Dienstag, 9. August 2022
29.06.2022 08:31
Weltmarkt

Globale Apfel- und Birnenproduktion auf Rekordniveau

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Von: AgE

Weltweite Vermarktungsmenge an Äpfeln wird  laut dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium mit 81,6 Millionen Tonnen so hoch sein wie nie.

 Am globalen Markt für Äpfel und Birnen ist der Produktionsgigant China das Mass aller Dinge und beeinflusst das Ergebnis der weltweiten Erzeugung erheblich. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) geht in einer aktualisierten Marktprognose für die auslaufende Vermarktungssaison 2021/22 davon aus, dass die Apfelproduktion in der Volksrepublik gegenüber dem Vorjahr um fast 1 Millionen Tonnen oder gut 2 % auf eine neue Rekordmenge von 45,0 Millionen Tonnen gestiegen ist.

Neue Anpflanzungen in China

Dies sei auch der wesentliche Grund dafür, dass die globale Vermarktungsmenge voraussichtlich um 965 000  Tonnen oder 1,2 % auf den neuen historischen Höchstwert von 81,6 Millionen Tonnen zugenommen habe, so die Experten aus Washington. Die höhere Erzeugung in China war vor allem auf die Inbetriebnahme neuer Anpflanzungen zurückzuführen. Allerdings haben regional ungünstige Witterungsbedingungen auch zu einem höheren Anteil qualitativ schlechterer Früchte geführt.

Weiter ungebrochen ist die Lust der chinesischen Verbraucher auf Äpfel. Die Nachfrage hat in der vergangenen Dekade stärker zugenommen als die Eigenerzeugung. In der laufenden Saison dürfte der heimische Verbrauch frischer Äpfel gegenüber 2020/21 um 2,3 % auf ein Rekordniveau von gut Millionen Tonnen gestiegen sein. Dennoch bleiben noch genügend Früchte übrig, um sich zusammen mit der Europäischen Union an der Spitze des weltweit wichtigsten Exporteurs abzuwechseln. Laut USDA-Prognose hat 2021/22 die Volksrepublik mit 1,03 Millionen Tonnen ausgeführter Äpfel knapp das Ergebnis der EU mit 1,07 Millio.nen Tonnen verfehlt.

Die Corona-Probleme und Schliessungen von Häfen in China haben zu einem Ausfuhrrückgang von etwa 72 000  Tonnen oder 6,5 % im Vorjahresvergleich geführt. Der bisherige Exportrekord der Volksrepublik datiert aus dem Jahr 2016/17 mit fast 1,4 Millionen Tonnen

Die EU ist zweitgrösster Apfelproduzent. Auch hier soll es ein Produktionszuwachs von 2 Prozent geben. 
Franziska Oertli

Mehr Verarbeitungsware in der EU

Für die EU, weltweit zweitgrösster Apfelproduzent, geht das USDA für 2021/22 im Vergleich zur Vorsaison von einem moderaten Anstieg der Erzeugung um 1,3 % auf 11,88 Millionen Tonnen aus; das wäre ein gut durchschnittliches Ergebnis. Dieses liegt im Bereich der Erwartungen der EU-Kommission, die im April in ihrer Frühjahrsprognose einen Produktionszuwachs von 2 % auf 12 Millionen Tonnen geschätzt hatte. Insbesondere in Italien und Frankreich sorgte Frost für Ernteeinbussen im zweistelligen Prozentbereich und schränkte die Vermarktungsmengen spürbar ein.

Dies konnte jedoch insbesondere durch das gute Pflückergebnis in Polen – aber auch in Spanien und Ungarn – mehr als ausgeglichen werden. Für Deutschland wurde von der Kommission ein Rückgang der Apfelerzeugung um 4,3 % auf 979 000 Tonnen gemeldet. Den Brüssler Analysten zufolge dürften im laufenden Vermarktungsjahr mit 6,05Millionen Tonnen gut 5 % weniger Äpfel für den Frischkonsum vermarktet worden sein, während der Verkauf von Verarbeitungsäpfeln um 12 % auf 5,30 Millionen Tonnen spürbar zugenommen haben soll. Hintergrund sind das Einfuhrembargo Weißrusslands, Abflauen der Verkäufe nach Ägypten sowie hohe Kosten und Logistikprobleme infolge der Corona-Pandemie.

Die EU-Kommission schätzt, dass die Drittlandsausfuhr von frischen Äpfeln gegenüber 2020/21 um 14 % auf 950 000 t sinken, der Apfelexport für die Verarbeitung dagegen um rund ein Drittel auf 1,35 Millionen Tonnen zunehmen wird. Beim USDA wird diese Unterscheidung nicht vorgenommen, es prognostiziert für die EU einen gesamten Ausfuhrrückgang von 1,3 % auf 1,07 Millionen Tonnen

Weniger Äpfel auf der Südhalbkugel

In den USA selbst soll die Vermarktungsmenge von Äpfeln gegenüber 2020/21 um 170 000 Tonnen oder 3,8 % auf 4,34 Millionen Tonnen abnehmen und damit auf den niedrigsten Stand seit 2012/13 fallen. In einigen Anbaugebieten hatten Fröste, in anderen Dürren das Ernteergebnis geschmälert. Das geringere Angebot wird laut USDA den Export um gut 8 % auf 715 000 Tonnen sinken lassen, so wenig wie seit 2007/08 nicht mehr.

Auf der Südhalbkugel werden laut der Weltvereinigung für Äpfel und Birnen (WAPA) im Kalenderjahr 2022 in den sechs wichtigsten Produzentenländern voraussichtlich 4,86 Millionen Tonnen Äpfel geerntet; das wären 7 % weniger als im Vorjahr und 3 % weniger als im Mittel der Jahre 2019 bis 2021. Verantwortlich dafür ist vor allem der prognostizierte Einbruch von 30 % auf nur noch 900 000 Tonnen in Brasilien. Zudem werden in Chile Argentinien, Australien zwischen 2 % und 11 % weniger Äpfel als 2021 erwartet, wobei Chile mit 1,46 Millionen Tonnen grösster Erzeuger im Süden bleibt. Für Neuseeland wird hingegen ein Anstieg des Aufkommens um 15 % auf 590 000 Tonnen und in Südafrika ein Plus von 4 % auf 1,16 Millionen Tonnen vorhergesagt. Das Land am Kap hat in den vergangenen Jahren seine Produktion durch Neuanpflanzungen sowie verbesserte Wasserversorgung stetig gesteigert. Der Apfelexport soll laut USDA 2021/22 die neue Rekordmarke von 625 000 t erreichen und damit ein Drittel grösser als noch vor drei Jahren ausfallen.

In China wird bei den Birnen ein starker Inlandverbrauch erwartet. 
Fructus

Birnenrekord in China

Die weltweite Erzeugung von Birnen wird laut Schätzung des USDA 2021/22 gegenüber dem Vorjahr um 914 000 t oder 4,0 % auf 23,54 Millionen Tonnen zunehmen und damit ein historisch gutes Ergebnis erzielen. Massgeblich dafür ist erneut China, wo nach einer witterungsbedingt schwachen Vorsaison eine Zunahme der Vermarktungsmenge um 1,50 Millionen Tonnen oder 9,1 % auf 18,0 Millionen Tonnen prognostiziert wird. Weniger deutlich sollen hingegen die Exporte wegen der Corona-Probleme zunehmen, nämlich nur um rund 20 000 Tonnen auf 500 000 Tonnen. Dafür wird ein starker Zuwachs beim Inlandsverbrauch um 9,2 % auf 17,5 Millionen Tonnen erwartet. Ganz anders sieht das bei der EU als zweitwichtigstem globalen Birnenproduzenten aus.

Hier haben ungünstige Witterungsbedingungen zu einem Ernteminus von 27,5 % auf 1,73 Millionen Tonnen geführt, was auch deutliche Spuren beim Verbrauch und dem Export hinterlässt, die jeweils um ein Viertel einbrechen sollen. In den USA ist die Birnenernte nach schwachem Vorjahr laut USDA wieder um fast 7 % auf ein halbwegs normales Niveau von 633 000 Tonnen gestiegen. Für die wichtigsten Länder der Südhalbkugel prognostiziert die WAPA für 2022 insgesamt einen Rückgang der Birnenproduktion um 6 % auf 1,23 Millionen Tonnen.

Vor allem im Hauptanbauland Argentinien – aber auch in Chile – dürfte das Aufkommen um jeweils mehr als 10 % zurückgehen und damit auch das Mehrjahresmittel deutlich verfehlen. In Südafrika wird dagegen eine Zunahme der Erzeugung um 5 % auf ein neues Rekordniveau von 492 000 Tonnen erwartet. Für Russland, einst die größte globale Importnation für Birnen, prognostiziert das USDA gegenüber 2020/21 einen Einfuhrrückgang um mehr als 30 % auf 160 000 t, das wäre die geringste Menge seit 20 Jahren. 

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