30.10.2019 17:14
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Zeigt Kampagne realistisches Bild?
Seit Anfang Oktober wird mit einer neuen Kampagne für Schweizer Fleisch geworben. Diese soll den Unterschied zwischen importiertem und Schweizer Fleisch aufzeigen. Die Videos werden aber auch kritisiert. Wie gefallen Ihnen die Plakate und TV-Spots? Und zeigen diese ein realistisches Bild? Abstimmen und mitdiskutieren

Seit rund einem Monat flimmern die TV-Spots von «Schweizer Fleisch» über die Mattscheibe. Auch mittels Plakate und auf den sozialen Medien wird die neue Kampagne verbreitet.

Transparenz schaffen

Hauptdarsteller sind vor allem Bauernfamilien, aber auch Fleischverarbeiter und Gastronomen. In den rund 75 bis 90 Sekunden dauernden Video gibt es persönliche Einblicke in die Betriebe. Sie zeigen auf, wie Produzenten ihrer Arbeit nachgehen. Die stimmungsvollen Aufnahmen zeigen die Landwirtschaft authentischer als in früheren Kampagnen. In den Videos werden auch Liebes- und Familiengeschichten erzählt.

Damit will die Branchenorganisation Proviande Transparenz schaffen und das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten nachhaltig steigern. «Die Betreibe stehen stellvertretend für die ganze Branche und sie beweisen, dass es eine Reihe feiner und konkreter Unterschiede gibt zwischen einheimischer und ausländischer Fleischproduktion. Vor allem auch in Bezug auf die Tierhaltung, die nachweislich eines der wichtigsten Kaufkriterien ist», schreibt Proviande zur neuen Kampagne.

Protagonisten erklären Unterschied

«In eigenen Worten erklären die Protagonisten, wie sie selbst mit ihrer Arbeitsauffassung zum feinen Unterschied beitragen», beschreibt Erich Schlumpf, Leiter Produkte-PR bei Proviande, das Grundmotiv der Kampagne gegenüber «Schweizer Bauer». Mit der Kampagne sollen Fleischkonsumenten im Alter von 20 bis 65 Jahren angesprochen werden.

Teil der Kampagne ist die Familie Gschwind aus Ettingen BL. Seit 20 Jahren bewirtschaften sie den Chrisgartehof ausserhalb des Dorfes. Der Familienbetrieb bewirtschaftet Obstbäume und einen Rebberg und kultiviert Mais und Kartoffeln. Auf dem Hof leben zudem Legehennen, Schweine, 40 Mutterkühe mit Kälbern, 40 Mastrinder und ein Muni.

Nur Futter vom Hof

«Wir machen sogenannte Weidemast», erklärt Werner Gschwind. «Wir füttern nur das, was wir auf dem Hof produzieren. Das ist vor allem Gras und Heu», sagt Werner Gschwind. Das Weidemanagement sei arbeitsintensiv. «Man muss zäunen und die Herden bewegen, damit sie immer genug zu fressen haben. Aber nur so macht Rinderhaltung für mich Sinn», so Gschwend.

Auch Susanne und Jean-Daniel Staub sind Protagonisten der neuen Kampagne. Sie bewirtschaften einen kleineren Familienbetrieb in Cuarnens. Seit drei Generationen leben auf dem Hof Masthühner.

Stall mit gutem Gewissen zeigen

Staub macht kein Geheimnis daraus, dass er ein konventioneller Geflügelproduzent ist. Seine Herden sind gross. «Es ist mir wichtig, meinen Stall jederzeit mit gutem Gewissen zeigen zu können», sagt Staub. Es mache schon einen Unterschied, wenn ein Familienbetrieb zu den Tieren schaue. «Man ist als Landwirt verantwortlich für das Wohl der Tiere», macht er klar. 

«Beim Blick in den Stall sind die Besucher oft positiv überrascht. Viele haben ganz andere Vorstellungen davon, wie Hühner heute gehalten werden», erzählt der Landwirt. «Darum ist es wichtig, den Leuten zu erklären, was wir hier machen.»

Tierwohl im Vordergrund

Auch Teil der Kampagne ist die Familie Kneubühler aus Ufhusen LU. Die Fleischproduktion ist das Kerngeschäft der Kneubühlers. «Gerade weil wir so eng mit Tieren arbeiten, ist es von Vorteil, ein kleiner Betrieb zu sein», erklärt Urs Kneubühler.

So behalte man den Überblick. «Wir merken sofort, wenn es unseren Tieren nicht gut geht. Wichtig ist, dass man die Schweine so behandelt wie wir selbst auch behandelt werden möchten», sagt Irmgard Kneubühler. Bei der täglichen Arbeit steht das Wohl der Schweine im Vordergrund. «Am Schwänzchen kann man gut erkennen, wie es den Tieren geht. Es ist die Wohlfühlantenne», sagt Urs Kneubühler. «Ist das Schwänzchen geringelt, ist das Tier entspannt», fährt er fort.

Kritik vom Tierschutz

Die neue Kampagne wird aber auch kritisiert. Der Schweizer Tierschutz (STS) attestiert zwar der neuen Kampagne, dass sie ein realistisches Bild zeigt. «Allerdings gilt das nur für einen Teil der landwirtschaftlichen Tierhaltung», sagte Cesare Sciarra, Leiter Kompetenzzentrum Nutztiere STS, Mitte Oktober gegenüber dem Onlineportal «Nau».

Sciarra kritisiert auch, dass die Schweinehaltung im Video (Streu und Auslauf) nur auf Label-Tierhaltung zutreffe. «Über 40 Prozent der Schweine haben weder Auslauf ins Freie noch eingestreute Liegeflächen», sagte er weiter. Dasselbe gelte für den Rinderspot. Lob erhält die Proviande für den Mastpoulet-Spot.

Neuer Spot angekündigt

«Die Proviande-Werbung nutzt seit Jahren Bilder der besten Schweizer Betriebe. Das ist aus unserer Sicht nicht in Ordnung», kritisierte der Sciarra.

«Wir nutzen die Bilder, die mehrheitlich in der Schweizer Tierhaltung vorkommen», sagte Marcel Portmann, Leiter Marketing zu «Nau». Die Branchenorganisation sei sich bewusst, dass es unterschiedliche Haltungsforme gebe. «Um dem Anteil Rindern gerecht zu werden, welche nicht auf Grasland gehalten werden, werden im Januar ein Video zu dieser Haltungsform veröffentlichen», so Portmann.

Was halten Sie von den Videos? Gefallen Sie Ihnen? Wird Nutztierhaltung realistischer dargestellt? Oder können Sie mit den Videos nichts anfangen? Abstimmen und mitdiskutieren

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