21.02.2017 06:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Boden
Ackerflächen ärmer an Selen
Mit dem Klimawandel werden bis Ende des Jahrhunderts zwei Drittel der Ackerflächen weltweit geringere Mengen des Spurenelements Selen aufweisen. Damit steigt auch vielerorts das Risiko, an Selenmangel zu erkranken. Das zeigt eine Studie von Schweizer sowie deutschen und britischen Forschenden.

Selen ist ein Spurenelement, das eine wichtige Rolle für die menschliche Gesundheit spielt und das über die Ernährung aufgenommen wird. Die Selen-Menge in der Nahrung, zum Beispiel in Getreideprodukten, hängt stark davon ab, wie viel des Spurenelements in Ackerböden vorkommt.

Selen-Verteilung 

Mit dem Klimawandel könnten Böden jedoch zunehmend Selen-arm werden. Das berichtet ein internationales Forscherteam unter Leitung der Forschungsanstalt Eawag. Dem Team ist es erstmals gelungen, eine weltweite Karte der Selen-Verteilung zu rekonstruieren, wie die Eawag am Montag mitteilte.

Das gelang durch eine umfassende Analyse von Datensätzen, die eigentlich für andere Zwecke zusammengetragen worden waren. Ausserdem konnten die Forscher eine Verbindung ziehen zwischen dem Selen-Gehalt, der Bodenbeschaffenheit und den jeweiligen Klimabedingungen vor Ort, wie sie im Fachblatt «PNAS» berichten.

Selenmangel droht

So gelang es ihnen auch, den Selen-Gehalt in Böden vorherzusagen, wenn sich die Klimabedingungen im Zuge der Erderwärmung verändern. Dazu simulierten sie die durchschnittliche Menge des Spurenelements für die Zeitspannen 1980 bis 1999 und 2080 bis 2099. Das Resultat: Zwei Drittel der weltweiten Ackerflächen werden bis Ende des Jahrhunderts an Selen verlieren, im Vergleich zu Ende des 20. Jahrhunderts im Mittel um fast neun Prozent.

Damit steigt auch in vielen Regionen das Risiko, an Selenmangel zu erkranken, warnen die Forschenden. Bereits heute sei bis zu einer Milliarde Menschen davon betroffen, schrieb die Eawag. Gesundheitliche Folgen können beispielsweise eine Erkrankung des Herzmuskels sein.

Mit Düngen entgegenwirken

Der zunehmenden Selen-Armut der Böden liesse sich mit entsprechenden Düngemitteln entgegenwirken. Finnland tue dies bereits seit 1984, hiess es weiter. Ausserdem könne man Selen auch als Zusatzstoff in Tierfutter verwenden. Die Studienautoren sehen in ihren Ergebnissen eine frühzeitige Warnung an humanitäre Organisationen und die Agrarindustrie, sich auf das Problem einzustellen.

Neben der Eawag waren auch Forschende der ETH Zürich, des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung sowie Wissenschaftler aus Schottland und England an der Studie beteiligt.

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