2.05.2018 16:25
Quelle: schweizerbauer.ch - kwy
Getreide
«Wir suchen neue Produzenten»
Den Fokus auf 100% Schweiz zu legen, zahlte sich für die IP-Suisse für die Getreideernte 2017 am Markt aus. Im Interview spricht Fritz Rothen, Geschäftsführer von IP-Suisse, wirft einen Blick zurück und spricht über Chancen und Anbau.

Gemäss einer Medienmitteilung der IP-Suisse konnte die Produzentenorganisation bis zu Fr.2.50/100kg mehr als die übrigen Marktpartner bezahlen. Zusätzlich zum höheren Getreidepreis bekamen die Produzenten eine IP-Suisse-Prämie. Somit konnte in der höchsten Weizenklasse Top ein durchschnittlicher Produzentenerlös von Fr.55.95/100kg erzielt werden. Für Weizen der Klasse 1 wurde durchschnittlich ein Produzentenerlös von Fr.53.60/100 kg erzielt. 

Diese Erlöse setzen sich zusammen aus den Akontozahlungen und aus den Schlusszahlungen der Sammelstelle sowie aus der von der IP-Suisse bezahlten Labelprämie. Nicht berücksichtigt in der Prämie ist der Bonus für die von der IP-Suisse besonders geförderten Sorten und Mischungen. Nebst den durchschnittlichen Produzenterlösen für die verschiedenen Weizenklassen wurden auch  jene für Roggen und Raps aufgeführt. 2017 betrug der durchschnittliche Erlös beim Roggen inkl. Prämie Fr. 48.50/100 kg. Beim Raps  (ohne Holl-Raps) konnten Fr.87.–/100 kg  erzielt werden.

Die Zusammenarbeit mit Schweizer Mühlen und Bäckern ist wichtiger denn je, schreibt IP-Suisse. Das gemeinsame Handeln für eine nachhaltige Produktion führe zu einem Erfolg für alle Beteiligten. Auch aus der Sicht der Landwirtschaft war die Saison 2017 genau das, was die gesamte Branche brauchte. Ein gutes Jahr, in der Quantität wie auch in der Qualität, schreibt die Organisation nicht ohne Stolz. 

Die erreichten Verkaufspreise sind zwar etwas niedriger als im Vorjahr. Dies liegt gemäss IP-Suisse jedoch an den hohen strategischen Lagerbeständen. Diese machen fast Fr. 2.–/100 kg für die gesamte Produktion aus. Diese Lager seien jedoch unvermeidbar, um 100% Schweiz auch in weniger guten Jahren garantieren zu können, macht die bäuerliche Organisation deutlich.

Getreideproduzenten gesucht
Interessierte Bauern können sich auf IP-Suisse-Geschäftsstelle telefonisch 031 910 60 00 oder via Mail getreide@ipsuisse.ch melden


«Es könnte viel mehr IP-Suisse-Getreide angebaut werden»

«Schweizer Bauer»: Wie erreichte die IP-Suisse höhere Preise als die Marktpartner?

Fritz Rothen: Das schreibe ich unserem Bietsystem zu. Die vorhandenen Mengen werden ausgeschrieben, und lizenzierte Müller können darauf bieten. Anschliessend werden die Preise an einer Telefonkonferenz besprochen. Die Müller machen den Preis quasi selber. Zudem hatten wir 2017 gute Ware.

Wie sehen die Lagerbestände im Hinblick auf 2018 aus ?
Wir erreichten unser Ziel, ein namhaftes Lager mit qualitativ hochwertigem Getreide zu erstellen. Somit könnte auch ein grösserer Ausfall oder ausgewachsenes Getreide kompensiert werden. Glücklicherweise hatte es 2017 genug und qualitativ hochstehendes Getreide. Wir möchten die Verarbeiter auch in schwierigen Jahren mit 100% Schweizer Getreide beliefern.

IP-Suisse sucht weiterhin Getreideproduzenten. Wie hoch schätzen Sie das zusätzliche Potenzial ein?
In der Schweiz werden rund 430'000t Brotgetreide produziert, davon sind 140'000t IP-Suisse-Getreide (inkl. Dinkel, Roggen, etc.). Es könnte also noch viel mehr IP-Suisse-Getreide angebaut und verkauft werden.

Wie ist das Vorgehen bei neuen Produzenten? Gibt es Vorschriften bezüglich Sorten?
Bei der IP-Suisse gibt kaum Vorschriften zu den Sorten. Es wird jedoch Schweizer Z-Saatgut vorgeschrieben. Grundsätzlich ist der Produzent jedoch frei in der Wahl der Sorte für den Anbau. Denn nur der Betriebsleiter weiss, welche Sorten auf seinen Feldern gute Erträge und Qualität liefern. Bei einem neuen Produzenten fragen wir deshalb immer nach, welche Sorten er bisher angebaut hat. Je nach Situation geben wir eine Empfehlung ab. Die IP-Suisse versucht jedoch mit unterschiedlichen Prämien einen Anreiz für den Anbau verschiedener Qualitäten/Sorten zu schaffen. Bedarf und Sortenwahl werden jeweils mit den Sammelstellen und den Müllern abgesprochen. Aktuell beträgt der Bedarf bei der Weizenqualität rund 40% Top, 40%  Klasse I und 20% Klasse II. Für ein Gipfeli wird beispielsweise eine andere Mehlqualität benötigt als für Ruchbrot. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE