Freitag, 24. September 2021
02.08.2021 15:02
Gemüse

Handel verschmähte Schweizer Gemüse

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Von: blu

Trotz Unwettern und Hochwasser kosten Gemüse in der Schweiz weniger als in früheren Jahren. Noch im Frühjahr mussten einige Bauern ihr Gemüse gar häckseln, weil der Handel auf günstigeres Gemüse aus dem Ausland setzte.

In den vergangenen Wochen hat es in der Schweiz sehr viel Regen gegeben. Weil die Böden gesättigt sind, versickert das Wasser nicht mehr. Felder stehen unter Wasser, das Gemüse verfault. Bauern rechnen mit teils massiven Ernteausfällen.

Der Warenkorb Obst und Gemüse des Bundesamtes für Landwirtschaft war laut der «SonntagsZeitung» aber deutlich günstiger zu haben als im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2020.

Preistrend zeigt gegen unten

Die Unterschiede je nach Gemüsesorte sind gross. Weisskabis, Peperoni, Knollensellerie und Rucola waren vergangene Woche zwischen 30 und 60 Prozent billiger als in den Vorjahren. Zucchetti (+44%), Lauch (+33%), Krautstiele (+32%), Eichblatt- (+22%) und Kopfsalat (+19%) hingegen waren deutlich teurer.

Insgesamt zeigt der Preistrend gemäss «SonntagsZeitung» insgesamt nach unten. «Wir beobachten eine zunehmende Differenzierung im Angebot, einerseits in Richtung Tiefpreise und Discounter, andererseits in Richtung hochpreisige Produkte wie Bio oder Spezialitäten», sagt Christian Kuhlgatz vom Fachbereich Marktanalysen beim Bundesamt für Landwirtschaft zur Zeitung.

Deutlich mehr Importe

Dass die Preise teilweise trotz schlechter Ernte gar günstiger sind als im Vorjahr, ist auf das Importsystem zurückzuführen. Wird genügend einheimisches Gemüse produziert, kommt für Importe ein höherer Zollansatz zur Anwendung (bewirtschaftete Phase). Ist die Versorgungslage aber knapp oder ungenügend, entscheidet das Bundesamt für Landwirtschaft zweimal in der Woche auf Antrag der Verbände des Handels und der Produktion über die Freigabe von Kontingenten mit einem tieferen Zollansatz.

In diesem Sommer mussten wegen der miesen Witterung insbesondere für Salate grössere Kontingente gesprochen werden. «In diesem Jahr waren es mehrere Hundert Tonnen pro Woche. Das ist aussergewöhnlich», sagt Markus Waber vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten, zur «SonntagsZeitung».

Weil es zu wenig Schweizer Gemüse gibt, werden die Importkontingente erhöht.
Markus J. Hässig

Auf billigeren Import gesetzt

Die Unwetter mit Hagel und übermässigem Regen führen in der Gemüseversorgung der Schweiz also zu einem Engpass. In der Schlechtwetterphase können die Gemüsebauern Pflanzen für die zweite Ernte nicht ausbringen oder ansäen. Zudem wuchs das Gemüse schlecht.

In Frühling war die Situation noch eine ganz andere. In einzelnen Fällen blieben die Schweizer Gemüseproduzenten gar auf ihrer knappen Ware sitzen, weil der Handel sich bereits im Winter mit billigerem Gemüse aus dem Ausland eingedeckt hatte, wie der «SonntagsBlick» berichtet.

Ein Händler habe sich geweigert, einheimisches Gemüse abzunehmen. Um welchen Detailhändler es sich handelt, schreibt der «SonntagsBlick» nicht.

Ein neues Phänomen

Die Bauern hätten verzweifelt nach neuen Abnehmern gesucht. Schlussendlich fanden mehrere Dutzend Tonnen Gemüse keinen Abnehmer. Gemäss dem Radiosender «RTS» musste ein Landwirt Salate und Tomaten gar häckseln.

Das ist ein neues Phänomen. «Wir haben es zuvor noch nie erlebt, dass die Detailhändler Schweizer Gemüse ablehnen, wenn das inländische Angebot die Nachfrage nicht deckt», sagt Matija Nuic, Direktor des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), zum «SonntagsBlick».

«Bewirtschaftete Phase» ausdehnen

Schweizer Tomaten sind vom 1. Juni und 30. September durch höhere Zölle, die sogenannte «bewirtschaftete Phase», geschützt. Während der übrigen Zeit sind die Ansätze tiefer. Wegen neuer Produktionstechniken werden Schweizer Tomaten vor dem 1. Juni geerntet. Deshalb möchte Nuic, dass die bewirtschaftete Phase ausgedehnt wird.

Die Produzenten würden viel in eine CO2-frei Produktion investieren. «Wenn für den Handel am Ende alleine der Preis zählt, ist das frustrierend», sagt Nuic. Die Detailhändler Migros, Coop, Aldi und Lidl sagen gegenüber dem «SonntagsBlick», dass wenn möglich Schweizer Ware bevorzugt werde.

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One Response

  1. Ich und viele Personen in meinem Bekanntenkreis würden gerne Gemüse vor dem Häckseln und Entsorgen bewahren. vielleicht könnte die Verteilung in die Städte über Initiativen wie die von Rüedü organisiert werden? Die Stadtbevölkerung ist oft gar nicht so heikel.

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