Bauernvertreter haben es in der Hand

Auch gestern sank der Preis für Verarbeitungskühe wieder um 20 Rp./kg. Doch trotz einem Preissturz von 1.20 Fr./kg seit Ende Juli scheint es erneut Importgelüste zu geben. Nächsten Freitag entscheidet der Proviande-Verwaltungsrat. Dabei haben es die Vertreter  der Bauern in der Hand, neue Importe zu verhindern: Kurt Herzog, Bernard Nicod, Jörg Oberle, Christian Oberli, Martin Rufer und Claus Ullmann können ein Patt herbeiführen. Präsident Markus Zemp kann mit Stichentscheid den Import verhindern.

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