20.03.2017 13:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Entwässerung
192'000 ha drohen zu versumpfen
Rund ein Drittel der Fruchtfolgeflächen der Schweiz ist entwässert. Das Leitungsnetz sollte dringend saniert werden. Doch die Sanierung und auch deren Finanzierung ist bei Umweltverbänden höchst umstritten.

Das Rheintal und die Linthebene im Kanton St.Gallen, das Berner und das Freiburger Seeland, die Orbe-Ebene  im Kanton Waadt und die meisten Flusstäler im Kanton Aargau haben zwei Eigenschaften gemeinsam: Sie gehören zu den produktivsten Landwirtschaftsflächen der Schweiz. Und sie werden mit umfangreichen Drainageleitungen entwässert.

Wiederbeschaffungswert von 5 Milliarden

Rund 130'000 ha der insgesamt 438'000 ha Fruchtfolgeflächen in der Schweiz sind laut Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) entwässerte Flächen. Insgesamt werden gar 192'000 ha Kulturland entwässert, wie aus dem Bericht «Stand der Drainagen in der Schweiz» des BLW hervorgeht. Der Wert der Drainageleitungen ist gigantisch. Der Bericht geht von einem Wiederbeschaffungswert von ungefähr 5 Mrd. Fr. aus.

Weiter wird im Bericht erwähnt, dass ungefähr ein Drittel aller Drainagen in einem schlechten oder in einem unbekannten Zustand ist. Der Sanierungsbedarf dieser Leitungen, welche teilweise 100-jährig und älter sind, beträgt also etwa 1,7 Mrd. Fr. Aber nicht alle wollen diese Drainagen sanieren. Jens Leifeld von Agroscope sagte in der SRF-Sendung «Eco» in Bezug auf drainierte Moorböden:«Meiner Meinung nach sollte man in den allermeisten Fällen die Nutzung dieser Böden stark zurückfahren.»

Nicht alle wollen Drainagen sanieren

Auch Marcel Liner von Pro Natura freute sich im «Eco»-Beitrag sichtlich über ein Gebiet bei Henggart ZH, das wieder vernässt wird. Er sagt: «Moorböden werden heute so stark geschädigt, dass die Fruchtbarkeit abnimmt und die Böden in einigen Jahrzehnten sowieso nicht mehr landwirtschaftlich intensiv nutzbar sein werden.» Er fordert bei Moorböden eine Fall-zu-Fall-Beurteilung und eine aktive Förderung und professionelle Begleitung bei Wiedervernässungen. Der Umweltökonom Felix Schläpfer wiederum hinterfragte im «Eco» die hohen Kosten einer Produktion auf Moorböden, auch weil CO2 aus den Böden entweiche.

Landwirtschaftsvertreter wehren sich gegen diese Argumentation. «Die Produktion von qualitativ sehr guten Schweizer Lebensmitteln für die Konsumenten und die Ernährungssicherheit rechtfertigen den Aufwand», sagt Aurelia Marti, Geschäftsführerin des Vereins Pro Agricultura Seeland. Sie betont, dass eine Auslagerung der Lebensmittelproduktion ins Ausland keine Probleme löse, sondern nur verlagere.

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