Sonntag, 11. April 2021
08.04.2021 12:01
Raps

Weltrapsmarkt: Knappe Versorgung erwartet

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Von: AgE

Londoner Experten setzen ihre Prognose für die Endbestände 2020/21 auf 3,6 Millionen Tonnen herab. Die weltweite Nachfrage soll im Vergleich zum Vorjahr um fast vier Prozent steigen. Die EU importiert voraussichtlich Rekordmengen an Rapssaat.

Für den globalen Rapsmarkt zeichnet sich aktuell eine anhaltend engere Versorgungslage ab als zuvor erwartet worden ist. Der Internationale Getreiderat (IGC) geht davon aus, dass die weltweiten Rapsbestände bis zum Ende der laufenden Vermarktungssaison deutlicher abgestockt werden dürften und sich auch zum Abschluss des Folgejahres auf einem Mehrjahrestief bewegen werden.

Gemäß ihres aktuellen Berichts rechnen die Londoner Marktexperten für 2020/21 jetzt mit einem Abbau der Lagermengen auf nur noch 3,6 Mio t; im Februar hatten sie noch mit 200’000 t mehr gerechnet. Die Vorjahresmenge würde demnach um 2,6 Mio t oder 41,9 % unterschritten.

Begründet wird der Bestandsabbau vor allem mit der umfangreicheren globalen Rapsnachfrage, die 2020/21 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Mio t oder 3,8 % auf 73 Mio t zulegen soll. Davon dürften dem IGC zufolge 69,9 Mio t auf die Vermahlung entfallen, nach 66,8 Mio t im Vorjahr.

Dagegen wird der Einsatz für Futterzwecke voraussichtlich um 400’000 t auf 2,1 Mio t und der Rapsverbrauch für die menschliche Ernährung um 100’000 t auf 900’000 t abnehmen. Der jetzt für Ende 2020/21 prognostizierte globale Lagerbestand an Rapssaat würde nur noch ausreichen, um die erwartete Nachfrage für etwa 18 Tage zu decken. Demnach stellt sich die Versorgungslage mit der schwarzen Ölfrucht vergleichsweise eng dar; im Mittel der vergangenen fünf Jahre hatte die Bestandsmenge für 29 Tage gereicht.

Mehr Raps nach China

Nach Einschätzung des Getreiderats werden die Rapsbestände Kanadas bis zum Ende der laufenden Saison besonders stark schrumpfen, nämlich um 2,3 Mio t auf nur noch 700’000 t. Das wäre das niedrigste Niveau der vergangenen acht Jahre.

Als Grund nennen die Londoner Experten den lebhaften Rapsexport des nordamerikanischen Landes, der 2020/21 im Vorjahresvergleich um 1 Mio t auf den Rekord von 11,4 Mio t ausgeweitet werden dürfte.

Für Schwung im internationalen Handel sorgt unter anderem die wieder anziehende Nachfrage Chinas. Das «Reich der Mitte» dürfte dem IGC zufolge im aktuellen Vermarktungsjahr 3,3 Mio t Raps einführen, 1 Mio t mehr als im Vorjahr. Allerdings waren die Rapsimporte Chinas in der ferneren Vergangenheit noch deutlich höher; für 2017/18 weist der Getreiderat beispielsweise eine Menge von 4,3 Mio t aus. Den Fachleuten zufolge wird das Land seinen zusätzlichen Importbedarf an pflanzlichem Eiweiß weiterhin vorwiegend mit Sojabohnen decken.

Größere Ausfuhrmenge Australiens

Der mit großem Abstand global wichtigste Rapsimporteur bleibt die EU-27, deren Nachfrage am Weltmarkt 2020/21 dem IGC-Bericht zufolge im Vorjahresvergleich um 400’000 t auf den Rekord von 6,5 Mio t steigen dürfte.

Als Ursache nennen die Londoner Marktfachleute die erneut nur mäßige EU-Rapsernte im vorigen Jahr sowie die knappe Versorgungslage in der Gemeinschaft mit Sonnenblumensaat und entsprechenden Produkten. Vor allem Australien, der nach Kanada zweitwichtigste Rapsanbieter am Weltmarkt, hat von den Rapseinkäufen der Union profitiert. Der Getreiderat sieht die Rapsausfuhren von «Down Under» für 2020/21 nun bei einem Vierjahrespeak von 2,9 Mio t, nach nur 1,5 Mio t im Vorjahr.

Ausdehnung des Rapsanbaus in Kanada erwartet

Mit Blick auf die nächste Saison geht der IGC von einer anhaltend knappen Versorgungslage aus. Zwar erwarten die Fachleute laut ihrer ersten Projektion, dass globale Rapsproduktion 2021/22 auf den neuen Rekord von 72,8 Mio t steigt. Jedoch wird gleichzeitig damit gerechnet, dass die weltweite Rapsnachfrage mit 72,9 Mio t noch geringfügig höher ausfallen wird.

Für die EU-27 sagt der Getreiderat ein Aufkommen von 16,6 Mio t der schwarzen Ölfrucht voraus; das wären 500’000 t oder gut 3 % mehr als 2019/20. Verwiesen wird auf die aktuell gute Wasserversorgung der Böden in weiten Teilen der Gemeinschaft, die 2021 höhere Erträge ermöglichen werde.

Im Einzelnen wird für Deutschland und Frankreich eine Zunahme der Erntemenge um jeweils 100’000 t auf 3,6 Mio t beziehungsweise 3,3 Mio t prognostiziert. Für Kanada, den weltgrößten Rapsproduzenten, erwarten die Experten ein Aufkommen von 20,4 Mio t; das wären 1,7 Mio t oder 9,2 % mehr als das Ergebnis von 2020/21. Dabei geht der Getreiderat davon aus, dass die kanadischen Farmer den Rapsanbau angesichts der derzeit attraktiven Preise um 5 % ausweiten werden.

Gut 48’000 Tonnen Rapsöl aus Kanada

Unterdessen meldete sich die Europäische Union 2020 als Käufer von Rapsöl aus Kanada zurück. Wie die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) in Berlin mit Verweis auf aktuelle Daten von Statistics Canada mitteilte, importierte die EU-27 im vergangenen Jahr rund 48’200 t Rapsöl aus dem nordamerikanischen Land. In den beiden Vorjahren waren die betreffenden Einfuhren auf null zurückgegangen, nachdem 2017 rund 11’000 t und 2016 noch etwa 37’400 t Rapsöl aus Kanada eingeführt worden waren.

Die Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) begründete die Wiederbelebung der EU-Rapsölbezüge aus Kanada mit der kleinen Rapsernte in der Gemeinschaft im vorigen Jahr. Außerdem dürften die kanadischen Rapsölanbieter von den attraktiven Weltmarktpreisen zum Export motiviert worden sein.

USA größter Abnehmer

Der UFOP zufolge belegte die EU-27 unter den Destinationen für kanadisches Rapsöl im Jahr 2020 den sechsten Platz. Die gesamten kanadischen Rapsölexporte beziffert Statistics Canada für das vergangene Jahr auf 3,375 Mio t; das waren 215’000 t oder 6,8 % mehr als 2019. Der Mittelwert der vergangenen fünf Jahre wurde damit sogar um 13,2 % übertroffen.

Der Hauptgrund für diesen Zuwachs war die deutlich größere Nachfrage Chinas nach kanadischem Rapsöl, die im Vorjahresvergleich um 230’000 t oder 26 % auf 1,1 Mio t anzog. Die Einfuhrmenge von 2018 wurde damit aber noch um fast 60’000 t oder 5 % verfehlt. Das «Reich der Mitte» ist «traditionell» der zweitwichtigste Kunde der kanadischen Rapsölexporteure.

Auf dem ersten Platz rangierten 2020 weiterhin mit großem Abstand die USA mit Bezügen von insgesamt 1,725 Mio t Rapsöl aus dem Nachbarland. Den dritten Platz belegte Südkorea mit 126’000 t, gefolgt von Chile mit 122’000 t und Mexiko mit 91’000 t.

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