7.04.2017 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Ölsaaten
Zweifel stellt auf Rapsöl um
Nach der schlechten Getreideernte 2016 gibt es für die Maxi-Sammelstellen zumindest zwei positive Nachrichten: Die Auszahlungspreise liegen leicht über Vorjahr, und der Holl-Rapsanbau kann deutlich ausgebaut werden

Die Sonnenblume auf den Zweifel-Chipspackungen muss per Anfang November 2017 einer Rapsblüte weichen. Dann stellt nämlich die Zweifel Pomy-Chips AG ihre gesamte Schweizer Chipsproduktion auf Schweizer Holl-Rapsöl um. Diese Meldung verkündete Pius Eberhard, langjähriger Leiter Getreide, Ölsaaten, Futtermittel (GOF) bei Fenaco und Mitinitiator des Holl-Rapsanbaus in der Schweiz (2004), voller Freude am Donnerstag an der Maxi-Sammelstellentagung in Kirchberg BE.  

Zusätzliche 8000 t Holl-Raps

Nachdem der Holl-Rapsanbau in den letzten beiden Jahren nach Überschüssen aus der Ernte 2014 zurückgefahren werden musste, kann die Anbaumenge per Ernte 2018 auf 28'000 Tonnen ausgedehnt werden. Zweifel generiert einen Mehrabsatz von 8'000 Tonnen Holl-Rapssaat. «Wir zählen auf Sie, dass Sie mit den Produzenten die nötigen Anbauverträge abschliessen», appellierte Eberhard an die anwesenden Getreidesammelstellenleiter aus der ganzen Schweiz.

Den Schweizer Sonnenblumenanbau konkurrenziere der Ölwechsel von Zweifel nicht, betonte Eberhard, der die GOF-Leitung nach 17 Jahren per 1.April an Hansjörg Reiss übergeben hat. Nur ein Viertel des Sonnenblumenöls, das Zweifel verwendet, stammt aus der Schweiz. Und da die Nachfrage nach Schweizer Sonnenblumen chronisch höher liegt als das Angebot, sollte dieser Wegfall kein Problem darstellen.

100 Prozent Schweiz

Pietro Realini, Produktions- und Logistik-Chef von Zweifel, kündigte an der Tagung bereits an: «Irgendwann möchten wir auch die Bio-Chips auf Holl-Raps umstellen.» Obwohl Zweifel bei einer genügenden Inlandkartoffelernte kein Problem mit der Swissness-Auslobung habe, wolle man nun mit dem Rapsöl den Konsumenten ein 100-prozentiges Schweizer Produkt anbieten können.

Leicht bessere Preise

Die Sammelstellen (CC) und damit auch die Produzenten können sich dank höheren Pflanzenölpreisen auch über leicht bessere Abrechnungspreise der Fenaco für klassischen Raps der Ernte 2016 freuen (siehe Tabelle). Die Prämie für Holl-Raps ist allerdings von 10 Fr. auf 6 Fr./dt gesunken. Die Vermarktung der Ernte 2017 hat noch nicht begonnen. «Die Ölpreise liegen aber derzeit etwa auf Vorjahresniveau», zeigte Joseph von Rotz, Leiter Lebensmittel-Rohprodukte bei Fenaco GOF, auf.

Schwieriger ist die Situation beim Getreide. Grosse globale Lagerbestände drücken seit einem Jahr auf die internationalen Börsenkurse und damit auf die Preise für Importgetreide. Trotzdem liegen die Auszahlungspreise der Fenaco an ihre CC bei den meisten Getreidearten für Standardqualitäten leicht höher als im Vorjahr. Diese positive Tatsache vermag aber leider die Verluste, die den Landwirten und Sammelstellen durch die kleine Ernte 2016 mit tiefen Hektolitergewichten entstanden sind, nicht auszugleichen. Auch die Zuschläge für die meist guten Proteingehalte sind nur ein schwacher Trost.

Konzentration bei Bio-CC

Rolf Häusler, Präsident des Getreidesammelstellenverbandes, würdigte die Vermarktungsanstrengungen der Fenaco. Er forderte aber auch bessere Gerstenpreise, um die Produzenten weiterhin für den Anbau motivieren zu können, und er appellierte ans Bundesamt für Landwirtschaft, den Zoll anzuheben. «Denn aktuell wird Gerste aus Süddeutschland unter dem Schwellenpreis eingeführt.»

Weiterhin ein Wachstumsmarkt ist der Bio-Getreidemarkt. Hier will die Fenaco, nachdem sie mit vielen Annahmestellen Fuss im Markt gefasst hat, effizienter werden und Mengen zusammenlegen. 

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