8.04.2013 17:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Biolandbau
Zu viele Importe – Ritters Forderung an Bio Suisse
Bioprodukte sind gefragt. Um die Nachfrage befriedigen zu können, werden immer wie Artikel importiert. Dies stösst Biobauern und Bauernverbandspräsident Markus Ritter sauer auf. Ritter fordert deshalb strengere Auflagen.

Bioprodukte sind ein Wachstumsmarkt. Betrug der Umsatz im Schweizer Biomarkt im Jahr 2007 noch knapp 1,3 Mrd. Fr., stieg dieser Wert 2011 auf 1,74 Mrd. Fr. Und im vergangenen Jahr dürfte die 2 Mrd.Franken-Schallmauer nur knapp verfehlt worden sein. Von diesem Kuchen wollen sich auch die Discounter ein Stück abschneiden. Doch Bio Suisse, auch auf Druck von Hauptabnehmer Coop, erteilten Aldi und Lidl bisher Absagen, damit diese ihr Sortiment mit Knospe-Artikeln erweitern können.

«Unsere Distributionspolitik ist klar festgehalten. Markenprodukte, die mit der Knospe ausgezeichnet sind, und Bioprodukte ohne Verwendung unseres Labels dürfen in allen Kanälen angeboten werden. Wir sehen aktuell keine Veranlassung, daran etwas zu ändern», beantwortet Sabine Lubow, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit von Bio Suisse, eine Anfrage des «Schweizer Bauer» im vergangenen Januar. Um die Nachfrage decken zu können, werden immer mehr Bioartikel, Nahrungs- wie Futtermittel, teilweise um die ganze Welt geschifft, um in die Schweiz zu gelangen. Diese Praxis der bäuerlichen Organisation stösst auf starke Kritik.

Ritter: Importe müssen Schweizer Normen erfüllen

Nun ziehen über Bio Suisse erneut schwarze Wolken auf. In der jüngsten Ausgabe von „NZZ am Sonntag“ fordert Bauernverbandspräsident Markus Ritter, der selbst einen Biobetrieb führt, strengere Auflage für Importe von Bioprodukten. „Die Auszeichnung von ausländischen Bioprodukten mit der Knospe ist nur vertretbar, wenn die Produkte aus dem Ausland auch wirklich die Schweizer Normen vollumfänglich erfüllen“, macht Ritter deutlich.

Das sei aber heute nicht der Fall, sagt Ritter. Er erinnert auch an die jüngsten Lebensmittelskandale. Diese seien auf die „laschen Vorschriften und Kontrollen“ in den EU-Staaten zurückzuführen. Die Konsumenten müssten sich darauf verlassen können, dass die Lebensmittel in „sämtlichen Punkten“ klar deklariert würden. Dem Konsumenten müsse „verständlich“ aufgezeigt werden, wo die Unterschiede lägen.

Zurzeit sei es so, dass beim Import von Lebensmittel das Äquivalenzprinzip gälte. Die jeweiligen Vorschriften des Herkunftslandes werden als gleichwertig anerkannt. Doch diese Vereinbarung ist nur einseitig. Deutschland hält sich nicht an die strengeren Schweizer Regeln. Und die Bauern würden so viel Glaubwürdigkeit beim Konsumenten verlieren.

Bio-Soja aus China

Biobauer Markus Lanfranchi aus dem bündnerischen Misox kritisiert die Importe von Bio Suisse seit längerer Zeit. Er ist deshalb aus dem Verband ausgeschieden, und verzichtet somit auf die Verwendung des Knospe-Logos. Denn die ursprüngliche Idee des Biolandbaus habe sich massiv verwässert. Er ärgert sich über die „ausgeprägte“ Wachstumspolitik und der damit unweigerlich verbundenen Ausbau von zertifizierten Bioprodukten aus dem Ausland.

Er bezweifelt, dass die Kontrollen den Schweizer Standards entsprächen. Er bringt den Skandal um den Betrugsfall zum umdeklarierten „Bio-Mais“ aus dem Jahre 2011 ins Spiel. Mit diesem Mais wurde das hiesige Bio-Geflügel gefüttert. Der Lieferant wurde von Bio Suisse in der Folge gesperrt. Von Importeuren von Bio-Futtermittel höre man aber, dass zum Unternehmen bestünden, sagt Lanfranchi.

Auch Armin Capaul, bekannt mit seiner Forderung nach einem „Hörner-Franken“ ärgert sich über die Importpolitik von Bio Suisse. Es sei ein ökologischer „Schwachsinn“, Futtermittel aus China (Bio-Soja) in die Schweiz einzuführen. Es müsse schlussendlich einfach Bio auf der Packung stehen. Auch er hat sich von Bio Suisse zurückgezogen. Und man habe ihm nicht sagen können, wie hoch die Importe ausfielen. «Vielleicht müssten sie sich schämen, wenn diese Zahl bekannt würde», sagt Capaul gegenüber „NZZ am Sonntag“.

Bio Suisse räumt Unterschiede ein

Bio Suisse gibt zu, dass es „wichtige“ Unterschiede zwischen inländischen und ausländischen Bioprodukten gäbe. So müssten Bauern in der Schweiz den ganzen Betrieb biologisch führen, im Ausland könne auch nur einige Betriebszweige biologisch betrieben werden. Im Bezug auf den Import von Futtermitteln bestreitet Bio Suisse eine Zusammenarbeit mit dem von Lanfranchi erwähnten Unternehmen. Die Risikobeurteilung von Lieferanten wurde verfeinert, strengere Kontrollen behalte man sich vor.

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