Freitag, 22. Januar 2021
24.11.2020 15:50
Mostobst

Mostobst: Rückbehalte so hoch wie nie

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Von: bki/blu

Die Mostobstlager sind voll. Die Rückbehalte sind mit 13 Fr. für Mostäpfel und 11 Fr. für Mostbirnen sehr hoch.

Heuer wurden 11’293 Tonnen Mostbirnen (159% des jährlichen Bedarfs) und 90’835 Tonnen Mostäpfel (126% des jährlichen Bedarfs) in die gewerblichen Mostereien geliefert, wie der Schweizer Obstverband (SOV) in einer Medienmitteilung schreibt. Die Erntemenge bei den konventionellen Mostäpfeln liegt bei 80’980 Tonnen, bei den Mostbirnen bei 12’300 Tonnen.

Aufteilung der Mostobsternte 2020 nach Produktionsmethode (in Tonnen)
SOV

Menge übersteigt Bedarf

Die grosse Erntemenge im konventionellen Segment führt zu Rückbehalten, das heisst, tieferen Erlösen für die Bauern. Der diesjährige Rückbehalt beim Mostobst startete mit 5 Fr./100 kg bereits hoch. Nun ist der Rückbehalt definitiv. Und zwar definitiv sehr hoch: Er beträgt für konventionelle und Suisse-Garantie-Mostäpfel 13 Fr. und für Mostbirnen 11 Fr. pro 100 Kilo. 

Der Bioanteil liegt bei 12% oder 9800 Tonnen Mostäpfel und knapp 22% oder 2465 Tonnen Mostbirnen. Bei Bio-Mostobst wurde kein Rückbehalt  festgelegt. Dies aufgrund der Marktbedürfnisse und der Richtlinie von Bio Suisse, bei welcher bei der Herstellung von verdünnten Säften mit mehr als 25 % Wasser (wie z.B. Apfelschorle) Konzentrat verwendet werden darf. Dies ermöglicht eine längere Lagerhaltung und das Anlegen einer Marktreserve.

Die Konzentratlager der Mostobstbranche sind voll. Laut dem SOV könnte damit der Marktbedarf von mehr als zwei Jahren gedeckt werden. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

Die heurige Erntemenge übersteigt den Bedarf.

– In den Lagern befindet sich immer noch ein Teil des Ertrags aus der Rekordernte 2018.

– Der Konsum von Apfelsaft ist rückläufig, und die derzeitige Situation verschärft diesen Absatzrückgang zusätzlich.

– Coronabedingte Schliessungen von Gastronomie und Absage von Events haben zu tieferen Absätzen geführt. Wie lange die Verschärfungen noch gelten, ist noch unklar.

756 Tonnen exportiert

Um den Markt zu entlasten und Lagerbestände zu abzubauen, hat das Produktzentrum Mostobst des Schweizer Obstverbandes im August 2020 einen mengenabhängigen Rückbehalt auf konventionelles und Suisse Garantie-Mostobst beschlossen. Mit den Rückbehalten sollen Obstsaftkonzentrate ins Ausland exportiert und der Schweizer Markt stabilisiert werden. Bis jetzt wurden 756 Tonnen Mostäpfel exportiert. Da die Schweizer Preise aber deutlich höher sind als die Weltmarktpreise, muss das Mostobst für den Export verbilligt werden. Die Mittel dazu stammen aus dem Rückbehalt, den die Bauern pro 100 Kilogramm Mostobst entrichten. In diesem Jahr liegt der definitive Rückbehalt  bei Mostäpfeln konventionell und Suisse Garantie 13 Franken (Erntemenge 80’000 bis 85’000 Tonnen) und für Mostbirnen konventionell und Suisse Garantie 11 Franken pro 100 Kilo (Erntemenge 8500 bis 8999 Tonnen).

Mostobstrichtpreise für Suisse Garantie-, konventionelles Mostobst und weitere Abzüge. Die Preise sind gültig franko Verarbeitungsbetrib, welcher Konzentrat herstellt, respektive seine Annahmestelle.
SOV

Rückbehaltssystem

Die Mostobsterntemengen schwanken von Jahr zu Jahr stark. Hauptgrund dafür ist gemäss Obstverband die sogenannte Alternanz: Hochstammbäume haben in einem Jahr viele Früchte, im nächsten wenig. Um diese Schwankungen auszugleichen, lagern die Verarbeiter in Jahren mit einer Überproduktion mehr Obstsaftkonzentrat ein, als für den Inlandkonsum benötigt wird. Diese Marktreserven betragen in der Regel 40 Prozent eines Jahresbedarfs. Fällt mehr Obstsaftkonzentrat an, als für die Marktreserve benötigt wird, muss dieser Überschuss exportiert werden. Damit der Markt weiterhin entlastet werden kann und die Lagerbestände in diesem Jahr weiter abgebaut werden können, beschloss das Produktzentrum (PZ) Mostobst einen mengenabhängigen Rückbehalt. 

Das gibt vor, dass jene Mengen, die den Jahresbedarf sowie die Lagerreserve übersteigen, als frisches Mostobst, Konzentrat oder Fertigprodukt exportiert werden können. Die notwendigen Preisstützungen stammen gemäss Verband aus dem Mostobstfond. Mit dieser Branchenmassnahme soll die Übernahme der gesamten Ernte sichergestellt werden. Bis 2009 unterstützte der Bund den Export von Obstsaftkonzentrat.

Rückbehalt wird analysiert

«Der Schweizer Obstverband hat grosses Verständnis für die schwierige Lage, in welcher sich einzelne Betriebe aufgrund der Höhe dieses Rückbehalts befinden», schreibt der Verband.

Doch das Produktzentrum (PZ)  Mostobst halte am Rückbehaltesystem fest, denn dadurch könne die Übernahme der gesamten Ware durch die Mostereien garantiert werden. Der hohe Rückbehalt 2020 werde die Branche aber weiterhin beschäftigen und die Situation werde genau analysiert, heisst es.

8 Responses

  1. Zur Finanzierung des Exports von ca. 1 % der Erntemenge werden ca. 40 % des Erlöses „rückbehalten“ sprich nicht ausbezahlt. Es ist im Grunde eine markante Verbilligung des Preises für das Ausgangsprodukt „Mostobst“. Dazu kommt der Erstverarbeiterzuschlag des Bundes, so dass die Vearbeiter das Obst „kostenlos“ – weit unter Wert – erhalten. Der Transport wird vom Erzeuger mit 2.50 /dt auch noch bezahlt. Ernüchternd – verfaulen lassen ist billiger. Die QII Zuschläge reichen- aber nicht fürs Image!

  2. Schön dass die Löhne der Mostobstverarbeiter und ihren Angestelllten auch im nachhinein gekürzt werden, da sie ja mehr arbeiten mussten in diesem Herbst. Das ist gerechtigkeit.

  3. Rückbehalt ist auch ein irreführendes Wort, das kann von mir aus beim Getreide angewendet werden, da rechnet man dann mit 50 – 10 % Nachzahlung des eben Rückbehaltes.
    Abzug wäre korrekter. Denn der Preis ist definitiv.

  4. In jeder anderen Branche würde dies dieses Jahr mit Corona abgerechnet und der Bund müsste für die Kürzung aufkommen. Aber bei den Bauern geht das ja, dass man einen drittel weniger bezahlt… Das ist kein Problem…

  5. Ich verschenke die Aepfel meiner Hochstammbäume nicht. Was wir nicht als Apfelsaft direkt verkaufen können, wird zu Apfelessig. Gut lagerbar und bewährt zur Gesunderhaltung auch unseres Viehs. siehe Buch von Dr. Jarvis „5 x 20 Jahre leben“

  6. Ich bin Handwerker (gmbh) 1.5 angestellte
    Bis jetz habe ich auch kein Geld vom Staat bekommen.Die Corona gelder gehen nur an Grosdbetriebe oder an windige kleine Betrügerfirmen mit Ausländischen Geschäftsführer

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