26.04.2018 09:47
Quelle: schweizerbauer.ch - sum/sal
Betriebsführung
Bio-veganer Anbau hat Potenzial
Jann Krättli und Werner Brauchart führen ihre Betriebe bio-vegan. Sie halten keine Tiere, nutzen weder Mist noch Gülle. Diese Produktionsart ist vom globalen Biodachverband anerkannt. Tierärztin Anita Idel ist skeptisch.

Jann Krättli und Nadia Ruchti führen in Rechthalten FR den Tannacker, einen kleinen Biobetrieb. Angebaut werden Obst, Gemüse, Kräuter und Beeren. Die Ernte wird auf dem Markt verkauft. Das Spezielle: Krättli produziert bio-vegan. Er setzt keinen Mist und keine Gülle ein, und er hält auf seinem Betrieb keine Tiere. 

Zertifikation möglich

Der Tannacker ist nicht der einzige bio-vegane Bauernhof. Liselotte und Werner Brauchart verzichten auf dem Biohof Wisacher in Malters LU ebenfalls auf Tiere und tierischen Dünger. Wie Krättli fahren Braucharts auf den Markt. Beide Bauern loben den bio-veganen Anbau gegenüber den Kunden nicht speziell aus. «Ein Teil der Kundschaft weiss, dass das Gemüse bio-vegan ist», so Krättli. «Ich möchte, dass die Leute primär Freude haben an den Produkten.»

Dabei haben bio-vegane Höfe die Möglichkeit, sich zertifizieren zu lassen. Die biozyklisch-veganen Richtlinien des Biocyclic-vegan Network wurden 2017 durch den weltweit tätigen Biodachverband Ifoam anerkannt. In der Schweiz bietet Bio Inspecta die Zertifizierung an. In Europa gehören rund 100 Biobetriebe dem Biocyclic-vegan Network an. 

Viel Potenzial vorhanden

In der Schweiz ist die Zahl bio-vegan wirtschaftender Bauern unbekannt. Sigrid Alexander, Kursleiterin am Forschungsinstitut für biologischen Anbau, meint aber: «Die Zahl ist grösser, als man denkt. Einige produzieren bio-vegan, lassen sich aber nicht zertifizieren. Erst bei der Vermarktung über den Zwischenhandel scheint dies nötig zu werden.»

Alexander hat kürzlich einen Kurs über bio-vegane Lebensmittel geleitet. «Biobetriebe mit Tieren beschäftigen sich aufgrund kritischer Nachfragen ihrer Kunden mit diesem Thema», betont sie. «Bei bereits viehlos arbeitenden Bauern ist noch viel Potenzial vorhanden.»  

Düngerproblem im Ackerbau


Die bekannte Tierärztin und Buchautorin Anita Idel ist skeptisch bezüglich bio-veganem Anbau. In Brugg AG sagte sie Ende März, für den Erhalt von fruchtbaren Böden brauche es Weidetiere. Der Veganimus habe ein Düngerproblem im Ackerbau, wenn er vollständig auf Nutztiere verzichten wolle. «Ich kann mir nicht vorstellen, wie alternative Düngungsmittel wie Kompost ausserhalb einzelner Betriebe in grösseren Massstäben funktionieren sollten», so Idel. 

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