Montag, 6. Dezember 2021
24.11.2021 17:30
Umfrage

Soll die Fenaco mehr im Ausland investieren?

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Von: blu

Eines der Ziele des Agrarkonzerns ist das Wachstum im Ausland. Die Engagements sind (noch) überschaubar. Nun gab die Fenaco bekannt, in Süddeutschland fünf Filialen nach dem Landi-Konzept zu eröffnen. Begrüssen Sie es, wenn die Fenaco weiter im Ausland investiert? Oder sehen Sie Gefahren? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Fenaco hat bereits vor einigen Jahren ihre Wachstumsfelder definiert. Dazu gehören der Detailhandel und das Ausland. Nun kombiniert die Fenaco beide Felder, indem sie im grenznahen Ausland mehrere Läden eröffnet.

Orte und Zeitpunkt noch geheim

Bei der Expansion holt die Fenaco die Zentralgenossenschaft (ZG) Raiffeisen mit ins Boot. Sie ist keine Unbekannte. Mit diesem Unternehmen betreibt die Fenaco seit 2015 ein Logistikzentrum badischen Lahr (D). Für den Aufbau der Laden-Kette wurde die Landwelt GmbH gegründet. Es handelt sich um ein Joint-Venture, an dem die beiden Unternehmen zu gleichen Teilen beteiligt sind.

In einem ersten Schritt werden fünf Pilotläden in Süddeutschland eröffnet.  Wo und wann werden die Läden eröffnet? Die Fenaco lässt sich nicht in die Karten blicken. «Die Standortevaluation läuft. Details dazu kommunizieren wir zurzeit nicht. Der Eröffnungszeitpunkt des ersten Ladens wird später kommuniziert», sagte Sprecherin Silja Stofer Anfang November gegenüber schweizerbauer.ch.

Die Fenaco ist bei der Partnerschaft die klare Nummer 1. Der Agrarkonzern erzielte 2020 einen Umsatz von knapp 7 Milliarden Franken. ZG Raiffeisen-Gruppe ist gut fünfmal kleiner als die Fenaco. Der Jahresumsatz lag im vergangenen Jahr bei rund 1,2 Mrd. Euro (1,28 Mrd. Fr.). 

Konzept aus der Schweiz

Auch bezüglich der Länge der Pilotphase gab sich das Unternehmen zugeknöpft. Sie liess die Dauer offen. Welche Anzahl Läden hat sich die Fenaco zum Ziel gesetzt? «Zunächst ist die Eröffnung von fünf «Landwelt-Läden» vorgesehen. Weitere Schritte werden nach dieser Pilotphase festgelegt», so Stofer.

Die Läden werden das Konzept der Landi-Läden übernehmen. Gemäss Fenaco heisst das einen hohen Eigenmarkenanteil und Dauertiefpreise sowie als Ergänzung lokale Produkte. Bei der Landwelt GmbH sind die Rollen klar definiert. Die Landi Schweiz AG ist für Konzept, Beschaffung, Logistik und Vermarktung verantwortlich. Die in Karlsruhe (D) ansässige ZG Raiffeisen verantwortet die Standortakquisition sowie das Personal- und Finanzwesen.

Das Landi-Konzept wird bei Landwelt angewendet. Bereits beim Schriftzug gibt es eine starke Anlehnung.
Fenaco

Detailhandel rüsten

Finden im Sortiment von Landwelt auch Produkte aus der Schweizer Landwirtschaft Unterschlupf? Die Antwort von Stofer schliesst dies eher aus. Basis bilde das in der Schweiz erfolgreiche Konzept von Dauertiefpreis und Eigenmarken, hiess es von der Leiterin Unternehmenskommunikation.

Wie profitieren die Schweizer Landwirte von einer Expansion in Deutschland? «Damit die Fenaco auch künftig ihre Kernaufgaben wahrnehmen kann, gilt es, das umsatzstarke Geschäftsfeld Detailhandel für die Zukunft zu rüsten», so Stofer weiter.  

Die Fenaco ist Agrargenossenschaft mit Sitz in Bern. Sie liegt in den Händen der Landi und deren Mitglieder, Schweizer Bäuerinnen und Bauern. Die Fenaco unterstützt nach eigenen Angaben die Landwirtinnen und Landwirte bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen. «Als genossenschaftliches Unternehmen streben wir eine Balance zwischen Rentabilität und Mitgliedernutzen an. Wir erarbeiten genügend Mittel, um die langfristige Entwicklung unseres Unternehmens sicherzustellen», schreibt die Fenaco auf ihrer Website.

Meinungen geteilt

Die Kommentare von schweizerbauer.ch-Leser fallen unterschiedlich aus. User «Philipp» sieht die Expansion kritisch: «Es ist so wie bei Hochdorf: die haben auch viel Geld in den Sand gesetzt. Die Fenaco steht nur so gut da, weil sie über Jahre den Bauern mit überhöhten Preisen indirekt ihre Direktzahlungen abgeknöpft haben.»

Kommentarschreiber «alter Bauer» sieht es hingegen als eine Notwendigkeit.: «Jedes Schweizer Agrarunternehmen ist gut beraten, wenn es im Ausland investiert.» Derzeit würde diese vom inländischen Agrarprotektionismus und den Direktzahlungen profitieren. «Diese Krücken lähmen aber gleichzeitig. Aktivitäten im Ausland sind ein Trainingslager für die Zeit nach dem Protektionismus. Sie wirken der Verkrustung und der Bequemlichkeit des Unternehmens entgegen», führt er aus.

Was denken Sie über das Engagement im Ausland? Ermöglicht dies neue Chancen? Oder erachten Sie die Risiken als zu gross? Abstimmen und mitdiskutieren

Soll die Fenaco mehr im Ausland investieren?
Ja, natürlich
28%
150
Ich bin nicht sicher
10%
55
Nein, auf Schweiz konzentrieren
61%
327

Fenaco: Die Aktivitäten im Ausland

Die Fenaco ist bereits in Ausland engagiert. 2016 wurde der französische Landmaschinenhändler Dousset Matelin von Tochter Serco übernommen. Im Februar 2021 informierte die Fenaco, das Geschäft in Frankreich zu erweitern. Die Groupe Serco, zu der Dousset Matelin gehört, gab Übernahmeverhandlungen mit Ballanger und AMA bekannt. Ein Zusammenschluss würde zu entscheidenden Synergieeffekten führen, beispielsweise in den Bereichen Finanzen, Administration, Informatik, Marketing oder Digitalisierung, teile die Fenaco mit. «Zusammen verfügen wir über die Grösse, die Expertise und die Innovationskraft, die erforderlich sind, um auf dem französischen Agrartechnikmarkt langfristig eine wichtige Rolle zu spielen », erklärte Werner Berger, CEO der Groupe Serco.

Auch im Bereich Dünger ist die Fenaco im Ausland aktiv. Im Düngerhandel ist die französische Tochter Fertag auch im deutschen Markt tätig. 2013 wurde die Minderheitsbeteiligung an der Fertag-France SA zu einer Mehrheitsbeteiligung ausgebaut. Und auch an der ebenfalls im Düngergeschäft tätigen belgischen Unifert-Interore S.A. hält Fenaco eine Beteiligung.

2018 hat die Fenaco die Getreidehandelsaktivitäten der Swiss Grana Group übernommen. Die Fenaco übernahm die Standorte die Standorte in der Schweiz, Deutschland und Tschechien. Mit der Übernahme will die Fenaco Rohwaren für Futtermittel nach bestimmten Qualitäten und Sorten beschaffen, das Handelsvolumen erhöhen und somit die Kosten im Zwischenhandel senken sowie die Produktsicherheit erhöhen.

Ausserdem betreibt die IT-Tochter Bison in Kaiserslautern (D) einen Standort.

Die Internationalisierung wird schrittweise ausgebaut. «2020 betrug der im Ausland erzielte Nettoerlös zirka 300 Mio. Fr. (Red. Umsatz des Konzerns lag 2020 bei 7 Mrd. Fr.) und aktuell beschäftigen wir rund 450 Mitarbeitende in Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Tschechien und Rumänien», sagte Fenaco-Chef in diesem Jahr zu «Schweizer Landtechnik». Die Fenaco verfolgt gemäss Keller zwei Ziele: Den internationalen Wissenstransfer und neue Technologien für die Schweizer Bauern. Weiter will die Warenverfügbarkeit erhöhen.

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