4.06.2015 06:42
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Agrarchemie
Wer das Syngenta-Saatgutsegment kaufen könnte
Die mögliche Übernahme des Agrochemiekonzerns Syngenta durch Monsanto lässt in der Saatgutbranche die Begehrlichkeiten ins Kraut schiessen. Denn im Falle einer Akquisition müsste der US-Konzern für die Zustimmung der Kartellbehörden wohl die Saatgutsparte von Syngenta verkaufen.

Als wahrscheinlichster Interessent dafür gilt bei vielen Analysten der Chemiekonzern BASF. Bayer wird ebenfalls als heisser Kandidat gesehen und auch KWS Saat hat Interesse an Teilen des Geschäfts signalisiert.

Bayer hat kein starkes Saatgutgeschäft

Noch zeigt jedoch Syngenta dem US-Genpflanzen-Hersteller, der durch die Übernahme zum weltgrössten Pflanzenschutz-Produzenten werden würde, die kalte Schulter und hat das 45-Milliarden-Dollar-Angebot als zu niedrig zurückgewiesen. Doch mögliche Käufer stehen bereit.

«Bayer hat kein starkes Saatgutgeschäft und BASF gar keines. Die beiden Unternehmen müssten sehr interessiert sein, bei so einer Gelegenheit dieses Saatgutgeschäft zu kaufen», sagt Analyst Christian Faitz von Kepler Cheuvreux. Er tippt eher auf BASF, da es zwischen den Geschäften von Bayer und Syngenta einige Überlappungen gebe, etwa bei Obst- und Gemüsesaatgut.

Zudem sei Bayer noch mit der Integration der jüngsten Zukäufe - der Konzern hatte 2014 unter anderem das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten vom US-Pharmakonzern Merck & Co für gut 10 Mrd. Euro übernommen - beschäftigt.

Jeder will ein Stück des Kuchens haben

«BASF hat die Kriegskasse dafür, das würde für alle Beteiligten gut passen und es gibt keine kartellrechtlichen Bedenken», urteilt Faitz. Das BASF-Angebot an Pestiziden könnte durch Saatgut sinnvoll ergänzt werden. «So eine Gelegenheit kann man sich nicht entgehen lassen.»

Dow Chemical und Dupont kommen für ihn eher nicht infrage, da die beiden US-Chemiekonzerne derzeit mit Investoren hadern, die die Abspaltung von Geschäften fordern. Auch Analyst Martin Schreiber von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sieht BASF als wahrscheinlichsten Kandidaten. «BASF könnte das locker stemmen und es würde strategisch Sinn machen.»

Er hält aber auch einen Zusammenschluss von Syngenta mit Dupont als Plan B der Schweizer für möglich und schliesst einen Bieterkampf nicht aus. «Beim Saatgutgeschäft will jeder Marktanteile kaufen.»

Monsanto beim Pflanzenschutz unter Druck

Monsanto, vor allem für seine gentechnisch veränderten Maissorten bekannt, kontrolliert nach Schätzungen von Experten gut ein Viertel des 40 Milliarden Dollar schweren weltweiten Saatgutmarktes, gefolgt von der Dupont-Tochter Pioneer mit 21 Prozent. Syngenta kommt mit seinem Saatgutgeschäft, dessen Wert auf sechs bis acht Milliarden Dollar geschätzt wird, auf einen Marktanteil von acht Prozent.

Beim Pflanzenschutz sind jedoch die Schweizer Marktführer, und genau in diesem Geschäft - Mittel gegen Insektenbefall, Unkräuter und Pilze - ist Monsanto unter Druck. Der US-Konzern ist hier stark abhängig von seiner glyphosathaltigen Produktserie «Roundup», gegen die in den USA manche Unkräuter aber bereits Resistenzen gebildet haben. «Die Resistenzbildung zwingt Monsanto, eine neue Produktpalette aufzubauen», sagt Analyst Schreiber.

Bayer rechnet mit Konsolidierung in der Pflanzenschutz- und Saatgutbranche

Insider hatten BASF und Bayer neben Dow Chemical bereits als etwaige Interessenten gehandelt, sollte Monsanto mit seiner Offerte Erfolg haben und Geschäftssparten veräussern müssen. China National Chemical Corp (ChemChina) hat dagegen abgewinkt. BASF und Bayer wollten sich offiziell dazu nicht äussern.

Bayer rechnet unabhängig vom Ausgang der Übernahmeavancen von Monsanto mit einer Konsolidierung in der Pflanzenschutz- und Saatgutbranche: «Wann, in welcher Form und mit welchen Partnern die Konsolidierung voranschreitet, bleibt abzuwarten», hatte der Chef des Bayer-Agrarchemiegeschäfts, Liam Condon, in einer E-Mail gegenüber Reuters erklärt.

«Die führenden Marktpositionen von Monsanto und Syngenta in ihren jeweiligen Geschäften - vor allem in den Kulturen Soja und Mais in den USA - dürften einen Zusammenschluss nicht leichtmachen. Beide müssten hier womöglich zu grosse Zugeständnisse eingehen.»

Syngenta-Aktie im Plus

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg über Gespräche zwischen Syngenta und Monsanto hat die Aktien des Schweizer Agrochemiekonzerns am Mittwoch angeschoben. Die Syngenta-Titel notierten kurz nach Handelsbeginn um bis zu 2,3 Prozent höher als am Vortag. Im Laufe des Tages gab der Kurs jedoch nach. Kurz vor 16 Uhr betrug das Plus nur noch 0,8 Prozent.

Bloomberg berichtete unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, der Basler Konzern würde Verhandlungen erwägen, falls Monsanto sein Angebot genügend erhöhe und für den Fall eines Scheiterns zur Zahlung einer Kompensation in Milliardenhöhe bereit wäre.

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