Freitag, 24. September 2021
28.07.2021 10:14
Getreide

Fenaco: Mit Vertragsanbau Schweizer Hafer fördern

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Von: blu

Hafer kommt immer mehr auf den Speiseplan von Schweizer Haushalten. Der überwiegende Teil des Getreides wird bis jetzt importiert. Milchverarbeiter Emmi setzt auf Schweizer Hafer. Die Fenaco will den Anbau mit Vertragsanbau und Prämie fördern.

«100 Prozent Swiss, 0 Prozent Kompromiss», sagt Emmi-Markenbotschafterin Stefanie Heinzmann in einem TV-Spot. Die Walliser Sängerin macht aber nicht Werbung für ein neues Joghurt aus Kuhmilch, sondern sie spricht von einer Milchalternative aus Schweizer Hafer, die unter der Marke «Beleaf» angeboten wird. Emmi – der Konzern ist mehrheitlich im Besitz der Bauern – folgt hier einem Trend. Denn Milchersatzprodukte sind ein Wachstumsmarkt.

Emmi verarbeitet einige hundert Tonnen

Mit der Lancierung eines veganen Caffè Latte auf Mandelbasis wurden die Luzerner im November 2019 mit dem eigenen Namen sichtbar. Den Entscheid, eine Marke für vegane Produkte zu lancieren, begründete Emmi gegenüber dem «Schweizer Bauer» damals damit, dass die Bearbeitung von attraktiven Nischen zur Strategie des Unternehmens gehöre. Im Frühling 2020 sagte Emmi zu schweizerbauer.ch, auf einheimische Ware zu setzen.

Seit Frühling 2021 gibt es von Emmi Produkte aus Schweizer Hafer zu kaufen. Wo lagen die Herausforderungen? «Bei der Wahl des passenden Hafers, da der Geschmack je nach Sorte, Klima und Anbauort variiert, sowie bei der Verarbeitung der Haferkörner zu einem für die Weiterverarbeitung optimalen Zwischenprodukt. In der Schweiz musste das passende Zwischenfabrikat erst gemeinsam mit einem Haferlieferanten entwickelt werden», sagt Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker zu «Schweizer Bauer». Derzeit verarbeitet Emmi «erst» einige hundert Tonnen Schweizer Hafer.

Über 90 Prozent importiert

Hafer gilt als Wachstumsmarkt. Nebst den Milchersatzprodukten werden auch andere Produkte wie Haferflakes, Hafercookies und die klassischen Haferflocken immer mehr nachgefragt. Das hat mehrere Gründe: Das Getreide gilt als leicht verdaulich und weist einen hohen Gehalt an B-Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen auf. «Als pflanzlicher Eisenlieferant ist er in der vegetarisch-veganen Ernährung beliebt. Hafer fällt aufgrund dieser Eigenschaften in die Kategorie der «Superfoods», schreibt die Fenaco in einer Mitteilung.

Derzeit liegt der Bedarf in der Schweiz bei 50’000 Tonnen. Gemäss Statistik der Branchenorganisation Swiss Granum wurden 2020 in der Schweiz rund 2400 t Hafer für Speisezwecke geerntet, davon 430 t nach Knospe-Richtlinien. Weit über 90 Prozent wird importiert. Die Einfuhren stammten aus Finnland, Deutschland, Frankreich und Tschechien.

Anbau anspruchsvoll

Im vergangenen Jahr lag die Anbaufläche bei knapp 1’800 Hektaren. Da Emmi nun Schweizer Hafer für seine neue Produktelinie einsetzt, ist die Anbaufläche in diesem Jahr um rund 50 Hektaren gestiegen. Der durchschnittliche Ertrag beim Hafer liegt bei 5 t pro ha.

«Hafer stellt als Gesundungsfrucht wenig Ansprüche an den Boden und er überträgt keine Fruchtfolgekrankheiten», schreibt Die Fenaco. Das Getreide mit dem nussigen Geschmack benötigt zur Kornausbildung lange und kühle Sommertage. «Dies macht den Anbau von Qualitätshafer aufgrund der klimatischen Bedingungen in der Schweiz durchaus anspruchsvoll. Wohl auch deshalb setzen zurzeit nur wenige Landwirtinnen und Landwirte auf Speisehafer», hält der Konzern fest.

Prämie von 10 Fr. pro 100 kg

Trotzdem sieht das Unternehmen weiteres Wachstumspotenzial. Um den Anbau anzukurbeln, wird die Abteilung Getreide, Ölsaaten, Futtermittel (Fenaco GOF) mit nach eigenen Angaben produzentenfreundlichen Konditionen in den Vertragsanbau von Hafer einsteigen. Das Unternehmen garantiert den Landwirtinnen und Landwirten die Abnahme ihrer Produktion und stellt die Vermarktung an die Verarbeitungsbetriebe sicher. 

 «Neu vergüten wir den Landi den aufbereiteten Speisehafer, welcher die Qualitätsrichtlinien erreicht, mit einem Zuschlag von 10 Franken pro 100 Kilogramm gegenüber dem Richtpreis für Futterhafer. So wird der Anbau von Speisehafer für die Bauernbetriebe auch ausserhalb der Nische wirtschaftlich interessanter», ergänzt Fortunat Schmid, Mitglied der Geschäftsleitung von Fenaco GOF.

Produzenten gesucht

«Damit die Produktion rentabel ist, müssen die Produzentenpreise stimmen», machte Mathias Denzler, Kommunikationsverantwortlicher bei Schweizer Getreideproduzentenverband, im April gegenüber «Schweizer Bauer» deutlich. Der Richtpreis bei IP-Suisse liegt bei rund 40 Fr./100 kg. Hinzu kommt eine IP-Suisse-Prämie von 5 Fr./100 kg.

Die Fenaco hat 2020 und 2021 den Anbau von Speisehafer getestet. Ab 2022 soll es mit dem Vertragsanbau losgehen. Die Annahme des Hafers erfolgt über die Getreidesammelstellen beteiligter Landi. Diese suchen zurzeit Landwirtinnen und Landwirte, die sich für die Speisehaferproduktion interessieren. «In der Schweiz beginnt die Wertschöpfungskette von Hafer heute bei der verarbeitenden Lebensmittelindustrie. Unser Ziel ist es, sie bis auf den Acker auszudehnen», lässt sich Fortunat Schmid in der Mitteilung zitieren.

Schmid verhandelt mit der Lebensmittelindustrie, damit sie bereit ist, den Schweizer Hafer zu kaufen und zu verarbeiten. Er hofft, dass die Schweizer Bauern vom Trend profitieren können, obwohl die einheimische Ware teurer ist. «Wir setzen darauf, dass den Konsumentinnen und der Industrie Schweizer Hafer etwas wert ist», sagt Fortunat Schmid zu «SRF».

Anforderungen

Gemeinsam mit den örtlichen LANDI sucht fenaco Getreide, Ölsaaten, Futtermittel nach Landwirtinnen und Landwirten, die in die Vertragsproduktion von Speisehafer einsteigen möchten. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein:

  • Aussaat von zertifiziertem Saatgut Weisshafer gemäss Liste der empfohlenen Sorten LES
  • Einhaltung der Produktionsrichtlinien für Suisse Garantie inkl. Anmeldung via Agrosolution (durch LANDI mittels Anbauvereinbarung)
  • Anwendung der Zu-/Abschläge-Skala Hektoliter von swiss granum, mindestens 50 kg/HL
  • Gesunde, den Übernahmebedingungen von Swiss Granum entsprechende Ware
  • Kein Schwarz- und Gelbhafer enthaltend

Nach der Aufbereitung in der Sammelstelle darf der Hafer maximal 14.5 % H20 und 2 % Fremdbesatz aufweisen. Interessierte Produzentinnen und Produzenten wenden sich an ihre LANDI für den Abschluss einer Anbauvereinbarung im Maxi-System.

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One Response

  1. Würden für Hafer attraktive Preise bezahlt müssten keine solchen Übungen mit Vertragsanbau veranstaltet werden. In der ganzen Landwirtschaft sind die Landwirte zu Restgeldempfängern degradiert worden. Wenn der Markt spielen soll, müssen bessere Preise her. Es ist natürlich einfacher die Ware günstiger aus dem Ausland zu beziehen solange niemand darüber spricht.

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