Dienstag, 26. Januar 2021
11.01.2021 15:00
Erdöl

Ölpreise steigen – kein Einfluss auf Benzinpreis

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Von: awp

Mit einer überraschend starken Kürzung der Ölproduktion hat die Opec+ diese Woche auf die Corona-Krise reagiert. Laut Experten dürften die Preise pro Fass nun weiter steigen. Für die Rohöl-Sorte Brent rechnen sie kurzfristig mit Werten von mehr als 60 US-Dollar (53,50 Fr.).

Am Montagmorgen kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent Crude 55,16 US-Dollar. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) rangiert derweil bei 51,71 Dollar. Damit stehen die Ölpreise wieder in der Nähe ihrer Stände vor dem schweren Einbruch während der ersten Corona-Welle im Frühling 2020.

Preise stürzten im April ab

Die Pandemie war eine böse Überraschung für den Ölmarkt. Im April war die Ölnachfrage wegen der globalen Lockdowns so stark wie noch nie gefallen. So machten etwa das weltweite Grounding von Airlines und die Einschränkung der allgemeinen Mobilität dem Rohölpreis stark zu schaffen.

Daneben kam es zu einem Streit innerhalb der Ölförderallianz Opec+. Dieser löste einen weiteren, rasanten Preisverfall aus. Ein Fass Brent kostete zwischenzeitlich weniger als 20 Dollar. Der Preis für WTI stürzte gar unter null. Auf dem Höhepunkt zahlten Händler eine Prämie von 40 Dollar damit ihnen der Mai-Kontrakt für ein WTI-Fass abgenommen wurde.

Erholungsrally

Gestoppt werden konnte der Verfall des Rohölpreises erst, als die Opec+ im Mai auf einmal zehn Prozent des weltweiten Ölangebots vom Markt nahm. Dies sorgte für ein Erholungsrally. Ende Jahr, als klar wurde, dass bald eine Impfung gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen würde, kauften die Anleger erneut zu. Der Brent-Preis erholte sich erneut um rund 30 Prozent.

Und diese Woche ging es nun mit klaren Gewinnen weiter. Vor dem Treffen der Opec+ lag der Brent-Preis pro Fass noch 4 Dollar tiefer bei rund 51 Dollar. Entscheidend für den Anstieg dieser Woche war dann der Entschluss des Ölverbunds, die Förderung in den Monaten Februar und März unter dem Strich zu reduzieren.

Saudi-Arabien senkte Fördermengen

Dabei trägt Ölgigant Saudi-Arabien die Hauptlast der geplanten Förderkürzungen, während der zweite grosse Förderer Russland seine Produktion sogar leicht ausweiten darf. Der Entschluss kam nach einer längeren Debatte der Länder zustande, die sich abermals zunächst nicht einigen konnten.

Der Schritt zur deutlichen Reduktion durch die Saudis war von diesen offenbar nicht mit den anderen Staaten abgesprochen. Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak sprach daher von einem «Neujahrsgeschenk».

Nach Einschätzung des Rohstoffexperten Carsten Fritsch von der Commerzbank verhindert die zusätzliche Produktionskürzung der Saudis ein Überangebot am Ölmarkt. Dies hätte ansonsten gedroht, weil westliche Industriestaaten die Mobilität im Kampf gegen die Corona-Pandemie erneut eingeschränkt haben.

Warnung vor «Bumerang»-Effekt

Allerdings könnte sich der Beschluss von Opec+ auch «zum Bumerang» entwickeln, sagt Fritsch. Denn dadurch werde das Bohren nach Schieferöl in den USA wieder lukrativer und somit die Aussicht auf ein steigendes Angebot auf dem Weltmarkt grösser.

Schieferöl wird via Fracking gewonnen. Dabei handelt es sich nicht um eine Bohrtechnik, sondern um ein Verfahren, mit dem sich Erdgas oder Erdöl aus undurchlässigem Gestein lösen lassen. Wirklich lukrativ ist diese Fördermethode erst ab Ölpreisen von rund 50 Dollar pro Barrel.

Doch nicht nur Schieferölproduzenten, auch Förderländer wie Venezuela, Mexiko oder Algerien dürften sich über die steigenden Rohölpreise freuen. Sie befinden sich in teils prekären wirtschaftlichen Lagen, die allerdings – primär im Fall von Venezuela – auch andere, politische Ursachen haben.

Preise könnten bald auf 60 US-Dollar steigen

Experten gehen gleichwohl davon aus, dass der Ölpreis im Jahresverlauf weiter steigen wird. So kann sich UBS-Experte Giovanni Staunovo Brent-Fasspreise von über 60 US-Dollar vorstellen, wie er im Video-Interview mit der Nachrichtenagentur AWP sagte. Mittelfristig hält er sogar Preise «in Richtung 80 US-Dollar» für nicht ausgeschlossen. Denn langfristig dürfte der Markt strukturell unterversorgt bleiben, ist er überzeugt.

Preistreibend auswirken könnte sich einerseits die Nachfrage aus asiatischen Schwellenländern. Andererseits führten reduzierte Investitionen innerhalb der Branche zu Angebotskürzungen. «Weil Benzin und Heizöl direkt mit dem Ölpreis verbunden sind, wird es dann auch zu einer Erhöhung dieser Preise kommen», fügte Staunovo an.

Der Preisanstieg dürfte sich an den Tankstellen nicht gross im Preis auswirken.
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Preise für Konsumenten dürften nur wenig steigen

Allerdings dürfte sich der Preisanstieg an den Tankstellen in engen Grenzen halten. Denn beim Benzinpreis macht der Rohstoff nur 15 bis 20 Prozent des Endpreises aus. Mehr als die Hälfte des Betrags, den die Konsumenten an der Zapfsäule bezahlen, wird durch verschiedene Steuern bestimmt.

Diese bringen dem Schweizer Staat jährliche Einnahmen von 5 bis 6 Milliarden Franken. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren gibt es für die Tankstellenbetreiber daher nicht viel Spielraum bei der Preisgestaltung – weder nach oben noch nach unten.

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