5.05.2017 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Unkraut
«Bekämpfungspflicht ist nötig»
Das Erdmandelgras erfasst immer mehr Felder. Das Unkraut kann zu massiven Ertragseinbussen führen. Bauernverband und betroffene Organisationen fordern eine Bekämpfungspflicht. Das BLW will nun handeln.

Das Erdmandelgras breitet sich aus. Das führt zu massiven Einbussen: Auf stark verseuchten Flächen traten selbst nach Herbizideinsatz Ertragsverluste von gut 60 bis 70 Prozent bei Rüben und 30 bis 40 Prozent bei Kartoffeln auf.

Gefährliches Unkraut

Die Bekämpfung des Grases – es belegt laut dem Strickhof Platz 16 auf der Liste der weltweit gefährlichsten Unkräuter –  ist nur schwer möglich, am ehesten noch im Mais. Dort belaufen sich die Kosten für chemische und mechanische Massnahmen auf rund 700 Franken pro Hektare. Hinzu kommen die Arbeitsstunden für Ausreissen, Ausgraben und Kontrollen.

Für David Brugger vom Schweizer Bauernverband besteht dringender Handlungsbedarf. «Seit Jahren fordert die Branche eine nationale Melde- und Bekämpfungspflicht», betont er. «Erste Erkenntnisse aus dem 2016 gestarteten nationalen Beratungsprojekt Erdmandelgras bestätigen nun, dass diese zwingend notwendig ist. Da die Bekämpfung nicht zentral koordiniert wird, steigt das Risiko, dass Befallsherde über Jahre nicht gemeldet werden. In dieser Zeit können die Erdmandeln grossflächig verschleppt werden.»

Der SBV forderte laut Brugger gemeinsam mit den betroffenen Organisationen Bund und Kantone in einem Schreiben ein zweites Mal auf, endlich die notwendigen Voraussetzungen für eine effiziente und zielführende Bekämpfung zu schaffen.  

Harte Blätter  

Die harten, braunen Mandeln des Erdmandelgrases sehen Erdkrumen ähnlich. Sie treiben mehrfach aus und überleben mehrere Jahre. Die Knöllchen sind sehr klein (2 bis 15mm) und werden leicht über Maschinen verschleppt. Warme Witterung, Bewässerung und nährstoffreiche Böden beschleunigen Wachstum und Mandelgrösse. Die Bildung neuer Knöllchen beginnt ab Juni. Das Erdmandelgras unterscheidet sich deutlich von anderen Gräsern und kennzeichnet sich durch einen dreikantigen Stängel, eine V-förmige Blattmittelrinne und durch die hellgrüne Farbe. Die Blätter sind hart und schwer benetzbar. sum

Koordiniertes Vorgehen gewünscht

Samuel Jenni, Leiter der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau, würde ein national oder zumindest kantonal koordiniertes Vorgehen begrüssen. Er befürchtet sonst massive Ertragseinbussen: «Hat das Unkraut einmal eine gewisse Verbreitung erreicht, ‹chlöpft› es. Wir haben im Seeland Schläge, auf denen keine Kartoffeln, kein Wurzelgemüse und keine Rüben mehr angebaut werden dürfen. Die Gefahr einer Verschleppung der Mandeln durch Bodenbearbeitungsgeräte ist zu gross. Ohne strikte Auflagen könnte das flächendeckende Ausmasse annehmen.»

In die Tiefe graben

Unabhängig von der Bekämpfungsmethode ist es wichtig, zu wissen, aus welcher Tiefe die Erdmandeln austreiben. Weder Herbizide noch eine flache Bodenbearbeitung erfassen Erdmandeln in tieferen Bodenschichten. Sind Erdmandeln in tieferen Schichten vorhanden, sollte der Boden ab und zu tief bearbeitet werden, um überdauernde Erdmandeln aus der Tiefe an die Oberfläche zu befördern, wo sie besser bekämpft werden können. Sind keine Erdmandeln in tieferen Schichten vorhanden, darf der Boden nicht tief bearbeitet werden, weil sie sonst vergraben werden. Am besten kann die Tiefe der Erdmandel im Frühling nach dem Austreiben des Erdmandelgrases festgestellt werden. Mit einem Spaten wird entlang der weissen Hauptwurzel des Erdmandelgrases in die Tiefe gegraben, bis die Erdmandel zum Vorschein kommt. sum

Nun will das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) handeln, wie Gabriele Schachermayr bestätigt: «Das BLW sieht vor, auf die Anfrage der Kantone einzutreten.» Man wolle eine Plattform gründen, um strategische Anliegen im Bereich von kantonsübergreifenden Massnahmen zu koordinieren. «Bei Schadorganismen wie dem Erdmandelgras, die nicht in einer Verordnung geregelt sind, könnte mit einer koordinierten Vorgehensweise in den Kantonen die Effektivität und die Effizienz der Überwachung und Bekämpfung erhöht werden.» 

Herbizide haben nur eine Teilwirkung

Derzeit keimt das Erdmandelgras. Cyperus esculentus, so der lateinische Name, es ist sehr konkurrenzstark und deshalb weltweit ein berüchtigtes Unkraut. Die Bekämpfung ist schwierig und kann nur mit Ausdauer und einer Kombination mehrerer Massnahmen zum richtigen Zeitpunkt gelingen. 

Kleine Nester können noch durch Ausgraben bekämpft werden. Junge Pflanzen können durch eine oberflächliche Bodenbearbeitung zerstört werden, die Mutterknollen sind aber fähig, mehrmals auszutreiben. Deshalb sind Wiederholungen der Massnahmen nötig. Der Pflug kann die Knöllchen nicht zerstören, sondern verlagert diese in die Tiefe. Diese ruhen dort und können noch nach Jahren wieder austreiben. Neben der Neubildung von Tochterknöllchen muss unbedingt auch die Blütenbildung verhindert werden, da auch Samen auskeimen können. Eine chemische Bekämpfung ist schwierig, es gibt kein Mittel, das die Pflanzen vollständig ausrottet. Auf stark befallenen Flächen ist es sinnvoll, über mehrere Jahre Mais anzubauen, um den Befallsdruck zu reduzieren (ÖLN-Fruchtfolgeregelung beachten). Erdmandelgras muss im Mais in mehreren Durchgängen bekämpft werden. Nicht, weil spät keimende Erdmandeln dem Mais noch schaden können, sondern um jede Knöllchen-Neubildung zu verhindern. Nur so kann der Knöllchenvorrat im Boden über die Jahre reduziert werden. 

Dual Gold ist im Mais als Vorsaatbehandlung mit sofortiger Einarbeitung gegen Erdmandelgras bewilligt. Im ÖLN ist dafür eine Sonderbewilligung nötig. Eine späte Maissaat ist von Vorteil, da sie vorgängig noch mechanische Bekämpfungsmassnahmen ermöglicht und so bereits aufgelaufene Erdmandelgraspflanzen zerstört werden können. Danach müssen die Maschinen auf dem Feld gereinigt werden. Im Nachauflauf stehen Herbizide mit guter (Teil-) Wirkung zur Verfügung. Das Erdmandelgras ist in einem frühen Stadium, spätestens im 3- bis 5-Blatt-Stadium, zu bekämpfen. Danach wird die Wachsschicht immer dicker, was die Aufnahme der Produkte bremst. Eine Applikation mit Droplegs zu einem späteren Zeitpunkt schont den Mais und ermöglicht, spät aufgelaufene Erdmandelgräser zu bekämpfen (Anwendungsfenster der Herbizide beachten). Nach Bestandesschluss ist die Keimung der Erdmandeln durch die Beschattung meist genügend gehemmt. sum

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