23.12.2012 07:19
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchmarkt
Weltweite Milchproduktion verliert 2013 an Schwung
Das Wachstum der globalen Milchproduktion wird sich im nächsten Jahr voraussichtlich abschwächen. Davon geht zumindest das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) aus.

In ihrer jüngsten Marktanalyse für die wichtigsten Erzeugerländer prognostizieren die Washingtoner Fachleute deren Kuhmilchaufkommen im Kalenderjahr 2013 auf insgesamt 469,2 Mio. t; das wären 1,5% mehr als für 2012 veranschlagt werden. Im aktuellen Jahr dürfte die weltweite Milcherzeugung, angeregt durch hohe Preise im Vorjahr und überwiegend günstige Klimaverhältnisse, um 2,4 % auf 462,5 Mio t zunehmen; 2011 hatte sie sogar um 2,8 % zugelegt. Die nachlassende Dynamik wird nach Angaben des USDA praktisch für alle wichtigen Erzeugungsregionen gelten. Die Milchbauern in der EU werden ihre Produktion 2013 voraussichtlich nur um 0,5 % auf 140,7 Mio t steigern. Als Hemmschuhe für eine stärkere Zunahme des Rohstoffaufkommens sehen die US-Analysten einerseits den weiteren Abbau des Milchkuhbestandes, andererseits die höheren Kosten für Futtermittel und Energie. Außerdem bremse die Finanz- und Wirtschaftskrise die Wachstumsdynamik.

Schwächere Milchleistung in Ozeanien

Ebenfalls nur verhalten soll im Vergleich zu den beiden Vorjahren auch die Milcherzeugung in Ozeanien zunehmen. Mit Blick auf das Jahr 2013 erwarten die Washingtoner Experten für Australien einen Zuwachs von 1,2 % auf 10,1 Mio t und für Neuseeland ein Plus von 0,3 % auf 20,4 Mio t. Zwar würden im kommenden Jahr in beiden Ländern mehr Kühe gemolken; doch dürfte die Rückkehr zu eher normalen Klimabedingungen die Milchleistungen der Tiere wieder sinken lassen, heißt es in dem US-Bericht. Für das eigene Land rechnen die Washingtoner Analysten 2013 mit einer gegenüber diesem Jahr stabilen Produktion von 90,6 Mio t Rohmilch. Die Abnahme des Kuhbestandes soll durch höhere Leistungen je Tier ausgeglichen werden. Überdurchschnittlich stark dürfte dagegen nach der USDA-Prognose im kommenden Jahr die Milchproduktion in Südamerika zunehmen: Die größere Milchkuherde soll in Argentinien einen Rohstoffzuwachs von 3,5 % auf 12,2 Mio t bewirken; für Brasilien wird mit einem Anstieg des Aufkommens um 2,8 % auf fast 32,4 Mio t gerechnet.

China wird größter Magermilchpulverimporteur

Trotz des erwartet schwächeren Wachstums der globalen Milcherzeugung wird der weltweite Handel mit Milchprodukten nach Einschätzung des USDA weiter zunehmen, wenn auch ebenfalls nicht mehr so dynamisch wie in den vergangenen Jahren. Eine Schlüsselrolle für die zukünftige Entwicklung des Weltmarktes sehen die US-Analysten im Nachfrageverhalten Chinas. Im laufenden Jahr sind von der Volksrepublik erheblich größere Mengen an Magermilchpulver gekauft worden: Bis Ende 2012 soll sich die Importmenge auf 195 000 t summieren; das wären 50 % mehr als 2011. Im kommenden Jahr dürfte der Bedarf weiter wachsen. Die Einfuhren könnten nach der Vorhersage des USDA noch einmal um 18 % auf 230 000 t zunehmen, womit China zum weltweit größten Importeur dieses Milcherzeugnisses würde. Nur knapp dahinter werden 2013 nach den Washingtoner Prognosen Mexiko mit 225 000 t und Indonesien mit 215 000 t rangieren. Insgesamt soll sich die Magermilchpulvernachfrage der wichtigsten Einfuhrländer gegenüber 2012 um 31 000 t auf 1,06 Mio t erhöhen. Profitieren dürften davon insbesondere die Exporteure in Ozeanien. Die australischen Magermilchpulverausfuhren sieht das US-Agrarressort 2013 um fast 19 % auf 189 000 t steigen, die Neuseelands um 2,6 % auf 390 000 t. Die beiden größten Exportanbieter dieses Milchproduktes, die EU und die USA, sollen dagegen aufgrund einer geringeren Produktion weniger Ware im Ausland absetzen können. Für die Gemeinschaft prognostizieren die Washingtoner Experten hier ein Ausfuhrminus von 5 % auf 555 000 t; die Lieferungen der USA sollen um 2,8 % auf 452 000 t zurückgehen.

Asiens Hunger nach Vollmilchpulver wächst

Ein ähnliches Szenario wie am Markt für Magermilchpulver erwarten die Analysten des USDA im nächsten Jahr auch bei Vollmilchpulver. Die Nachfrage der wichtigsten Importeure soll hier gegenüber 2012 um 8,7 % auf den Rekordwert von 815 000 t zunehmen. Dem US-Ministerium zufolge wird es wiederum China sein, das den globalen Bedarf nach oben treibt. Nachdem sich für die Volksrepublik im laufenden Jahr ein Anstieg der Vollmilchpulverbezüge aus anderen Ländern um 14,1 % auf 365 000 t abzeichnet, rechnet das Washingtoner Agrarressort für 2013 mit einer Zunahme um weitere 45 000 t oder 12,3 % auf 410 000 t. Der höhere Bedarf resultiert laut US-Bericht vor allem aus der wachsenden Mittelschicht in China, die zunehmend qualitativ hochwertigere Milchprodukte einkaufe. Auch in anderen asiatischen Ländern wie Indonesien oder die Philippinen erwarten die Milchfachleute des USDA im kommenden Jahr eine höhere Vollmilchpulvernachfrage. Das gilt ebenso für Algerien, den weltweit zweitwichtigsten Importeur dieses Milchproduktes. Dort sollen die Einfuhren 2013 um 5,7 % auf 185 000 t steigen. Davon könnte insbesondere die EU profitieren, denn das nordafrikanische Land ist traditionell einer ihrer wichtigsten Kunden.

EU-Vollmilchpulverexporte rückläufig

Die Vollmilchpulverexporteure in der Gemeinschaft taten sich aber schon 2012 wegen preislicher Wettbewerbsnachteile schwer und dürften nach der aktuellen Schätzung des USDA mit 385 000 t insgesamt etwas weniger Ware in Drittstaaten verkauft haben als im Vorjahr. Für 2013 erwarten die Washingtoner Fachleute einen erneut leichten Exportrückgang, und zwar um 1,3 % auf 380 000 t. Sehr viel stärker dürfte dagegen Neuseeland vom internationalen Nachfrageboom profitieren. Für den mit Abstand führenden Exporteur von Vollmilchpulver prognostiziert das US-Agrarministerium mit Blick auf 2013 ein Ausfuhrplus von 5,7 % auf die neue Spitzenmarke von fast 1,3 Mio t, wovon annähernd ein Drittel allein nach China verschifft werden dürfte. Für Australien wird ein Zuwachs der Vollmilchpulverexporte um 3,6 % auf 114 000 t vorausgesagt. Argentiniens Exportlieferungen sollen um 3,5 % auf 239 000 t steigen.

Reger Käseexport in diesem Jahr

Am globalen Käsemarkt hat nach den Angaben der USDA-Milchexperten das Exportgeschäft im laufenden Jahr ordentlich an Fahrt aufgenommen. Die aggregierte Ausfuhr der führenden Anbieter wird gegenüber 2011 voraussichtlich um fast 10 % auf 1,5 Mio t zulegen. Maßgeblich daran beteiligt ist die EU mit einer geschätzten Steigerung ihrer Käseexporte um 10,5 % auf 755 000 t. Relativ noch stärker dürften nur die Ausfuhren der USA zulegen, nämlich um 16,5 % auf 261 000 t. Im Jahr 2013 muss nach Einschätzung des Washingtoner Agrarressorts jedoch mit deutlich niedrigeren Wachstumsraten im internationalen Käsehandel gerechnet werden. Die Exporte der führenden Anbieter sollen „nur“ noch um 2,5 % auf 1,54 Mio zunehmen. Für die EU-27 wird aufgrund der voraussichtlich höheren Erzeugung dabei ein Ausfuhrplus von 2,0 % auf 770 000 t vorausgesagt. In den Vereinigten Staaten selbst dürfte hingegen das geringere Rohmilchaufkommen die Käseerzeugung sinken und die Exporte um 2,7 % auf 254 000 t abnehmen lassen. Dem entgegengesetzt soll die Entwicklung in Australien verlaufen, wo die Herstellung von Käse 2012 um 14 % ausgedehnt wurde; 2013 soll die Käseerzeugung dort um 1,3 % auf das Rekordniveau von 390 000 t steigen. Damit dürfte auch mehr Ware für Auslandskunden verfügbar sein; der Käseexport Australiens soll im nächsten Jahr um 18,2 % auf 195 000 t zunehmen. Für Neuseeland prognostizieren die Marktexperten aus Washington einen Anstieg der Käseausfuhren um 3,6 % auf 285 000 t. Der größte Importeur von Käse wird auch 2013 Russland heißen; dessen Einfuhren werden auf 355 000 t veranschlagt, was im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme um 1,4 % bedeuten würde. Einen größeren Bedarf wird dem USDA zufolge auch Japan haben, das seine Bezüge um 2,2 % auf 235 000 t steigern soll.

Ozeanien mit Preisvorteilen

Bezüglich der Preisentwicklung am globalen Milchmarkt erwartet das US-Landwirtschaftsministerium im ersten Halbjahr 2013 einen relativ stabilen Verlauf. Der Weltmarkt sei in der Lage, die Rekordproduktion aus Ozeanien aufzunehmen, heißt es in dem Bericht des USDA. Zudem seien gegenwärtig keine größeren Bestände an Milchprodukten in der Europäischen Union und in den USA vorhanden, welche die Märkte belasten dürften. In der zweiten Jahreshälfte 2013 könnten die Preise deshalb durchaus fester tendieren, wenn das Bevölkerungswachstum und die weltwirtschaftliche Entwicklung die Importnachfrage steigen ließen. Gegenwärtig liegen laut USDA die Exportpreise für Magermilchpulver der drei Wettbewerber USA, EU und Neuseeland recht eng beieinander. Bei Vollmilchpulver seien die neuseeländischen Anbieter jedoch deutlich günstiger als die Produzenten in der Gemeinschaft. Ähnliches gelte für den Buttermarkt. Das Milchfett werde von den ozeanischen Herstellern spürbar günstiger offeriert als von der EU oder den USA. Dies deute, wie bei Vollmilchpulver, auf gewisse Marktüberhänge bei diesem Produkt in Ozeanien hin.

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