11.12.2018 09:51
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Bauern warnen vor Werkschliessungen
Die Zuckerrübenanbauer in Hessen und in der Pfalz sehen die Zukunft der Zuckerrübe aufs Spiel gesetzt und warnen in der Konsequenz vor Schliessungen von Zuckerfabriken auch in wettbewerbsstarken Regionen. Die erforderliche Auslastung der Zuckerfabriken 2019/20 ist nicht mehr gewährleistet

In einer am vergangenen Donnerstag gefassten Resolution appellieren der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer, die Vereinigung der
Zuckerrübenanbauer und der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd (BWV) an die politisch Verantwortlichen auf Bundes- und EU-Ebene, sich aktiv für den Erhalt der Zuckerrübenproduktion einzusetzen. 

Politik in der Kritik


Sie fordern verantwortungsbewusstes Handeln im Sinne des heimischen Zuckerrübenanbaus, der sich derzeit in einer schweren Krise befinde. Die Verbände kritisieren, dass sich die Politik in eine Beobachterrolle zurückgezogen habe, obwohl sie massgeblich für die aktuelle Situation verantwortlich sei. Die Abschaffung von Produktionsquoten und Mindestpreisen habe die Erzeuger in Europa einem massiven Wettbewerbsdruck ausgesetzt.

Exportsubventionen und interne Preisstützungen in Drittländern hätten zu einem Verfall des Weltmarktpreises in kurzer Zeit geführt, der 2019 in einer europaweit sinkenden Anbaufläche resultieren werde. Da die für eine wirtschaftliche Produktion erforderliche Auslastung der vorhandenen Zuckerfabriken damit aber nicht mehr gewährleistet werden könne, drohten Werksschliessungen.

Neonikotinoideinsatz in anderen EU-Ländern

Die Verbände beklagen außerdem, dass die aktuelle Krise durch übereilte und unnötige Verbote von Pflanzenschutzmitteln in Verbindung mit einem Zulassungssystem in Deutschland, das die Verfügbarkeit von alternativen Wirkstoffen massiv verzögere, teilweise sogar verhindere, verschärft werde. Vor diesem Hintergrund fordern sie eine Beschleunigung und Vereinfachung der Zulassungsverfahren sowie die konsequente Umsetzung der auf EU-Ebene beschlossenen zonalen Zulassung. 

Ausserdem dürften Zulassungen nicht an politisch oder ideologisch motivierten Konflikten zwischen Ministerien in Berlin beziehungsweise Bundesbehörden scheitern. Verwiesen wird in dem Zusammenhang darauf, dass die Zuckerrübenanbauer in mindestens sechs europäischen Ländern durch Unterstützung ihrer Politik auch 2019 Neonikotinoide einsetzen dürften. Dies sorge für weitere Wettbewerbsnachteile für die deutschen Anbauer.

Wettbewerbsnachteil


Zudem geben die Verbände zu bedenken, dass mehrere Mitgliedsstaaten feste Prämien für den Anbau von Zuckerrüben an die Landwirte zahlten. Deutschland verzichte auf diese gekoppelten Zahlungen, wodurch den heimischen Produzenten ein entscheidender Wettbewerbsnachteil entstehe. Ein fairer Wettbewerb sei somit faktisch ausgeschaltet. Im Hinblick darauf wird die deutsche Regierung aufgefordert, „mit allen verfügbaren Mitteln“ die Abschaffung nationaler Prämien durchzusetzen.

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