Samstag, 6. März 2021
26.01.2021 15:47
Ackerbau

Ackerbau: Bauernverband ortet grosses Potenzial

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Von: sda/blu/mgt

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) ortet für den Pflanzenbau angesichts neuer Trends und des Klimawandels grosse Möglichkeiten. Mit 37 Prozent ist der Eigenversorgungsgrad der Schweiz allerdings tief und sinkt seit 2014. Auch verloren die hiesigen Bauern Marktanteile. Der SBV hat einen Bericht mit Empfehlungen erstellt.

Mit 4,2 Milliarden Franken trägt der Pflanzenbau knapp 40 Prozent zur landwirtschaftlichen Gesamtrechnung bei, wie der Bauernverband am Dienstag mitteilte. Damit ist er ein zentraler Pfeiler des bäuerlichen Einkommens.

Fehlendes Bewusstsein für die Herkunft

Die Gründe für den Rückgang in den letzten Jahren sind vielfältig. Wichtig ist laut einem Bericht des Verbands das fehlende Bewusstsein für die Herkunft der Rohstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln. «Pflanzliche Rohstoffe werden oft als reine «Commodities» betrachtet, sind also leicht austauschbar», schreibt der SBV.

Bei pflanzlichen Rohstoffen fehlt oft eine klare Deklaration. «Ganz anders sieht das bei tierischen Produkten aus, wo die Herkunft Schweiz eine zentralere Rolle spielt», hält der Bauernverband fest. Auch den Grenzschutz wollen die Bauern verstärken. Gerade bei stark nachgefragten Pflanzen führe dessen Fehlen dazu, dass diese in der Schweiz wegen der Billigkonkurrenz aus dem Ausland kaum angebaut würden.

Neue Marktchancen eruieren

Ziel des Berichts ist insbesondere, sich neu eröffnende Marktchancen zu eruieren. Aus diesem Grund analysiert der Schweizer Bauernverband darin die wichtigsten hier angebauten Ackerkulturen: Entwicklungen und Veränderungen bei der Inlandproduktion, ihre wirtschaftliche Bedeutung für die Landwirtschaftsbetriebe, Marktverhältnisse und Warenströme, Grenzschutz sowie das jeweilige Potential für den aktuellen und den künftigen Anbau in der Schweiz.

Der vorliegende SBV-Bericht zeigt, dass die Wirtschaftlichkeit für die Ackerbaubetriebe ungenügend ausfällt, was sich auch in einer rückläufigen Produktion und steigenden Importmenge von Futtermitteln manifestiert. Nischenkulturen ermöglichen einigen Betrieben neue Perspektiven. «Mit einem Anteil von gut 1’600 ha (2019) vermögen sie aber die Flächenverluste bei den relevanten Kulturen nicht annähernd auszugleichen», heisst es im Bericht.

Wirtschaftlichkeit für Bauern erhöhen

Es seien Lösungen für die «Grandes Cultures» gefragt. Für eine vielfältigen Fruchtfolge und Kulturlandschaften brauche es einen entsprechenden Absatz und eine ansprechende Wirtschaftlichkeit für die Produzenten. «Dazu braucht es über die ganze Wertschöpfungskette hinweg eine Bereitschaft für Veränderungen. Unter anderem müssen Verarbeiter, Handel und Konsumenten willens sein, etwas tiefer in die Tasche zu greifen», heisst es weiter.

Die hohen Margen bei Mehrwertprodukten will der Verband hinterfragen, denn diese Margen wirken sich negativ auf deren Absatz aus. Auch gezielte Nachbesserungen beim Grenzschutz werden vorgeschlagen. Zudem soll die Nachhaltigkeit der Importware genauer geprüft werden. So könnten sich neue Märkte und Absatzmöglichmöglichkeiten eröffnen.

Die wichtigsten Erkenntnisse in fünf konkrete Stossrichtungen:

1. Marktchancen nutzen und Wertschöpfung verbessern:

Die zunehmend nachgefragten Milch- und Fleischersatzprodukte bestehen weitestgehend aus importierten Rohstoffen oder werden direkt fertig verarbeitet importiert. Ein normaler, konventioneller Haferdrink kostet bei Coop 2.95 Fr./Liter. Er enthält 11% Hafer. Seine Erzeugung ist simpel. Würde man Schweizer Hafer verwenden, kämen die Rohstoffkosten für diesen Drink beim aktuellen Richtpreis für Schweizer Hafer von 30.50 Fr./100kg gerade mal bei 4 Rappen zu liegen. Die Autoren empfehlen, anstelle von wertschöpfungsschwachen Kulturen wie Ackerbohnen oder Eiweisserbsen für den Tierbereich, die zudem vom Markt kaum nachgefragt werden, gezielt den Anbau von Kulturen für wertschöpfungsstarke Märkte für die direkte menschliche Ernährung anzustreben. Welche Kulturen genau nachgefragt sind, muss mit der Wertschöpfungskette geklärt werden. Mögliche Kulturen wären Erbsen, Soja, Hafer oder Braugerste.

2. Sensibilität für Rohstoffherkunft in verarbeiteten Produkten wecken – Nachfragesog erzeugen

Die Sensibilität der Konsumenten für die Herkunft der Rohstoffe in verarbeiteten Produkten ist heute eher tief. Eine Veränderung ist hier besonders wichtig, weil pflanzliche Rohstoffe oft mehr oder weniger stark verarbeitet in den Verkauf gelangen und daher leicht austauschbar sind. Diese «Austauschbarkeit» wirkt sich als Nachteil bei Preisverhandlungen aus. Bei tierischen Produkten (Milch, Fleisch) oder Gemüse und Obst ist die Sensibilität der Konsumenten nach Regionalität bzw. Herkunft Schweiz hingegen sehr hoch. Die Bedeutung der Rohstoffherkunft in verarbeiteten Produkten könnte ein besonderer Schwerpunkt der Absatzförderung sein.

3. Getreidemarkt stärken – wieder mehr Schweizer Brotgetreide verarbeiten und vermarkten

Bestehende Zollschlupflöcher sollen gezielt angegangen und geschlossen werden. Im Bereich der Fertigbackwaren greift der Grenzschutz nicht. Er wird via Halb- und Fertigfabrikate ausgehebelt. Ziel ist, dass auf Kosten von Importware wieder mehr Schweizer Brotgetreide verarbeitet und vermarktet wird.

4. Grenzschutzproblematik angehen

Ohne einen funktionierenden Grenzschutz ist die Aufrechterhaltung einer relevanten Produktion in der Schweiz schwierig und braucht weitere unterstützende Instrumente. Das zeigt aktuell der Zuckermarkt. Viele Kulturen, die problemlos in der Schweiz angebaut werden könnten (Hartweizen), verfügen über gar keinen Schutz – entsprechend wenig werden sie in der Schweiz produziert. Das betrifft auch praktisch alle Nischenkulturen. Trotz umfangreichen Geldern schaffte es bisher keine der geförderten Kulturen zu einer marktrelevanten Grösse. Das Thema Grenzschutz ist wieder auf die politische Agenda zu bringen, mit den zwei Schwerpunkte Nischenkulturen und Fertigbackwaren.

5. Gleich lange Spiesse für Schweizer Rohstoffe gegenüber Importware

Mit Glyphosat zur Abreife gebrachtes Getreide, mit Chlorothalonil behandelte Bananen, mit aus Neonicotinoid-gebeiztem Zuckerrübensaatgut erzeugter Zucker – die Liste, der mit bei uns verbotenen Mitteln und Praktiken in die Schweiz importieren Lebensmittel ist lang. Auf der politischen Ebene ist gezielt Druck aufzubauen, dass in die Schweiz eingeführte Lebensmittel die gleichen Standards einzuhalten haben, wie sie für die Schweizer Bauern gelten.

-> Den gesamten Bericht gibt es hier

3 Responses

  1. Wollte gerade den Deckungsbeitrag von Schweizer Palmöl rechnen… der Schweizer Bauernverband soll sich doch seine Erkentnisse sonst wohin schieben! Mit der Befürwortung von Freihandel torpediert ihr die einheimische Produktion.

    1. Es kommt darauf an für welche Konditionen ein Freihandel abgeschlossen wurde. Im angesprochenen Fall sind diese für die Schweizer Bauern nicht zum Nachteil. Kann doch auch ein Exportmarkt erschlossen werden, welche auch wieder Fertigprodukte mit Schweizer Rohstoffe beinhalten. Es gilt aber immer wachsam zu sein und eine Chancen/Risiko Abwägung von Fall zu Fall zu tätigen. Freihandel mit Indonesien ist keine Gefahr für die Schweizer Bauern.

  2. Der SBV hat das Kapitel 6 vergessen: Der 2. Weltkrieg ist vorbei und die Welt ist heute global (Anmerkung vor 1848 hat auch jeer Kanton seinen Notvorräte)

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