Sonntag, 29. November 2020
25.11.2014 08:00
Tränkerhandel

Transparenz im Tränkermarkt schaffen

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Von: Doris Grossenbacher

Die Idee der Tränkerauktion in Moudon VD ist die Umgehung des Zwischenhandels und damit bessere Preise für die Bauern. Das System funktioniert gut. Die Händler hingegen sind darüber gar nicht erfreut.

Wie jedes Jahr um diese Zeit sind die Tränkerpreise im Keller. Das Angebot ist gross, die Mäster sind nicht mehr bereit, die höheren Preise zu zahlen. Denn die jetzt eingestallten Tiere werden erst Anfang nächstes Jahr schlachtreif, wenn die Nachfrage schlechter ist. Trotzdem konnten am Dienstag auf dem Tränkermarkt in Moudon fast alle der 172 aufgeführten Tränker zu guten Preisen versteigert werden, wie ein Augenschein vor Ort zeigte.

Zwischenhandel umgehen

Seit 2005 organisiert die Schlachtviehgenossenschaft Waadt und Genf (SVGB) in der Regel jeden zweiten Dienstag einen Tränkermarkt an der Landwirtschaftsschule Grange-Verney. Dieser ist im Gegensatz zu den anderen (Händler-) Märkten in Produzentenhand. Die Idee dahinter: den Zwischenhandel umgehen, damit die Produzenten eine bessere Wertschöpfung haben.  Dank der öffentlichen Versteigerung wird mehr Transparenz und damit gerechtere Preise geschaffen.

«Mittlerweile werden in Moudon rund 4’000 Tränker pro Jahr versteigert», sagt Charles-André Lenoir, Vize-Präsident der Genossenschaft. «Und im Schnitt sind die Preise bei uns höher als auf den anderen Märkten.» Dies bedinge aber auch gute Qualitäten. Nur diese würden sich besser verkaufen.

10 Franken Marktbeitrag

Das System funktioniert so: Am Dienstagmorgen führen Transporteure und Landwirte ihre Tränker nach Moudon. «Etwa die Hälfte der Kälber wird von den Landwirten selber transportiert», schätzt Lenoir. Jeder Verkäufer bezahlt (im Unterschied zu den anderen Märkten) einen Marktbeitrag von 11 Fr. pro Kalb plus 2 Fr. Versicherung. Dazu kommt je nachdem noch der Transportbeitrag von 18 Fr.

Auch die Käufer bezahlen den Marktbeitrag von 11 Fr. pro Kalb. «Es gibt Landwirte, die fahren vom Berner Jura bis nach Moudon mit ihren Tränkern», weiss der Landwirt aus Château-d’Oex VD. «Aber damit sich dies lohnt, braucht es wirklich schöne Kälber.»

Die Versteigerung

Vor der Versteigerung wird jedes Kalb gewogen. Um 9 Uhr geht es los. Die Kälber werden einzeln in ein kleines Gehege geführt, wo sie von den Käufern begutachtet werden. Der Marktleiter Claude André Fardel ruft Geschlecht, Gewicht und allenfalls Kreuzung aus. Dann beginnt das Bieten: «9.50 Fr., 9.60 Fr., 9.70 Fr. …» AA-Stiere werden an diesem Morgen im Schnitt für 10 Fr./kg gehandelt. Ein 91 kg schwerer Limousin-Stier wurde gar für 11.50 Fr./kg verkauft. Dies lohnt sich, weil der Preis bei 75 kg plafoniert ist. Das heisst, der Käufer bezahlt nur für 75 kg.

Der Marktleiter versteigert die Tränker nur zu einem gewissen Mindestpreis (z.B. 3 Fr./kg, je nach Saison). Will diesen niemand bezahlen, geht das Kalb an den Schlachthof in Moudon. Die Verkäufer solcher Kälber erhalten dafür einen Beitrag aus der Kasse der Auffuhrbeiträge. Mit diesem System könne das Preisniveau hochgehalten werden, erklärt Fardel. Und alle Kälber würden abgeräumt.

Ein Mäster und Käufer erklärt: «Hier bezahle ich zwar oft etwas mehr für die Tränker, dafür kann ich die Qualität selber auswählen, und die ist meistens sehr gut.» Übersteigt das Angebot die Nachfrage deutlich, werden natürlich auch in Moudon schlechtere Preise gelöst.

Kritik der Händler

Den Händlern ist das System Moudon ein Dorn im Auge, da es im Prinzip den Handel ausschaltet. Ein Händler aus der Region berichtet, dass er dadurch viele Kunden verloren habe.

Ja, anfangs hätten sich die Händler mit Händen und Füssen gegen den Markt gewehrt, erinnert sich Jacques Monachon, der den Markt mitgegründet hat. Heute seien jedoch immer auch einige Händler unter den Käufern, die vom breiten Angebot und der guten Qualität der aufgeführten Tränker profitieren wollten. Monachon kritisiert  seinerseits die publizierten Tränkerpreise des Marktes in Thun: «Diese Preise sind nicht korrekt und viel zu tief. Sie machen den ganzen Markt kaputt.»

Win-win-Situation

Ein Händler aus der Deutschschweiz bemängelt im Gegenzug die Klassifizierung in Moudon: «AA-Tiere werden zum Teil als A-Kälber taxiert, was den A-Preis nach oben zieht und verfälscht.» Marktleiter Fardel verteidigt das System und sagt, dass nur schlechte Kreuzungstiere als A-Kälber taxiert würden.

Tatsache ist: Das System funktioniert in Moudon gut. Die Verkäufer erhalten in der Regel bessere Preise und die Käufer bessere Tränker. Dies beweist auch der grosse Aufmarsch an Käufern am letzten Dienstag. Trotz des grossen Angebotes mussten nur 15 Kälber an den Schlachthof geliefert werden.

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