Samstag, 15. Mai 2021
07.12.2016 07:03
Biolandbau

Bio diskutiert über Zukunft

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Von: Anja Tschannen

Wie will sich Bio in Zukunft entwickeln? Wie kann man mehr Bio in Europa und weltweit erreichen, und was steckt hinter dem Begriff «Bio 3.0»? An der Zukunftstagung in Bern standen diese Fragen im Zentrum. Mit Video-Interviews

Nächstes Jahr will Bio Suisse die langfristigen Ziele des Verbandes besprechen. Einen Schritt für erste Diskussionen hat die Schweizer Biobranche bereits unternommen. Im Kulturcasino in Bern haben Vertreter der gesamten Wertschöpfungskette vom Produzenten über den Verarbeiter und Händler bis hin zum Konsumenten unter dem Schlagwort «Bio 3.0»  ihre Visionen  für die Biobranche und  den Biokonsum ausgetauscht.

Potenzial ist vorhanden

«Wir möchten den Biolandbau in der Schweiz, in Europa und weltweit fördern», sagt Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse. In der Schweiz produzieren rund 13% der Landwirte nach den Biorichtlinien, in Europa sind es 2,7% und  weltweit gerade mal 1%. Potenzial nach oben ist also vorhanden. «Deshalb müssen wir uns fragen, wie sich der Biolandbau weiterentwickeln soll», fährt er fort.

Bio will modern sein

Im Bereich neue Technologien und Techniken hat sich viel getan. Hier muss konkret besprochen werden, was «bioverträglich» ist und was nicht. «Dieser Punkt ist wichtig, denn wir wollen modern und innovativ daherkommen und kein verstaubtes Image haben», betont Brändli.

Ein weiterer Diskussionspunkt  ist die Nachhaltigkeit. «Wir spüren heraus, dass nicht nur das Kernthema von Bio nämlich die Ökologie, sondern auch das Soziale immer wichtiger wird, und dementsprechend wollen wir dies in Zukunft stärker mit einbeziehen», erklärt der Präsident. Neben  der Nachhaltigkeit und der Technologie bildet der Konsument eine Schlüsselposition.

Was will der Konsument?

«Was sind die Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft, insbesondere an den Biolandbau? Das  ist nur eine von vielen Fragen, die in diesem Zusammenhang gestellt werden müssen», erklärt Brändli. «Wir erwarten von den Landwirten eine gewisse Transparenz.

Uns fehlt das Wissen, um verstehen zu können, was hinter all den verschiedenen Betrieben steckt», beantwortet Laura Schälchli als Präsidentin von Slow Food Youth (siehe Kasten), die Frage. Gesund sollen die Lebensmittel sein, nicht nur für den Konsumenten, sondern durch eine «gesunde» Produktion auch für die Umwelt, die Tiere, den Boden und die Biodiversität.

«Involviert uns mehr»

Zudem würden sich viele Konsumenten wünschen, dass sie von den Produzenten stärker in den Produktionsprozess involviert werden. «Wir möchten nicht nur als Konsumenten angeschaut werden sondern als Teil der ganzen Produktionskette, als eine  Art Co-Produzenten. Die zum Beispiel in der Kommunikation eine unterstützende Rolle haben oder in Form einer solidarischen Landwirtschaft», veranschaulicht Schälchli.

Jeder soll sich melden

Wenn der Konsument mehr mit einbezogen werde, dann steige das Verständnis für die Produktion, und die Bereitschaft einen höheren Preis zu zahlen, sei grösser. Bioproduzenten die selber nicht an dieser Austauschrunde dabei sein konnten, aber Ideen und Vorstellungen zu «Bio 3.0» haben, sollen diese  über ihre regionalen Mitgliederorganisationen oder direkt über Bio Suisse bekannt machen. 

«Erst dann, wenn wir möglichst viele verschiedene Ansichten kennen und intensiv diskutiert haben, finden wir einen guten Weg für die Zukunft des Biolandbaus», bestärkt Brändli.

Slow Food Youth

Slow Food Youth ist eine offene Gruppe von jungen Menschen, die sich nach den Slow-Food-Grundsätzen gut, sauber und fair für eine nachhaltige Landwirtschaft, bewusste Konsumenten, Geschmacksvielfalt und Wertschätzung gegenüber dem Essen und den Produzenten einsetzt. Das Motto lautet: Wir denken global und handeln lokal.

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