Dienstag, 26. Januar 2021
09.05.2012 13:54
Rohstoffhandel

Harsche Kritik an Rohstoffkonzern Glencore erster GV

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Von: sda

Der Rohstoffkonzern Glencore ist an seiner ersten Generalversammlung mit scharfer Kritik konfrontiert worden. Hilfswerke, Entwicklungs-organisationen und Politaktivisten warfen dem Multi Korruption, Steuerflucht und Missachtung von Menschen- und Umweltrechten vor.

Vertreter der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien, der Erklärung von Bern, von Brot für alle, Fastenopfer und Swissaid zogen an der ersten Glencore-GV vom Mittwoch in Zug eine «ernüchternde Bilanz». Sie forderten als Einzelaktionäre mehr Transparenz und von der politischen Schweiz eine bessere Regulation des Rohstoffsektors.

Ernüchterung bei NGO’s

Dabei gehe es etwa um die Offenlegung der Steuer- und Abgabezahlungen in den Förderländern, sagte der Rohstoff-Experte von Swissaid, Lorenz Kummer, auf Anfrage. In den USA und der EU würde Gesetzen vorbereitet, die eine länderweise Publikation vorschreiben. Andere Bergbaukonzerne wie Rio Tinto erfüllten dies bereits.

Kummer zeigte sich nach der nur 40 Minuten dauernden GV ernüchtert darüber, dass alle Anträge des Verwaltungsrates mit über 99 Prozent angenommen worden seien. Glencore sehe alle Auflagen als erfüllt an, wolle die Entwicklung aber im Auge behalten.

Schärfere Transparenz- und Sorgfaltsstandards für den Sektor fordert auch die NGO-Kampagne «Recht ohne Grenzen», welche anlässlich des Rohstoff-Gipfels «Global Commodities Summit» in Lausanne vergangenen Monat publik gemacht worden war.

Schwere Vorwürfe

Die britische Nichtregierungsorganisation Global Witness publizierte für die GV einen Bericht über das Geschäftsgebaren des Konzerns in Kongo. Demnach soll Kongos Regierung unter Präsident Joseph Kabila Kupfer- und Kobaltminen weit unter Marktwert verkauft haben, viele davon an den Mittelsmann Dan Gertler.

Dadurch könnten Kongos Bevölkerung Einnahmen von über 5 Mrd. Dollar entgangen sein, hiess es. Zudem gebe es Berichte über Kinderarbeit und massive Gewässerverschmutzung. In Kolumbien laufe eine Untersuchung des Rechnungsprüfungshofes, wonach Glencore den Staat bei Bergbau-Lizenzen übervorteilt habe.

Über 70 Prozent der Produktionsanlagen in vier Länder konzentriert

Dass Glencore regelmässig für Negativschlagzeilen sorge, sei Folge einer hochriskanten Geschäftsstrategie. So lägen wertmässig über 70 Prozent der Produktionsanlagen im Kongo, in Kolumbien, Kasachstan oder Äquatorialguinea, «also in besonders korruptions- und konfliktreichen Regionen».

Am Rande der GV demonstrierten Aktivisten der JUSO Schweiz mit Transparenten und zwei Vampir-Schauspielern gegen «die Blutsauger von Glencore».

Glencore weist Vorwürfe zurück

Glencore-Sprecher Simon Buerk wies die Vorwürfe, die nicht neu seien, zurück. Glencore habe an der GV die Auskunftsbegehren beantwortet, Fragen seien keine gestellt worden. Die erwähnte Flussverschmutzung etwa habe seit 50 Jahren bestanden. Glencore habe nach der Übernahme der fraglichen Anlage im Jahr 2009 investiert und das Problem gelöst.

Konzernchef Ivan Glasenberg habe bereits in einem BBC-Interview erklärt, dass Kinderarbeit nicht toleriert werde und Glencore sei auch nicht am kritisierten Kabila-Deal beteiligt.

Milliarden für Manager

Der Konzern zeigte sich dagegen zufrieden mit dem Start ins Jahr 2012. In den ersten drei Monaten habe sich der Handel in allen Segmenten gut entwickelt. Aus der im Februar angekündigten Fusion mit dem britisch-schweizerischen Bergbauunternehmen Xstrata seien vorsteuerliche Synergieeffekte von mindestens 500 Mio. Dollar zu erwarten.

Auch an der Generalversammlung von Xstrata haben diverse Organisationen Umweltverschmutzungen und Menschenrechtsverletzungen kritisiert.

Die in Baar im Tiefsteuer-Kanton Zug ansässige Glencore war im Mai 2011 an die Börsen von London und Hongkong gegangen. Dabei wurden einige Manager, darunter Konzernchef Ivan Glasenberg, zu Milliardären. Das Unternehmen erzielte 2011 bei einem Umsatz von 186,2 Mrd. Dollar einen Gewinn von 4,3 Mrd. Dollar.

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